Kommen wir mit Kindern in den Wald, also in eine nicht vorbereitete Umgebung ohne Spielgeräte äußern sie oft zunächst Unmut oder Langeweile, wenn sie es bisher nicht gewohnt sind. Doch nach kurzer Zeit erwacht ihre Fantasie und sie versinken ganz in ihrem eigenen Spiel. Im Wald mit Kindern können wir das ganz deutlich erleben.

Warum Wald?

Die positive Wirkung des Waldes auf Menschen ist wissenschaftlich längst bewiesen. Es gibt sogar ein eigenes Wort für das mentale und physische Auftanken in der grünen Umgebung: Waldbaden. Habt ihr im Wald schon einmal richtig tief und bewusst die Waldluft eingeatmet? Das hilft uns, die mentale „Pause-Taste“ zu drücken und einfach mal abzuschalten.

Naturerfahrungen sind essentiell für ein gesundes Aufwachsen. Sie fördern die Kreativität, mindern Aggressionen und Stress und stärken die Abwehrkräfte. Und: Einen Wald gibt es fast immer in erreichbarer Entfernung.

Die Naturentfremdung hingegen, die in unserer modernen Gesellschaft zu beobachten ist, wurde mittlerweile sogar als Krankheitsbild beschrieben – mit Folge der seelischen Verkümmerung aufgrund mangelnder Regenerationsräume.

Vorbereitungen für einen Waldausflug

Für einen entspannten Tag im Wald mit Kindern ist, wie bei so vielen Unternehmungen, eine gute Vorbereitung unerlässlich:

  • Bereitet ein kleines Picknick vor. Möglichst verpackungsfrei, damit kein Müll im Wald zurückbleiben kann. Hier können die Kinder je nach Alter mithelfen.
  • Nehmt für jedes Kind eine kleine Tasche für gefundene Naturschätze mit, die es selbst tragen kann.
  • Größere Kinder haben vielleicht Spaß mit einem Schnitzmesser, kleinere an Lupenbechern und Ferngläsern.
  • Die richtige Kleidung anziehen. Der Jahreszeit entsprechend, aber immer mit festen Schuhen, am besten langärmelig und mit genügend Bewegungsfreiheit. Eventuell – je nach Alter und Wetter – solltet ihr Wechselkleidung dabei haben.

Wie verhalten wir uns im Wald?

Besprecht zu Beginn wichtige Verhaltensregeln, die im Wald einzuhalten sind. Dazu gehört, nur Sachen zu sammeln, die schon am Boden liegen und keine Rinde oder Zweige von lebenden Bäumen oder Büschen abzureißen. Zeigt euren Kindern, dass auch Pflanzen und Pilze Lebewesen sind, die in einem großen Kreislauf mit Tieren und Menschen stehen und aufeinander angewiesen sind. Stellt euch hier schonmal auf viele Fragen ein ?

Wenn ihr Nüsse, Beeren oder Blumen sammelt, nehmt nicht alles mit, sondern lasst immer genug für Tiere übrig. Begegnet dem Wald mit Respekt und Dankbarkeit und erwähnt euren Kindern gegenüber auch nochmal, dass nie Sachen im Mund landen sollten, ohne vorher einen Erwachsenen zu fragen.
Und natürlich auch ganz wichtig: Nie Dinge im Wald liegen lassen, die nicht dorthin gehören. Selbst Taschentücher können negative Auswirkungen haben, wenn sie gebleicht wurden, denn bei der Zersetzung gehen die Chemikalien aus der Produktion in den Boden über.

Wie schon angedeutet finden Kinder im Wald meist schon nach kurzer Zeit ins Spiel und das beste ist, sie einfach in ihrer Fantasie treiben zu lassen. Trotzdem lohnt es sich, auch ein paar Anregungen im Hinterkopf zu haben.

Verstecken spielen

So einfach und doch so effektiv: Verstecken spielen, der Klassiker unter den Kinderspielen, bietet in der Natur ganz neue Möglichkeiten. In dem Moment, in dem sich die Kinder verstecken und darauf warten, gefunden zu werden, kommen sie nicht umhin, ihre Umgebung ungefiltert wahrzunehmen und zu erleben. Mal ganz davon abgesehen, dass Verstecken spielen keinerlei Vorbereitung oder Material braucht und riesigen Spaß macht.

Naturschätze finden

Kinder lieben es, Dinge zu suchen und im Wald gibt es Naturschätze in Hülle und Fülle. Ihr könnt euch entweder treiben lassen, oder eine Art Schatzkarte mitnehmen, auf der gesuchte Dinge stehen, nach denen dann gesucht werden soll. Ihr könnt sie selbst malen oder gemeinsam mit euren Kindern im Vorfeld gestalten (eine tolle Vorlage dafür findet ihr übrigens auf der Rückseite unserer Herbstausgabe 2019) .
Mit den gesammelten Schätzen könnt ihr dann später, wenn ihr wieder zuhause seid, schöne Dinge basteln, z.B. einen Herbstkranz aus Hagebutten.

Inspiration für Naturbastelein findet ihr auch in unserem Pinterest Ordner.

Eine Hütte bauen

Ein Klassiker im Wald mit Kindern ist das Bauen einer Hütte. Mit langen Ästen, die rundherum an Baumstämme gelegt werden, entsteht so schnell ein Haus, eine Höhle oder eine Burg – lasst der Fantasie freien Lauf. Je nach Alter der Kinder „dürft“ ihr mehr helfen oder seid nur die Zuschauer. Auf jeden Fall ist es eine sehr schöne und oft auch ausdauernde Beschäftigung, die Kindern viel Freude bereitet. Zudem gibt es ihnen ein positiv bestärkendes Gefühl der Selbstwirksamkeit, zu sehen, was sie selbst mit ihren Händen schaffen können.

Naturmandala legen

Aus Waldschätzen lassen sich tolle Naturmandalas legen. Kreativität pur, ganz abseits von Schere, Kleber und Stiften. Auch kleine Wichteltüren können mit Moos, Blättern und kleinen Ästen an Baumstämme gebaut werden und regen die Fantasie der Kinder an.

Geocaching

Wenn die Kinder schon etwas älter sind, ist Geocaching eine tolle Möglichkeit, die klassische Schnitzeljagd nochmal neu zu erleben. Beim Geocaching werden Koordinaten von Verstecken heruntergeladen, die mit einem GPS Gerät gesucht werden müssen. Die Verstecke, an denen sich meist eine Dose mit Logbuch und kleinen Schätzen befindet, sind mitunter gar nicht so leicht zu finden und wecken den Ehrgeiz und die Neugier. Hier findet ihr mehr zu dem Thema Geocaching im Wald.

Lesetipp: Über die Relevanz von Naturerfahrungen

Unser Lesetipp für mehr Input zum Thema, warum Naturerfahrungen für unsere Kinder so wichtig sind: „Wie Kinder heute wachsen: Natur als Entwicklungsraum. Ein neuer Blick auf das kindliche Lernen, Fühlen und Denken“ von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther.