Deine Familie hat keinen Bock auf Natur? Dann geh doch alleine raus!

Me Time in der Natur
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Leben mehrere Menschen in einem Verbund, besteht nicht immer Einigkeit über die Gestaltung des Alltags und der Freizeit. Manchmal muss man Kompromisse eingehen, manchmal kann man aber auch einfach alleine losziehen – etwa dann, wenn Partner:in und Kinder keine Lust auf einen Ausflug in die Natur haben, man selbst sich aber danach sehnt.

Immer wieder lese und höre ich von Müttern und Vätern, dass sie unheimlich gerne naturverbundener leben und mehr Zeit draußen verbringen würden, der Rest ihrer Familie aber keine Lust darauf hat. Ich werde nicht selten gefragt, mit welchen Tricks sie Partner:innen und Kinder aus dem Haus locken können. Freilich gibt es einige Ideen, wie man Draußenzeit für Kinder und Jugendliche so attraktiv gestalten kann, dass sie sich selbst danach sehnen. Doch es ist gar nicht weiter schlimm, wenn sie das (eine Zeit lang) nicht tun. Jeder Mensch hat seine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und seine eigenen Vorstellungen von Freizeitgestaltung. Auch Partner:innen kann man von Naturerlebnissen vorschwärmen und damit Impulse setzen. Wenn das aber gerade nicht das ist, was sie brauchen, dann wäre ein Umstimmen oder Überreden nicht die beste Lösung. Was spricht denn dagegen, einfach alleine raus zu gehen?

Alleine sein bedeutet nicht gleich einsam sein

Wenn man eine vertrauensvolle Partnerschaft auf Augenhöhe pflegt, wird sich das Gegenüber freuen, wenn man sich selbst wertschätzt und etwas Gutes tut. Sind die Kinder versorgt bzw. bis zu einem gewissen Alter betreut, kann man sich als Mutter oder Vater ohne schlechtes Gewissen eine Auszeit gönnen. Alleine sein bedeutet nicht gleich einsam sein. Man kann auch alleine wundervolle Erlebnisse in der Natur haben, manchmal sogar besser entspannen und Kräfte sammeln, als in Gesellschaft.

Schleppt man seine Liebsten stattdessen gegen deren Willen mit und erleben sie die gemeinsame Draußenzeit als Pflichtveranstaltung oder kommen sie nur mit, weil ihnen eine Belohnung in Aussicht gestellt oder mit einer Bestrafung gedroht wurde, ist die Stimmung getrübt und man selbst am Ende nicht zufrieden.

Me Time – in die eigene Mitte finden

Als Mutter oder Vater hat man im Alltag zahlreiche Verpflichtungen und will es oftmals allen recht machen. Nicht selten vergisst man sich selbst dabei, ignoriert eigene Bedürfnisse, spricht Wünsche nicht laut aus, steckt zurück. Auch mal wieder an sich selbst zu denken, fällt vielen Eltern schwer. Doch ohne bewusste Auszeiten haben Körper und Geist kaum Gelegenheit, ihre Akkus aufzuladen. Me Time in der Natur kann dabei helfen, wieder in die eigene Mitte zu finden, sich zu erden und mit neuer Kraft in den Alltag zurückzukehren. Davon profitieren nicht zuletzt auch die anderen Familienmitglieder.

Wie diese Me Time gestaltet wird, ist Typsache. Manche lieben es ruhig und entspannen am besten bei einem achtsamen Spaziergang oder Waldbad. Andere brauchen Action und drehen lieber eine Runde auf ihrem Mountainbike. Und wieder andere stellen sich einer größeren Herausforderung wie einer Nacht allein unter Sternen. Was auch immer dir draußen guttut (und der Natur nicht schadet) – tu es!

Rebecca Sommer

Rebecca Sommer hat nach ihrem Studium ein Volontariat bei einer Tageszeitung absolviert und war als Redakteurin und Buchautorin für diverse Verlage und Medien tätig. Heute arbeitet die vierfache Mutter als Geschäftsführerin der nachhaltigen Werbeagentur between und leitet das Projekt Naturkind. Mit ihrer Familie lebt die 34-Jährige in Hamburg.