In unserer heimischen Natur, im Garten oder sogar im Haus sind Pflanzen, die giftige Substanzen enthalten gar nicht selten. In der Statistik der Vergiftungsinformationszentrale stehen giftige Pflanzen(teile) bei Vergiftungen von Kindern sogar auf Platz drei, nach Haushaltschemikalien und Arzneimitteln.

Nicht nur Babys und Kleinkinder, die sich in der sogenannten “oralen Phase” mit Vorliebe alles in den Mund stecken, was sie in die Finger kriegen, sind gefährdet. Auch größere Kinder, die aus vermeintlich harmlosen Pflanzen und Blumen Sträuße binden, Kränze flechten oder damit in der Matschküche “kochen”, können nach dem Kontakt Vergiftungserscheinungen zeigen. Besonders verlockend wirken auf Kinder verschiedener Altersstufen Früchte giftiger Pflanzen, die Beeren ähneln. Schmecken diese auch noch gut, werden sie nicht intuitiv ausgespuckt, sondern zerkaut und geschluckt. Die Samen des Rizinus etwa schmecken nach Haselnuss und bereits drei bis fünf zerkaute Samen können für ein Kind tödlich sein! Bei manchen Pflanzen werden auch die Blätter mit denen essbarer Pflanzen verwechselt – etwa Maiglöckchen mit Bärlauch. Im Teenageralter kennen sich viele zwar mit Giftpflanzen aus, doch können gerade jene, die eine berauschende Wirkung haben, interessant werden. Hier besteht schnell die Gefahr einer Überdosierung. Daneben können Teenager im Rausch andere Gefahren – etwa im Straßenverkehr – nicht mehr einschätzen.

Umso wichtiger ist es, dass Eltern giftige Pflanzen erkennen, rechtzeitig eingreifen und ihre Kinder schon früh für das Thema sensibilisieren. Auch sollten Eltern wissen, wie sie reagieren sollten, wenn das Kind doch mit einer Giftpflanze in Kontakt gekommen ist!

Diese 22 beliebten Pflanzen sind sehr giftig

  • Blauer Eisenhut
  • Hundspetersilie
  • Tollkirsche
  • Engelstrompete
  • Schierling
  • Herbstzeitlose
  • Maiglöckchen
  • Echter Seidelbast
  • Stechapfel
  • Roter Fingerhut
  • Wurmfarne
  • Stinkende Nieswurz
  • Christrose
  • Bilsenkraut
  • Stechpalme
  • Goldregen
  • Bauern-Tabak / Virginischer Tabak
  • Einbeere
  • Gartenbohne
  • Rizinus (auch “Wunderbaum” genannt)
  • Rubinie
  • Eibe

Diese Giftpflanzen sollten nicht in Bereichen stehen, in denen Kinder unbeaufsichtigt spielen. Da auch andere Pflanzen giftig sein können, sollte man sich beim Anlegen eines Familiengartens oder des Außenbereichs eines Kindergartens oder einer Schule von erfahrenen Gartenplaner:innen beraten lassen. 

Gute Giftpflanzen?

Bei vielen Giftpflanzen lautet die Devise: Die Dosis macht das Gift. Manche Pflanzen, die giftige Substanzen enthalten, sind nach dem Kochen genießbar (beispielsweise Bohnen), andere werden sogar als Heilpflanzen eingesetzt (beispielsweise Blauer Eisenhut). Das sollte man jedoch immer Expert:innen überlassen und keine Experimente wagen! Einige Giftpflanzen sind außerdem gut und wichtig für das Ökosystem, weshalb man abwägen sollte, ob man sie entfernen sollte. Es gibt vermutlich kaum einen Garten, in dem es keine Pflanzen gibt, die giftige Stoffe enthalten – denn dazu zählen sogar Gemüsepflanzen wie Kartoffeln oder Tomaten. Diese können bei “unsinnigem Gebrauch”, wie es in der Fachsprache heißt, sehr giftig sein. Bei Tomaten etwa alle grünen Teile und unreife Früchte, bei Kartoffeln alle Pflanzenteile über der Erde sowie grüne Knollen. Kinder, die im eigenen Garten den Umgang mit giftigen Pflanzen lernen, sind in der Regel auch bei Erkundungen in der Natur auf das Thema vorbereitet.

Handeln im Notfall

Hat das Kind giftige Pflanzenteile aufgenommen oder zeigt es Vergiftungserscheinungen, die sich Eltern nicht erklären können (etwa weil das Kind zeitweise unbeaufsichtigt war), sollten umgehend und dem Zustand entsprechend Erste-Hilfe-Maßnahmen (wie stabile Seitenlage, Herzdruckmassage und Beatmung) erfolgen und außerdem die Giftnotzentrale unter 030-1 92 40 und 089-1 92 40 und/oder der Rettungsdienst unter 112 telefonisch kontaktiert werden! Eltern sollten nun möglichst Ruhe bewahren und die Anweisungen des Fachpersonals bis zur Ankunft der Rettungskräfte genau befolgen. Niemals sollten Eltern ihre Kinder nun erzwungen erbrechen lassen oder ihnen Wasser oder Milch zu trinken geben – sofern das Fachpersonal dieses nicht ausdrücklich empfiehlt! Sind Eltern nicht sicher, um welche Pflanze es sich handelt, sollten sie Teile davon in einer verschlossenen Tüte oder Dose mit in die Notaufnahme nehmen!