Ob auf dem Land oder in der Stadt, im Garten, auf dem Balkon oder in der Wohnung – jeder kann Gemüse, Obst und Kräuter selbst anbauen.

Was früher alltäglich war, findet man heute nur noch selten: Den Selbstversorger-Garten, aus dessen Ernte eine ganze Familie das Jahr über satt wird. Dieser beansprucht viel Zeit und die ist in unserer schnelllebigen modernen Welt ein rares Gut. In vielen Familien sind beide Elternteile auf eine Erwerbstätigkeit angewiesen und können in ihrer knappen Freizeit nicht mehrere Gemüsebeete oder gar Äcker bewirtschaften. Doch den Anspruch, autark zu leben, haben längst nicht alle, die sich für das Thema Selbstversorgung interessieren. Viele wollen den eigenen Garten, den Balkon oder die Fensterbank nutzen, um dort weniger pflegeintensive Obst- und Gemüsesorten, Beeren und Kräuter anzubauen, mit deren Ernte sie nur Teile des sonst gewohnten Einkaufs ersetzen. Im Grunde kann jeder auf diese Weise etwas autarker und zudem umweltfreundlicher leben. Wer Pflanzen sät, sie zunächst beim Keimen und dann über Wochen beim Wachsen beobachtet, freut sich über jede noch so kleine Ausbeute. Und diese steht gar nicht unbedingt im Vordergrund. Gerade im Alltag mit Kindern ist der Selbstversorger-Garten lehrreich. Kinder wissen dadurch, woher bestimmte Lebensmittel kommen, wann sie Saison haben und wie viel Arbeit darin steckt. Sie erfahren nicht nur mehr über die Natur und das Essen auf ihrem Teller, sondern lernen außerdem, beides mehr wertzuschätzen. 

Eine vierköpfige Familie braucht für die ganzjährige Selbstversorgung eine Fläche von mindestens 200 Quadratmetern.

Wer das Thema Selbstversorgung hingegen richtig erst nimmt, benötigt neben einer Menge Zeit auch sehr viel Platz. Wer eine Selbstversorgung mit Gemüse anstrebt, kann von einem groben Richtwert von 60 bis 80 Quadratmetern pro erwachsener Person ausgehen. Sollen außerdem Kartoffeln angebaut werden, kommen weitere 90 Quadratmeter hinzu – ebenfalls pro erwachsener Person. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und mehreren Kindern ganzjährig selbst zu versorgen, ist also nur denen möglich, die entweder einen sehr großen Garten haben oder eine Parzelle außerhalb pachten. Mitten in der Großstadt wird es regelmäßig schwierig sein, diese Idee umzusetzen, wenn man nicht mehrmals die Woche bis an den Stadtrand fahren kann oder will. Doch auch auf dem Land ist nicht gesagt, dass jene, die selbst keinen oder nur einen kleinen Garten haben in der unmittelbaren Nähe ein geeignetes Grundstück finden. Bei der Planung eines Selbstversorger-Gartens sollte man also realistisch bleiben und nicht nur die eigenen Kapazitäten und den vorhandenen Platz, sondern auch die eigene Fitness nicht idealisieren – denn diese Art der Gartenarbeit kann wirklich anstrengend sein. Das Positive: man wird dadurch allmählich fitter. Pro Woche sollte man pro zehn bewirtschafteten Quadratmetern etwa 30 Minuten Zeit einrechnen. Während der Ernte wird der Zeitbedarf deutlich höher sein. Darüber hinaus sollte man bedenken, dass zu Beginn einige Investitionen zu tätigen sind. Auch deshalb ist es ratsam, zunächst kleiner zu beginnen und den Selbstversorger-Garten erst nach und nach zu erweitern. Die erfahrene Selbstversorgerin Marie Diederich, die in ihrem Blog unter wurzelwerk.net vornehmlich über Gartenthemen schreibt, hat einen alltagsnahen Vierjahresplan hin zur ganzjährigen Selbstversorgung erstellt. Im ersten Schritt rät sie dazu, Obstbäume anzupflanzen – denn diese benötigen Jahre, bis sie zum ersten Mal Früchte tragen. Im zweiten Schritt sollte, Marie zufolge ein Gemüse-Beet angelegt werden, das maximal 20 Quadratmeter umfasst. Ein Jahr später und mit ersten gesammelten Erfahrungen könne man seine Anbaufläche verdoppeln und frühestens im dritten Jahr die endgültige Größe erreichen, mit der ab dem darauf folgen Jahr ausreichend Ernte eingebracht werden könne. 

Wenig Platz ist kein Grund, gänzlich auf den Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern zu verzichten.

Doch natürlich kann man noch kleiner starten, etwa mit einem Selbstversorger-Balkon. Dieser ist wesentlich weniger pflegeintensiv und lässt sich gut in den mitunter turbulenten Familienalltag integrieren. Statt eines klassischen Beets werden für den Anbau, je nach Größe des Balkons, Hochbeete, Kübel oder Töpfe verwendet. Platzsparend sind Systeme, die an der Wand oder dem Balkongeländer befestigt werden sowie Hängeampeln. Inwieweit man diese in der Hauswand oder an der Unterseite des Nachbarbalkons befestigen darf, sollte man vorab mit dem Vermieter oder der Eigentümergemeinschaft abklären. Praktisch sind Gefäße mit integriertem Wasserspeicher. Im Sommer sollte man außerdem die Möglichkeit haben, die Pflanzen vor zu viel Sonne zu schützen – etwa mit einer Markise oder Schirmen – gerade bei einem Südbalkon. Dieser bietet die größte Freiheit bei der Auswahl der Pflanzen. Alle Münder täglich satt bekommen wird man mit der Mini-Variante des Selbstversorger-Gartens nicht, doch sein Ertrag ist dennoch eine wunderbare Ergänzung zu eingekauften Lebensmitteln. Allein das Naschen von kleinen Tomaten oder Zuckererbsen direkt von der Pflanze ist ein Erlebnis für kleine und auch große Naturkinder. Daneben eignen sich für den Anbau in diesem begrenzten Rahmen beispielsweise Erbsen, Paprika, Gurken, Zucchini, Radieschen, Kohlrabi, Zwiebeln und Lauchgewächse sowie Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, Physalis, Feigen und sogar Pfirsiche. Auch Küchenkräuter aller Art kann man gut auf dem Balkon anpflanzen. In ihrem Blog unter garten-fraeulein.de führt Bloggerin und Hobby-Gärtnerin Silvia Appel Schritt für Schritt durch das (Selbstversorger-)Balkonjahr und unterstützt Einsteiger monatlich mit hilfreichen Pflanzplänen.

Wer in einer Wohnung ohne Garten und Balkon lebt, kann sonnige Fensterbänke oder den Platz vor bodentiefen Fenstern zum Anbau einiger Gemüsesorten nutzen. Küchenkräuter können ganzjährig auch in der Wohnung wachsen. Beim „Indoor-Farming“ sollte man bedenken, dass einige Pflanzen wie Tomaten im Freien von Insekten bestäubt werden müssen, um Früchte zu tragen. Dies muss man im geschlossenen Raum simulieren. Bei manchen Pflanzen genügt ein leichtes Schütteln der Blüten, bei anderen kann etwa ein Pinsel als Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Heimische Obstbäume sind mit dieser Methode nicht immer so leicht „auszutricksen“. Sie eignen sich, ebenso wie Zitrusfrüchte und Avocados weniger gut für die Wohnung. Doch selbst dabei beweisen so manche Hobby-Gärtner einen grünen Daumen und freuen sich über den im wahrsten Wortsinn wachsenden Erfolg.

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