Pride Month? Pride Year! Warum Regenbogenfamilien bei uns immer präsent sind

Regenbogenfamilie
© Monkey Business / Adobe Stock

Regenbogenflaggen wohin man blickt. Der Juni steht als „Pride Month“ weltweit im Zeichen der LSBTQI+ Community. Unternehmen, Medien und Influencer:innen äußern sich zu diesem Thema und beteuern öffentlich, tolerant zu sein. Klingt erstmal nach einer tollen Sache. Doch uns reicht das nicht aus. Menschen, die anders l(i)eben, als die Norm, sind ab Juli nicht plötzlich verschwunden. Das Engagement für sie und ihre Rechte bei vielen Allies* jedoch schon.

Noch immer erfahren Menschen aus der LSBTQI+ Community überall auf der Welt Anfeindungen, Ausgrenzung und (körperliche und seelische) Gewalt. Sie werden in vielen Bereichen des täglichen Lebens benachteiligt – auch in Deutschland. Vielen heterosexuellen Cis-Frauen und -Männern** ist das nicht bewusst und deshalb ist der „Pride Month“ aus unserer Sicht grundsätzlich eine tolle Sache. Denn in diesen Wochen kommt niemand an dem Themen vorbei. Doch wie das mit tollen Sachen oft so ist, wird auch diese von vielen missbräuchlich genutzt. Zahlreiche Unternehmen und Influencer:innen sehen im „Pride Month“ eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung. Für viele von ihnen ist das Hissen einer Regenbogenflagge (ob analog oder digital) nicht mehr als eine Marketingmaßnahme von vielen. Ein dauerhaftes Engagement vermisst man bei den meisten. Kaum ist der „Pride Month“ vorüber, ist das Thema für die nächsten elf Monate vergessen.

Nicht Jede:r kann vergessen

Menschen aus der LSBTQI+ Community können es nicht vergessen. Denn sie werden regelmäßig an ihr „Anderssein“ erinnert. Durch verständnislose oder gar angewiderte Blicke. Durch direkte Anfeindungen oder Ausgrenzung. Durch Klischee behaftet dargestellte Charaktere in Filmen und Serien. Durch die Selbstverständlichkeit vieler, die in Gesprächen oder Texten immer von einer Mann-Frau-Beziehung oder einer Vater-Mutter-Kind-Familie ausgehen. Durch bürokratische Hürden und vieles mehr. Wir leben im 21. Jahrhundert und es ist traurig, dass wir von Gleichberechtigung auch hierzulande noch immer weit entfernt sind. So lange das so ist, sollte niemand müde werden, dafür zu kämpfen. Nicht nur im Juni – sondern das ganze Jahr über.

Was wir vom Naturkind tun

Eine diversitätssensible Sprache ist uns wichtig. Uns reicht es nicht aus, dass andere Geschlechter als das Generisches Maskulinum „mitgemeint“ werden. Wir verwenden deshalb den sogenannten „Gender-Doppelpunkt“ in unseren Texten, welcher alle Geschlechter einbezieht.

Geht es beispielsweise um das Thema Geburt oder Wochenbett, gehen wir in unseren Texten nicht davon aus, dass die gebärende Person durch einen Mann/Vater begleitet wird. Grundsätzlich versuchen wir, ein solches Rollendenken nicht zu fördern.

Regenbogenfamilie
© (JLco) Julia Amaral / Adobe Stock

Darüber hinaus versuchen wir, Vielfalt unkommentiert abzubilden und sie auf diese Weise zu „normalisieren“. In den meisten Medien sind Regenbogenfamilien beispielsweise nur dann sichtbar, wenn der entsprechende Beitrag von ihnen erzählt. Wir zeigen Regenbogenfamilien in allen Themenbereichen – denn auch sie leben einen Alltag, wie andere Familien auch. Ein schwules Elternpaar mit ihren Kindern im Urlaub, ein lesbisches Paar, das ein Baby erwartet, bei uns schon heute normal.

Dir fällt an einer Stelle in unserem Naturkind Angebot auf, dass wir unsere eigenen Werte nicht vertreten? Bitte mach uns darauf aufmerksam. Wir nehmen jede Kritik in diese Richtung ernst und sind dankbar für Verbesserungsvorschläge! Nutze einfach unser Kontaktformular.

Was DU tun kannst

  1. Mädchen oder Junge? Mensch!
    Noch vor der Geburt deines Kindes wird deine Weltoffenheit auf die Probe gestellt. Nämlich dann, wenn es darum geht, das biologische Geschlecht des Ungeborenen bestimmen zu lassen. Die meisten Eltern haben eine Tendenz oder einen ausgeprägten Wunsch, einen Sohn oder eine Tochter zu bekommen. Ein moderner Trend ist es, das (vermeintliche) Geschlecht feierlich zu verkünden. Wir finden diese sogenannten „Gender Reveal Partys“ nicht zeitgemäß.

    Lies hier, warum: „Gender Reveal Party – Ein Trend und sein unangenehmer Beigeschmack“
  2. Erziehe möglichst „genderneutral
    Das ist leichter gesagt, als getan und nicht immer möglich oder vom Kind selbst gewünscht. Was damit von uns gemeint ist: Versuch dein Kind nicht in eine Geschlechterrolle zu drängen. Dein Sohn wünscht sich Nagellack, deine Tochter will Fußball spielen? Lass sie sich ausprobieren und frei entfalten! Es gibt keine „Mädchenfarben“ und auch kein „Jungsspielzeug“. Vermeide Sätze, wie „Jungs weinen nicht“, oder: „Das schickt sich nicht für ein Mädchen“. Lies mit deinem Kind Kinderbücher, die Vielfalt darstellen.
  3. Bleib offen für das, was kommt
    Geh nicht von vornherein wie selbstverständlich davon aus, dass deine Tochter einmal mit einem Mann und dein Sohn mit einer Frau eine Familie gründen wird. Gib deinem Kind Raum, herauszufinden, wie es leben und wen es lieben will und die Gewissheit, von dir immer geliebt zu werden. Dein Kind bleibt dein Kind, auch wenn es nicht die Rolle spielt, die du gedanklich für es vorgesehen hattest. Lass los.
  4. Überdenke deine Wortwahl
    Kindern fällt durchaus auf, wenn ein Mensch mit seinem Aussehen oder Verhalten nicht der Norm entspricht. Manche Kinder sprechen das direkt an oder stellen hinterher Fragen dazu. Achte auf deine Wortwahl, wenn du erklärst, warum das so ist. Oder suche das direkte Gespräch zu der betreffenden Person und lass sie selbst die Fragen deines Kindes beantworten.
  5. Vermeide „positive Übertreibungen“
    Manche heterosexuelle Cis-Frauen und -Männer, die sich selbst als offen und tolerant bezeichnen, neigen zu „positiven Übertreibungen“ im Umgang mit Menschen aus der LSBTQI+ Community. Sätze wie: „Ich finde großartig, dass ihr lesbisch seid“, oder „Schwule sind die besten Freunde“, mögen gut gemeint sein, kommen in der Regel aber nicht gut an.
  6. Setzt dich gegen Homophobie ein
    Immer wieder begegnet man im Alltag homophoben Menschen. Auch wenn man selbst davon nicht diskriminiert wird, sollte man sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen. Dein Schwiegervater empört sich, dass sich bei Olympia „Männer als Frauen verkleiden“? Deine Cousine sagt, ihre lesbische Teenager-Tochter stecke lediglich „in einer Phase“? Im Kindergarten darf der schwule Erzieher die Jungs nicht aufs Klo begleiten, die heterosexuelle Frau aber schon. Homophobie hat viele Gesichter und alle sind hässlich.
  7. Geh wählen
    Noch immer haben in Deutschland nicht alle Menschen die gleichen Rechte. Regenbogenfamilien sind in vielen Bereichen benachteiligt. Das kann sich nur ändern, wenn sich möglichst viele Menschen an Wahlen beteiligen und ihr Kreuzchen bei einer Partei machen, die sich für die LSBTIQ+ Community einsetzt.

Du hast weitere Tipps oder möchtest deine Meinung zu dem Thema mit uns und anderen Naturkindern teilen? Hinterlasse einen Kommentar.

* Eine nicht-queere Person, die sich für die Rechte von LSBTIQ* einsetzt, kann als „Ally“ (Mehrzahl Allis) bezeichnet werden. Im Englischen bedeutet das so viel wie „Verbündete*r“. 
**Als Cisgender (kurz Cis) werden Menschen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. 

Rebecca Sommer

Rebecca Sommer hat nach ihrem Studium ein Volontariat bei einer Tageszeitung absolviert und war als Redakteurin und Buchautorin für diverse Verlage und Medien tätig. Heute arbeitet die vierfache Mutter als Geschäftsführerin der nachhaltigen Werbeagentur between und leitet das Projekt Naturkind. Mit ihrer Familie lebt die 34-Jährige in Hamburg.