Igelhaus selber bauen – so schaffst du einen sicheren Unterschlupf im Garten

Igelhaus selber bauen Anleitung
© Erdenfreund
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In naturnahen Gärten finden Igel zwischen Laub, Reisig und dichten Sträuchern wertvolle Verstecke. Doch durch aufgeräumte Flächen und fehlende Rückzugsorte wird es für sie immer schwieriger, geeignete Winterquartiere zu finden.

Mit einem selbstgebauten Igelhaus schaffst du einen geschützten Unterschlupf – und verbindest Artenschutz mit einem sinnvollen Bauprojekt mit deinen Kindern.

Warum ist ein Igelhaus im Garten sinnvoll?

Igel sind standorttreue Einzelgänger:innen. Haben sie einen geeigneten, sicheren Unterschlupf gefunden, kehren sie häufig dorthin zurück. Ein Igelhaus dient nicht nur als Winterquartier für den Winterschlaf, sondern auch als geschützter Ruheplatz. In den Sommermonaten nutzen Igelmütter es zudem zur Aufzucht ihrer Jungtiere.

Ein artgerechtes Igelhaus ergänzt natürliche Strukturen im Garten, ersetzt sie jedoch nicht vollständig. Umso wichtiger ist der Erhalt von naturnahen Gärten, beispielsweise mit Laubhaufen und verwilderten Ecken. Wichtig ist, dass das Igelhaus ohne Boden gebaut wird, da sich die Tiere gerne eine Mulde im Boden graben.

Laut Bundesnaturschutzgesetz zählen Igel außerdem zu den besonders geschützten Tieren. Sie dürfen – abgesehen von Ausnahmefällen und Igel in Not – nicht gefangen oder mit nach Hause genommen werden!

Materialliste und Werkzeug

Ein artgerechtes Igelhaus sollte mindestens 40 x 30 x 25 cm groß sein. Etwas mehr Länge ist möglich, jedoch bevorzugen Igel eher kompakte, geschützte Räume. Kleinere Behausungen speichern zudem Wärme besser.

Holzbauteile (unbehandeltes Massivholz, ca. 2 cm stark):

  • Vorderseite: 44 cm x 26 cm
  • Trennwand: 26 cm x 21,5 cm
  • Seitenwand 1: 30 cm x 26 cm
  • Seitenwand 2: 30 cm x 24 cm
  • Rückseite: 44 cm x 24 cm
  • Dach: 56 cm x 38 cm
  • 2x Holzleisten: 4 cm x 2 cm x 2 cm
  • Dachpappe als Regenschutz

Werkzeuge und weiteres Material:

  • Stichsäge
  • Akkuschrauber & Holzbohrer
  • Holzschrauben & Nägel (rostfrei, robust)
  • Schleifpapier (Körnung 80-150)
  • Wetterfeste, schadstofffreie Holzlasur auf pflanzlicher Basis
  • Für die Rattenklappe: wetterfestes Garn

Achte darauf, ausschließlich unbehandeltes Holz zu verwenden. Druckimprägniertes oder chemisch behandeltes Holz ist ungeeignet.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Igelhaus selber bauen

Achte beim Bau des Igelhauses darauf, das Holz und alle Schrauben sauber zu verarbeiten. Spitzen und Splitter, die in das Häuschen ragen, werden schnell zu einer Gefahr für die tierischen Bewohner!

Schritt #1: Holz zusägen und abschleifen

  • Säge alle Bretter auf Maß zu. Anschließend werden sämtliche Schnittkanten sorgfältig abgeschliffen. Es dürfen keine Splitter oder scharfen Kanten zurückbleiben, da sonst Verletzungsgefahr für die Igel besteht.
  • Gerade das Schleifen eignet sich gut als Aufgabe für Kinder – natürlich unter Aufsicht. So lernen sie handwerkliche Grundlagen und den achtsamen Umgang mit Materialien.

Schritt #2: Außenwände verschrauben

  • Verbinde zunächst Rückwand und Seitenwände mit rostfreien Holzschrauben. Die höhere Seitenwand gehört nach vorne – so entsteht ein leichtes Gefälle, damit Regenwasser später nach hinten abläuft.
  • Danach wird die Vorderwand montiert. Die Trennwand wird hinter dem Eingang angebracht. Sie bildet einen kleinen „Flur“, der Zugluft abhält und Fressfeinde fernhält. Der Durchgang zur Schlafkammer sollte nach hinten zeigen.
  • Der Eingang selbst sollte etwa 10 × 10 cm groß sein – groß genug für Igel, aber klein genug, um Fressfeinde fernzuhalten.

Schritt #3: Dach befestigen

  • Lege das Dach zunächst auf und prüfe die Passform. Befestige anschließend zwei Holzleisten an der Dachunterseite, damit es nicht verrutschen kann.
  • Zum Schutz vor Feuchtigkeit wird Dachpappe aufgebracht. Beschwere das Dach zusätzlich mit einem Stein. So bleibt das Häuschen auch bei starkem Wind stabil.

Schritt #4: Erweiterung um Rattenklappe

Um zu verhindern, dass Ratten in das Igelhaus kommen, kannst du eine einfache Pendelklappe anbringen. Dafür wird ein passendes Holzstück oberhalb des Eingangs mit wetterfestem Garn befestigt. Passe den Ausschnitt der Türöffnung ggf. noch an, sodass die Klappe später problemlos auf- und zu schwingen kann.

Die schwingende Bewegung schreckt Ratten ab, während Igel sie problemlos überwinden. Achte darauf, dass die Klappe leichtgängig bleibt.

Schritt #5: Igelhaus lasieren

  • Trage abschließend eine schadstofffreie, wetterfeste Holzlasur auf die Außenseiten auf. Der Innenraum bleibt unbehandelt.
  • Kinder können beim Streichen helfen – verwende jedoch nur Produkte ohne Lösungsmittel oder synthetische Zusätze.
  • Die Kinder können das Haus außen auch mit natürlichen, schadstofffreien Farben oder Kreide bemalen. Wichtig ist aber, dass der Innenraum frei und unbehandelt bleibt.

Igelhaus artgerecht befüllen

Damit das Igelhaus auch in der kalten Jahreszeit angenehm warm und trocken bleibt, kommt es auf die richtige Befüllung an. Bewährt hat sich eine Schicht aus Sand und Kies am Boden, darüber splitterfreie Holzchips als stabile Grundlage.

Natürliche Materialien wie Laub, Heu oder Stroh sind dagegen nur bedingt geeignet, da sie Feuchtigkeit schneller aufnehmen und dadurch Schimmel begünstigen können. Der Sand wirkt als Drainage, sodass Nässe nach unten abziehen kann – ein wichtiger Schutz vor Feuchtigkeit und Bakterienbildung.

Als weiches, wärmendes Nistmaterial eignen sich Holzwolle oder Kapokwolle besonders gut. Achte jedoch darauf, das Igelhaus nicht zu voll zu machen: Igel polstern ihren Unterschlupf gerne selbst noch mit gesammeltem Laub aus.

Tipps zum Standort: Wann und wo solltest du ein Igelhaus aufstellen?

Damit das Igelhaus auch von seinen tierischen Bewohnern gefunden wird, gibt es ein paar Tipps zu beachten. Grundsätzlich kann ein Igelhaus ganzjährig aufgestellt werden, am besten aber im frühen Herbst, zwischen September und Mitte November. So bleibt genug Zeit, dass es rechtzeitig vor dem Winterschlaf erkundet werden kann.

Gemeinsam mit deinen Kindern kannst du den optimalen Standort aussuchen: Wähle einen ruhigen, schattigen und wettergeschützten Platz. Im Idealfall unter dichten Hecken oder Sträuchern und in der Nähe von Laub- oder Reisighaufen. Der Boden sollte trocken und gut durchlässig sein, damit keine Feuchtigkeit ins Innere zieht.

Achte außerdem darauf, den Eingang wetterabgewandt auszurichten. Mit einem gut gewählten Standort bietest du Igeln ganzjährig einen geschützten Rückzugsort. Das Igelhaus dient den Tieren nicht nur als Winterquartier, sondern auch für die Aufzucht von Jungtieren.

WICHTIG
Um Krankheiten und Parasiten vorzubeugen, solltest du das Igelhaus nach dem Winterschlaf – sobald der Igel ausgezogen ist – reinigen. Entferne dazu altes Nistmaterial und bürste das Häuschen mit heißem Wasser (ohne chemische Reinigungsmittel) aus. Sobald es getrocknet ist, kann es zurück auf seinen vorherigen Platz gestellt werden.

Da Igel Einzelgänger sind, wählen sie keinen besetzten Unterschlupf für ihren Winterschlaf aus. Ein zweites Igelhaus bietet also ein zusätzliches Quartier und mehrere Standorte schaffen Ausweichmöglichkeiten.

Typische Fehler beim Bau vermeiden

Damit dein Bauprojekt auf Anhieb funktioniert, haben wir hier die häufigsten Fehlerquellen zusammengefasst:

  • Behandeltes oder lackiertes Holz verwenden
  • Scharfe Kanten oder herausstehende Schrauben
  • Haus zu groß bauen
  • Eingang zu groß ausschneiden oder zur Wetterseite ausrichten
  • Haus auf feuchten Untergrund stellen
  • Innenraum streichen oder imprägnieren

Ein sorgfältig gebautes und gut platziertes Igelhaus bietet Igeln über viele Jahre hinweg einen sicheren Rückzugsort. Gleichzeitig entsteht ein nachhaltiges Projekt, bei dem Kinder handwerkliche Fähigkeiten erlernen und ein Bewusstsein für heimische Wildtiere entwickeln können.