Eine Schwangerschaft ist eine Zeit voller kleiner Wunder, aber manchmal auch begleitet von allerlei Beschwerden. Viele davon können mit einfachen Hausmitteln gelindert werden.

Übelkeit am Morgen, Müdigkeit am Tag und unruhige Beine in der Nacht – die meisten Schwangeren haben mit mehr oder weniger anstrengenden “Nebenwirkungen” zutun. Der Körper leistet in diesen Monaten Enormes und da ist es ganz natürlich, dass er sich dann und wann meldet oder streikt.

“Du bist schwanger, nicht krank!”

Seit Generationen müssen sich Frauen den Spruch: “Du bist schwanger, nicht krank!”, anhören. Dieser will meinen, dass sich frau nicht so anzustellen hat und auf keinen Fall jammern darf. Sie soll ihren Alltag bewältigen, wie vor der Schwangerschaft, sich um ihren Job, den Haushalt (und ihre Kinder) kümmern, sich um ihr Äußeres bemühen und allen Menschen in ihrem Umfeld gut gelaunt begegnen. Doch so funktioniert das einfach nicht immer. Jede Frau ist unterschiedlich belastbar, hat eine unterschiedliche Vorgeschichte und unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Zukunft. Manche Frauen könnten vor Freude die ganze Welt umarmen und andere vor lauter Sorgen kaum klar denken. Manche Frauen machen auch während der Schwangerschaft gerne Sport und andere würden am liebsten den ganzen Tag schlafen. Manche Frauen haben kaum Beschwerden, während die Schwangerschaft für andere eine einzige Quälerei ist.

Keine Vergleiche anstellen

Und auch wenn eine Schwangerschaft tatsächlich keine Krankheit ist, so hat jede Schwangere dennoch das Recht darauf, nun einen Gang runterzuschalten und sich regelmäßig bewusste Pausen zu gönnen. Es ist vollkommen in Ordnung, Hilfe anzunehmen und auch diese aktiv einzufordern. Und auch wenn es manchmal automatisch passiert – Vergleiche zu anderen Schwangeren sollten nicht gezogen werden. Vor allem die geschönten Leben von typischen Instagram-Moms sollten jetzt nicht als Vorlage genutzt werden. Wie es “hinter den Kulissen” wirklich aussieht, verraten nur die wenigsten und selbst im Bekanntenkreis geben nicht alle Mütter offen und ehrlich zu, wie sie während der Schwangerschaft empfunden haben und mit welchen Beschwerden sie zutun hatten. In manchen Gesprächsrunden hat man stattdessen sogar den Eindruck, dass eine Art Wettstreit herrscht, wer seine Schwangerschaft (,Geburt und Wochenbettzeit) am lockersten weggesteckt hat.

Dem eigenen Gefühl vertrauen

Der Blick sollte deshalb in diesen Monaten vor allem nach innen und nicht nach außen gerichtet sein. Wie fühle ich mich? Was tut mir jetzt gut? Wo kann ich Hilfe finden? Wer kann mich unterstützen? Die Verantwortung geht während der Schwangerschaft über den eigenen Körper hinaus. Auch das Ungeborene spürt, wenn es der werdenden Mutter schlecht geht oder sie über längere Zeit und ein normales Maß hinaus gestresst ist. Neben der Fürsorge für das Ungeborene ist Selbstfürsorge jetzt das A und O. Der Körper einer Schwangeren verändert sich äußerlich und innerlich und auch ihre Psyche wird nun ungewohnt belastet. Vielen Beschwerden, die für Schwangere typisch sind, kann vorgebeugt werden. Neben Pausen und ausreichend Schlaf spielen dabei eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft eine wichtige Rolle.

Bewährte Hausmittel

Dennoch gibt es Veränderungen, etwa die hormonelle Umstellung oder ungewohnte Körperhaltung, die zu Beschwerden führen, denen man nicht vorbeugen kann. Hierfür haben sich einige einfache Hausmittel bewährt. Diese sollten – auch wenn sie natürlich klingen – dennoch immer nach Absprache mit Hebamme oder Ärzt:in ausprobiert werden.

Übelkeit / Sodbrennen

Übelkeit ist ein ganz typisches Anzeichen in der Frühschwangerschaft. Vor allem am Morgen ist Frauen während dieser Zeit flau im Magen und manche müssen sich regelmäßig übergeben. Meist verbessert sich das nach der 12. Schwangerschaftswoche wieder. Doch auch im dritten Trimester, wenn das Baby die Organe verdrängt und der Magen nicht mehr den gewohnten Platz hat, können Übelkeit und Sodbrennen erneut zum belastenden Thema werden. Um Übelkeit vorzubeugen, sollten scharf gewürzte, besonders fettige und säurehaltige Speisen (und Getränke) gemieden werden. In der Nacht kann es helfen, den Oberkörper durch ein zweites Kissen höher zu lagern und ein Glas Wasser vor dem Aufstehen ist ebenfalls ein bewährtes Hausmittel. Daneben zählen Mandeln, Milch und Senf zu typischen Helfern gegen Übelkeit.

Die einzelnen Hausmittel gegen Übelkeit im Detail haben wir im Artikel “7 Tipps gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft” zusammengefasst. 

Manchmal ist Übelkeit in der Schwangerschaft jedoch auch so ausgeprägt, dass nur eine medizinische Behandlung helfen kann und manchmal sogar ein Klinikaufenthalt notwendig wird. Schlägt keines der Hausmittel an und belastet die Übelkeit den Alltag, sollte deshalb umgehend Hebamme oder Ärzt:in befragt werden.

Tipp: Im Handel gibt es Gefrierbeutel mit Zip-Verschluss. Diese sollten Schwangere, die zu spontanem Erbrechen neigen, unterwegs dabei und griffbereit haben – ebenso eine Packung Taschen- oder Feuchttücher und Kaugummis oder Bonbons. 

Müdigkeit

So banal es klingt, aber gegen Müdigkeit hilft am besten Schlaf. Während der Schwangerschaft sorgt vor allem die hormonelle Umstellung dafür, dass das Schlafbedürfnis wächst. Regelmäßige Verschnaufpausen am Tag können helfen, zwischendurch Energie zu tanken. Am Abend sollten Schwangere wenn möglich immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen, eventuell etwas früher, als gewohnt. In den Stunden vor dem Zubettgehen sollten Smartphone, Computer und Fernseher ausgeschaltet bleiben. Stattdessen können ein Spaziergang in der Natur, ein Fußbad oder Wannenbad, eine Massage oder Meditation oder eine andere Aktivität, die das Herz froh stimmt, beim Abschalten helfen. Wenn die Müdigkeit kommt und es die Situation absolut nicht hergibt, ihr nachzugeben, bringen mäßige Sportübungen den Kreislauf in Schwung. Um Müdigkeit vorzubeugen, sollten der Zuckerkonsum stark eingeschränkt und schwere Speisen gemieden werden.

Wie man einen gesunden Schlaf lernen kann, erklären wir im Detail im Artikel “Gesunder Schlaf von Anfang an“.

Kopfschmerzen

Für Kopfschmerzen in der Schwangerschaft gibt es unterschiedliche Ursachen. Ganz typische sind: Hormonelle Veränderung, Verspannung der Nacken- und Rückenmuskulatur, Flüssigkeitsmangel, Kreislaufprobleme, Unterzuckerung, Eisenmangel, Magnesiummangel. Weil bei manchen Ursachen medizinische Hilfe notwendig ist, sollten Kopfschmerzen immer erstgenommen und mit Hebamme oder Ärzt:in besprochen werden. Um einem Flüssigkeitsmangel vorzubeugen, kann man eine App installieren, die regelmäßig daran erinnert, etwas zu trinken – beispielsweise Aqualert oder Daily Water. Bei Kreislaufproblemen kann es helfen, sich flach auf den Boden zu legen und die Beine hochzulagern – etwa auf einem Stuhl. Den gesteigerten Bedarf an Nährstoffen sollte man mit einer ausgewogenen Ernährung und – nach Absprache mit Hebamme oder Ärzt:in – Nahrungsergänzungsmitteln abdecken. Gegen Kopfschmerzen, die durch Verspannungen ausgelöst werden, können die Hausmittel aus dem nächsten Punkt helfen.

Rückenschmerzen / Verspannungen

Eine veränderte Körperhaltung ist nur einer von mehreren Gründen, warum viele Schwangere – mehr oder weniger stark – unter Rückenschmerzen leiden. Auch die hormonelle Umstellung, die dafür sorgt, dass Muskeln und Bänder weicher werden, kann ihren Teil dazu beitragen. Wichtig ist deshalb, von Anfang an bestimmte Übungen für den Rücken zu machen. Wer eine sitzende Tätigkeit ausübt, sollte regelmäßig aufstehen, sich bewegen und dehnen. Ein Steh-Arbeitsplatz kann zeitweise ebenfalls eine gute Lösung sein.

In einem geburtsvorbereitenden Yoga-Kurs können Übungen für den Rücken unter Anleitung vertieft werden. Massagen durch den:die Partner:in können eine Wohltat sein und Verspannungen lindern, ebenso warme (nicht heiße!) Bäder und Wechselduschen und generell Wärme – etwa in Form einer Wärmflasche auf der verspannten Region. Schlägt keines der Hausmittel an, kann der:die Ärzt:in Massagen verschreiben. Eine andere Möglichkeit ist Akupuktur. Viele Hebammen bieten Akupunktur für Schwangere an. Siehe auch “Akupunktur in der Schwangerschaft“. Hier sollte man sich jedoch vorab informieren, ob diese von der Krankenkasse bezahlt oder bezuschusst wird.