Einkaufen im Unverpackt-Laden – so funktioniert das

Unverpackt Laden
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Unverpackt-Läden gibt es inzwischen in allen größeren Städten. Hier gibt es Lebensmittel lose und in den gewünschten Mengen zu kaufen. Doch wie genau funktioniert das eigentlich und sind die Produkte nicht wahnsinnig teuer? Wir haben einen Unverpackt-Laden besucht und uns dort einmal genauer umgesehen.

Direkt neben dem Wochenmarkt, auf dem wir zweimal pro Woche unser frisches Obst, Gemüse und Backwaren kaufen und hin und wieder auch Honig, Gewürze und Blumen mitnehmen, hat vor Kurzem ein Unverpackt-Laden eröffnet. Die beiden Gründerinnen stehen selbst hinter der Verkaufstheke und Kunden gerne mit Rat und Tat zur Seite. Der Laden ist eher klein und erinnert an einen klassischen „Tante Emma Laden“, wie wir ihn aus unserer Kindheit auf dem Land noch kennen. Nur, dass es dort hauptsächlich unverpackte oder zumindest möglichst umweltfreundlich verpackte Lebensmittel und Dinge des alltäglichen Bedarfs gibt. Auch eine Ecke mit Fairfashion für Erwachsene und Kinder ist in diesem Laden eingerichtet.

Wie kauft man unverpackt?

Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Mehl, Linsen und Kichererbsen oder auch Schokolinsen und Gummibärchen, werden in großen Glasgefäßen angeboten, aus denen man seine gewünschte Menge mit einer Kelle herausnehmen kann. Wer keine eigenen Gefäße dabei hat, kann gegen einen kleinen Pfand welche vom Laden bekommen. Wir haben ausgespülte Gurken- und Marmeladengläser mitgebracht. Diese müssen zunächst (mit Deckel) auf einer Waage abgewogen werden. Das Gewicht schreibt man mit einem wasserfesten Marker auf den Deckel oder klebt ein Etikett drauf. Marker und Etiketten stellt der Markt zur Verfügung. Hat man alles beisammen, geht man zur Kasse, wo die Gefäße erneut gewogen werden. Das Leergewicht wird natürlich abgezogen und der Preis nur für den Inhalt berechnet.

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Wie teuer ist das Ganze?

Der Gesamtpreis fällt bei unserem Einkauf tatsächlich etwas höher aus, als im Bioladen oder gar im Supermarkt oder Discounter. Nudeln gibt es beispielsweise in fünf verschiedenen Varianten. Wir haben uns für die günstigste entschieden – einfache Spirelli, welche bei 38 Cent pro 100 Gramm liegt. Für eine Familienmenge von 500 Gramm bezahlen wir 1,90 Euro. Im Bioladen könnte man Nudeln in einer vergleichbaren Qualität und der gleichen Menge schon ab 79 Cent bekommen – also für weniger als die Hälfte. Das klingt zunächst nicht viel, auf den Monat betrachtet würde das aber doch zu Buche schlagen. Die vegetarischen Gummibärchen in Bioqualität kosten in diesem Unverpackt-Laden einheitlich 1,50 Euro pro 100 Gramm. Hierfür zahlen wir im Bioladen 1,35 Euro für die gleiche Menge – dieser Unterschied ist kaum spürbar und der Vorteil, unnötige Plastikverpackung zu vermeiden, überwiegt. In diesem Unverpackt-Laden gibt es außerdem einen Kühlschrank mit Milchprodukten in Bioqualität von bekannten Marken – diese sind zwar nicht unverpackt, aber man spart sich den zusätzlichen Weg in den Bioladen, wenn man sie direkt hier mitnimmt. Die Preise sind vergleichbar. Ebenso ist es bei den Non-Food-Artikeln, wie Bambuszahnbürsten, Seifen oder Brotdosen und auch bei der Kleidung. Die Preise sind ähnlich, wie im Bioladen oder im grünen Onlineshop.

Unverpackt Laden
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Fazit

Wer auf die Preise achtet und darauf, wie viel er abfüllt, kann auch im Unverpackt-Laden gut einkaufen. Man bekommt hier nicht alles und kann den Unverpackt-Laden nur als Ergänzung betrachten, aber die Idee ist gut und sollte unterstützt werden – wenigstens hin und wieder. Manche Produkte sind teurer als im Bioladen – doch gerade bei Süßigkeiten ist uns aufgefallen, dass die Kinder diese bewusster und in Maßen essen. Non-Food-Artikel findet man hier zu gewohnten Preisen und auch die Milchprodukte sind nicht teurer. In dem von uns getesteten Laden war zudem die Atmosphäre sehr gemütlich und familiär und die Beratung persönlich und freundlich. Alles in allem ein schönes Einkaufserlebnis. Wer bislang unsicher war, sollte sich auf jeden Fall mal einen Unverpackt-Laden von innen ansehen.

Rebecca Sommer Journalistin Autorin Naturkind
Rebecca Sommer

Rebecca Sommer hat nach ihrem Studium ein Volontariat bei einer Tageszeitung absolviert und war als Redakteurin und Buchautorin für diverse Verlage und Medien tätig. Heute arbeitet die vierfache Mutter als Geschäftsführerin der nachhaltigen Werbeagentur between und leitet das Projekt Naturkind. Mit ihrer Familie lebt die 36-Jährige auf einem Hof in der Nähe von Hamburg.