Windeln gehören bei uns für die meisten Menschen zur Grundausstattung von Babys ohne Frage dazu. Dennoch gibt es auch Babys, die komplett oder teilweise windelfrei aufwachsen.

Einwegwindeln gibt es in Deutschland erst seit 1973, zuvor waren Stoffwindeln der Standard. In weiten Teilen der Welt sind auch heute weder Stoffwindeln noch Einwegwindeln verbreitet. Was passiert dort also, wenn das Baby mal muss und es keine Windel trägt? Es wird so abgehalten, dass es sich erleichtern kann. Was auf den ersten Blick für westlich sozialisierte Menschen sehr weltfremd klingt, ist eigentlich das natürlichste der Welt.

Was ist windelfrei?

Der Windelfrei Ansatz vereint das uralte Wissen über das Aufwachsen ohne Windeln mit der Lebensrealität in unserer heutigen Gesellschaft. Der Grundgedanke ist, dass Babys schon von Anfang an mitteilen, wenn sie ausscheiden müssen. Die Bindungsperson beobachtet das Baby und lernt, seine Signale zu verstehen und auf diese entsprechend zu reagieren.
Wenn das Baby schon selbst sicher sitzen kann, können auch ein Töpfchen oder ein Aufsatz für die Toilette zum Einsatz kommen. Ganz klar ist hier aber vom klassischen Töpfchentraining zu unterscheiden. Denn es geht bei Windelfrei nicht darum, das Baby möglichst früh trocken zu haben, sondern vielmehr um Beziehung und Kommunikation. Es gibt dementsprechend keine feste Zeiten, in denen das Baby aufs Töpfchen gesetzt wird, sondern die Bezugspersonen gehen auf die individuellen Ausscheidungszeiten des Babys ein.

Wie und wann anfangen?

Mit Windelfrei kann direkt ab der Geburt angefangen werden. Aber auch mit älteren Babys ist es noch nicht zu spät. Ideal ist der Start während des ersten großen Lernfensters zwischen 0 und 6 Monaten, bevor das Baby mobiler wird.

Jedes Baby sendet Signale aus, wenn es ausscheidet. Das kann eine bestimmte Mimik sein, ein Zittern, das durch den Körper geht oder auch Laute. Oft kristallisieren sich auch bestimmte Zeiten heraus, zu denen das Baby sich erfolgreich abhalten lässt, wie nach dem Aufwachen oder wenn das Baby aus der Trage genommen wird. Mit etwas Übung entwickeln die Erwachsenen nach einiger Zeit oft ein Gefühl dafür, wann das Baby abgehalten werden will. Dazu wird das Baby ohne Windel in einer bequemen Position beispielsweise über ein Töpfchen, die Toilette, Dusche oder das Waschbecken gehalten.

Das Abhalten ist auch besonders wohltuend für Babys, die viel mit Bauchweh oder einem wunden Po zu kämpfen haben. Denn die Position beim Abhalten erleichtert das Ablassen von Luft und die gereizte Haut profitiert von der Zeit ohne Windel.

Darf ich bei windelfrei keine Windeln benutzen?

Im Englischen ist Windelfrei auch unter dem Begriff “elimination communication” (EC) bekannt. Dieser beschreibt die Kernidee noch etwas besser als das deutsche Windelfrei. Denn es geht nicht darum, gar keine Windeln mehr zu benutzen. Je nachdem, wie es für die Familie am praktikabelsten ist, wird Windelfrei auch oft Teilzeit in Kombination mit Wegwerf- oder Stoffwindeln praktiziert. Diese werden dann einfach zum abhalten abgenommen und dienen eher als Backup, für unterwegs oder nachts.

Auch wenn Windeln genutzt werden, bietet der Windelfrei Ansatz also viele Vorteile. Unter anderem ein besseres Verständnis für die Kommunikation mit dem Baby, einen geringeren Windelverbrauch und eine Stärkung des Körperbewusstseins des Babys.

Was brauche ich für Windelfrei?

Für Windelfrei braucht man nicht zwingend eine spezielle Ausstattung. Das wichtigste ist wie so oft immateriell: Geduld und eine positiv entspannte Einstellung. Zwar sind viele windelfrei Babys schon mit 18-24 Monaten trocken, aber Babys sind individuell und es gibt wie oben erwähnt mehr Vorteile, als nur früh sauber zu sein.

windelfrei Abhaltetöpfchen

Foto: EURORA

Dennoch gibt es einige Produkte, die Windelfrei im Alltag erleichtern können. Beispielsweise spezielle Kleidung, die ein schnelles Abhalten oder selbstständiges Erleichtern des Kindes ermöglichen. Für das Abhalten selbst hat zuhause das Waschbecken meist eine angenehme Höhe und ist leicht zu säubern. Viele Babys finden den Spiegel dort auch spannend. Aber auch eine aussortierte Schüssel ist denkbar. Alternativ sind spezielle Abhaltetöpfchen erhältlich. Sie haben eine besondere Form, sind oft etwas tiefer und haben einen etwas breiteren Rand. Gerade im Wochenbett, für nachts und unterwegs eignen sie sich gut. Ein solches Abhaltetöpfchen aus Bambusfaser wurde erst in diesem Jahr von dem jungen Label EURORA auf den Markt gebracht.

Wenn auch nachts Windelfrei praktiziert wird, ist außerdem ein Matratzenschutz für das Bett eine sinnvolle Anschaffung.

Weitere Informationen zum Thema Windelfrei findet ihr im Buch TopfFit! Der natürliche Weg mit oder ohne Windeln von Laurie Boucke oder bei einem Windelfrei Coach in eurer Nähe.