In Deutschland kommen  0,6 % aller Babys in den eigenen vier Wänden auf die Welt – Tendenz steigend. Die Vorbereitungen auf eine Hausgeburt laufen ein wenig anders ab, als es in den meisten Ratgebern für Klinikgeburten beschrieben wird. Wir haben einige Punkte gesammelt, die ihr bei der Vorbereitung auf eure Hausgeburt beachten könnt.


Wahl der Hebamme

Sofern du keine Alleingeburt planst ist die erste und wichtigste Vorbereitung auf eine Hausgeburt die Wahl deiner Hebamme. Eine Hebamme zu finden ist vielerorts durch den momentanen Hebammenmangel schon schwierig genug. Wer dann noch eine Hausgeburtshebamme sucht, mit der man sich gut versteht, sollte sich rechtzeitig – am besten tatsächlich ab dem positiven Schwangerschaftstest – um eine Hebamme kümmern.
Sie wird euch als Familie auch während der Schwangerschaft begleiten, Vorsorgetermine übernehmen, euch kennenlernen und euch zuhause besuchen. Dies ist wichtig für eine sichere Geburt, denn ihr lernt euch nicht nur kennen, sondern eure Hebamme kennt sich dadurch auch bei euch zuhause aus.

Telefonliste vorbereiten

Für den Fall des Falles solltet ihr eine Liste vorbereitet haben, auf der die aktuellen Nummern der Rettungsleitstelle, des nächstgelegenen Krankenhauses, der Frauenärztin und Kinderärztin notiert sind. Auch weitere Nummern, die relevant sein könnten, solltet ihr auf dieser Telefonliste vermerken. Hängt sie an einem Ort auf, an dem sie schnell zu finden ist.

In welchem Zimmer soll mein Kind auf die Welt kommen?

Diese Frage besprecht ihr am besten mit eurer Hebamme, wenn sie euch zuhause besucht. Es gibt bestimmte Voraussetzungen, die ein Raum für eine Hausgeburt erfüllen sollte (zum Beispiel muss er im Notfall von Sanitätern mit einer Trage erreicht werden können).
Abgesehen davon solltest Du dich in diesem Raum geborgen und wohl fühlen. Die Raumtemperatur sollte idealerweise um 25° betragen. Falls die Geburt zur kühleren Jahreszeit und nachts stattfinden wird, solltet ihr vorher abklären, ob die Heizung sich nachts abschaltet und wie ihr das für die Geburtsnacht umstellen könnt.
Mit deiner Hebamme kannst du auch besprechen, ob eine Wassergeburt in eurer eigenen Badewanne in Frage kommt. Alternativ könnt ihr auch einen extra Geburtspool besorgen. Diese können oft auch ausgeliehen werden, vielleicht weiß deine Hebamme dafür schon eine Bezugsquelle. 

Für die Atmosphäre

Die Atmosphäre einer Hausgeburt ist schon per se grundlegend anders, als bei einer Geburt im Krankenhaus. Einer der Hauptgründe, aus dem sich Schwangere für eine Geburt in den eigenen vier Wänden entschließt ist die familiäre Atmosphäre und Geborgenheit.
Damit diese Atmosphäre auch unter der Geburt spürbar ist, könnt ihr euch vor der Geburt noch Gedanken machen, was euch unter der Geburt helfen kann, zur Ruhe zu kommen. Hier kommt es ganz auf deine individuellen Vorlieben an. Was lässt dich ganz bei dir ankommen? Bewegung oder Ruhe? Gibt es bestimmte Düfte, die dir gut tun? Schönes, stimmungsvolles (Kerzen-)Licht und bestimmte Musik? Auch bekräftigende Bilder oder Sprüche können an einem Ort wie auf einem “Geburtsaltar” angerichtet werden und so zu einer stärkenden, geborgenen Atmosphäre beitragen.

Was müssen wir vorher besorgen?

In den meisten Fällen erhaltet ihr von eurer Hausgeburtshebamme eine Liste mit Dingen, die ihr im Vorfeld für eine Hausgeburt besorgen solltet. Einiges wird sie selbst auch mitbringen oder euch vorher mitgeben.
Auf der Liste der Hebamme stehen meist

  • eine feste Malerfolie oder Wachstischdecke als Schutz für euer Bett (sie wird zwischen zwei Laken gelegt) oder den geplanten Geburtsplatz
  • ausreichend saubere Bettwäsche
  • Mindestens 3 Handtücher (besser keine weißen) und Waschlappen
  • Kühlpads (hier funktioniert zur Not auch eine Packung TK Gemüse), Wärmflasche oder Kirschkernkissen
  • Lampe mit Verlängerungskabel (falls die Hebamme Geburtsverletzungen nähen muss)
  • Eine ausreichend große Schüssel für die Plazenta
  • Traubenzucker oder zuckerhaltiges Getränk als schneller Energielieferant
  • Praktisch: (Edelstahl-)Strohhalm, damit unter der Geburt getrunken werden kann, ohne sich dafür aufsetzen zu müssen
  • Unterlagen, Netzhöschen und Vorlagen für den Wochenfluss (bekommt ihr evtl. auch direkt von eurer Hebamme)
  • Wichtige Papiere: Mutterpass, Familienstammbuch oder Geburtsurkunden, Krankenversicherungskarte und ggf. Vaterschaftsanerkennung und Sorgerechtserklärung
  • Rufbereitschaftspauschale für die Hebamme spätestens 3 Wochen vor ET überweisen
  • Für rh-negative Mütter: Anti – D – Prophylaxe
  • Schön ist auch ein Heizstrahler über dem Wickeltisch

Geht diese Liste am besten nochmal mit eurer Hebamme durch. Sie wird sich auch bei euch zuhause umsehen, damit sie sich bei der Geburt auskennt. Alle Sachen, die für die Geburt benötigt werden, könnt ihr zusammen in einen Wäschekorb packen, sodass ihr sie gesammelt an einem Ort habt. 

Kliniktasche packen

Auch wenn eine Hausgeburt gewünscht ist, kann immer der Moment eintreten, in dem die Hebamme und/oder Du beschließt, dass eine Verlegung in die Klinik erfolgen soll. Für diesen Fall solltet ihr trotzdem eine Kliniktasche gepackt haben, die ihr dann griffbereit habt.
In der Kliniktasche sollten auf jeden Fall enthalten sein

  • Kleidung für die Mama tags und nachts für 2-3 Tage
  • Hausschuhe
  • Benötigte Hygieneprodukte wie Zahnbürste, Zahnpasta, Deo und Haarbürste
  • Babykleidung für die Heimfahrt
  • Wichtige Papiere: Krankenkassenkarte, Mutterpass, Ausweis, Stammbuch oder Geburtsurkunden
  • Nervennahrung wie Nüsse, Trockenfrüchte, Riegel, Traubenzucker oder Fruchtsaft
  • Handyladekabel und wenn gewünscht zusätzlich aufgeladene Kamera mit Speicherkarte

Diese Liste kann natürlich individuell nach Bedarf ergänzt werden: Der einen Mama sind warme Socken zusätzlich wichtig und der anderen ein Lippenpflegestift, falls die Lippen unter der Geburt trocken werden.

Bezugsperson für weitere Kinder organisieren

Falls diese Geburt nicht eure erste ist und ihr schon weitere Kinder habt, solltet ihr euch im Vorfeld Gedanken darüber machen, wo sie zum Zeitpunkt der Geburt sein können.
Auch wenn ihr den Gedanken schön findet, eure älteren Kinder bei der Geburt dabei zu haben, solltet ihr euch um eine Bezugsperson kümmern. Sie sollte dann der Hauptansprechpartner für die Kinder sein, damit Du dich voll und ganz auf die Geburt konzentrieren kannst. Wichtig ist auch, dass es einen Plan B gibt, falls sich dein Gefühl während der Geburt ändert und sich die Anwesenheit deiner älteren Kinder plötzlich nicht mehr stimmig anfühlt. Auch das könnt ihr – je nach Alter – im Vorfeld mit euren Kindern schon kommunizieren.

Klärt also rechtzeitig ab, wer in den Wochen vor und nach dem errechneten Termin für eure Kinder abrufbereit sein kann. Schön ist auch, wenn es schon vorher die Möglichkeit gibt, die Kinder an diese Personen zu gewöhnen, sodass es zur Geburt nicht zu ungewohnt ist.

Kinderarzt für U2 

Die U2 findet in Kliniken meistens am dritten Lebenstag statt. Diese ausführliche Untersuchung kann aber auch der niedergelassene Kinderarzt/die Kinderärztin durchführen. Informiert euch vorher, ob es möglich ist, dass dies bei einem Hausbesuch zwischen fünftem und zehntem Lebenstag geschieht, oder ob ihr dafür in die Praxis müsst.

Wann sollten wir die Hausgeburt vorbereiten? 

Spätestens drei Wochen vor dem errechneten Termin sollte alles vorbereitet sein, damit es nicht zu Stress kommt, falls das Baby sich doch schon früher auf den Weg macht. Bis dahin sollten neben den Dingen, die ihr mit eurer Hebamme für die Geburt besprochen habt auch Kleidung und bei Bedarf auch Windeln für das Baby bereit stehen.

Habt ihr schon eine Hausgeburt erlebt? Was durfte bei euch auf keinen Fall fehlen? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren unter diesem Beitrag.