Keine Angst vorm “bösen Wolf”2018-07-27T19:46:09+00:00

Keine Angst vorm “bösen Wolf”!

Kategorie: Tiere  I  Autor: Onlineredaktion  I  Datum: 27.07.2018

Rückkehr der Wölfe

Wölfe in Deutschland – diese Schlagzeile ruft vielerorts zunächst Skepsis oder auch heftige Diskussionen hervor. Insbesondere für Eltern, die mit ihrem Nachwuchs gerne in der Natur unterwegs sind, stellen sich viele Fragen.

Sind Wölfe für den Menschen und speziell für Kinder gefährlich? Wie soll ich mich verhalten, wenn ich auf Wölfe treffe? Wo in Deutschland und Österreich gibt es überhaupt Wölfe? Und warum werden die wachsenden Populationszahlen von Naturschützern als Erfolg gefeiert?

Die Geschichte der Wölfe in Deutschland – vom Kulturfeind zum geschützten Rückkehrer

Der Blick zurück beweist: In früheren Jahrhunderten waren Wölfe in europäischen Wäldern eine Selbstverständlichkeit. Bei der kleinbäuerlichen Gesellschaft erfreute sich dieser Umstand allerdings keiner großen Beliebtheit. Da die Bauern ihre Nutztiere oft ungeschützt in den Wald oder auf Weiden trieben, wurden diese häufig von Wölfen gerissen. Diese Verluste konnten schnell existenzbedrohend werden – und schürten damit den Hass auf die Wölfe. Im Zuge dessen begannen intensive Jagden auf die bestehenden Rudel, die vermutlich im Jahr 1904 zur völligen Ausrottung der Wölfe auf deutschem Boden führten.

Zur Freude vieler Naturschützer blieb es dabei jedoch nicht: Knapp 100 Jahre später, im Jahr 2000, wurden in Brandenburg erstmals wieder Wolfswelpen geboren. Diese Wölfe stammen von Tieren aus Polen ab, die ihren Weg bis über die Grenze gefunden haben. Da Wölfe mittlerweile durch internationale und nationale Gesetze streng geschützt sind, konnte sich die Population seit der Rückkehr der ersten Tiere seitdem stetig erhöhen.

Die Wolfspopulation in Deutschland und Österreich

Seit der Rückkehr im Jahr 2000 ist die Zahl der Wölfe deutlich und stetig angestiegen. Forscher gehen derzeit von etwa 60 Rudeln und 13 Paaren sowie einigen Einzeltieren aus. Insgesamt leben damit aktuell mindestens 300 Wölfe in Deutschland. Das Verbreitungsgebiet der Rudel lässt sich dabei klar eingrenzen. Die meisten Tiere leben in Ostdeutschland, vor allem in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. In Österreich fallen die Zahlen demgegenüber deutlich geringer aus. Hier leben derzeit etwa 15 Tiere – jedoch ebenfalls mit steigender Tendenz.

Warum Wölfe wichtig sind

Weshalb begrüßen Fachleute die zunehmende Verbreitung der Wolfsrudel in Deutschland? Für die Antwort ist ein Blick auf das natürliche Ökosystem in Wäldern entscheidend. Wölfe gehören als typische Beutegreifer zu den “Polizisten” des Waldes, die den Bestand der Beutetiere auf natürliche Weise kontrollieren und zudem kranke und schwache Tiere fressen. Eine Überpopulation von beispielsweise Wildschweinen wurde so verhindert. In den Jahrzehnten ohne Wölfe kam eben dieses Gleichgewicht jedoch zum Erliegen – mit schädlichen Folgen. Die Wiederansiedlung der Wölfe leistet auf diese Weise einen wesentlichen Beitrag, um das Gleichgewicht im Wald (wieder)herzustellen.

Der Wolf und der Mensch – sind Wölfe gefährlich?

Die Statistik bestätigt die Kenntnisse der Fachleute: Seitdem es wieder Wölfe in deutschen Wäldern gibt, ist kein Mensch durch ein Tier bedroht oder gar verletzt worden. Da Menschen nicht zum natürlichen Beutespektrum der Wölfe zählen, interessieren sich diese in der Regel nicht für zweibeinige Lebewesen und beachten sie zumeist gar nicht. Die europäischen Zahlen bestätigen übrigens die These von der Ungefährlichkeit der Wölfe. Zwischen 1950 und 2000 wurden lediglich 59 Zwischenfälle registriert, die jedoch allesamt auf das vorherige Anfüttern oder Provozieren der beteiligten Wölfe zurückzuführen sind.

Wolf und Mensch im direkten Kontakt: So reagierst du richtig

Begegnet dir ein Wolf im Wald, ist zunächst einmal Ruhe bewahren das Wichtigste. Du kannst das Tier aus der Entfernung beobachten und dich langsam zurückziehen. Solltest du dich allerdings unwohl fühlen, lassen sich die meiste Wölfe auch mit einfachen Mitteln vertreiben. Dafür rufst du entweder energisch, klatschst in die Hände oder erzeugst auf andere Weise ein lautes Geräusch. Viele Wölfe verschwinden bei diesem Lärm von selbst.

Unterlassen solltest du hingegen alles, was Wölfe in Bedrängnis bringt. Lauf oder fahre dem Tier nicht hinterher, locke ihn auf keinen Fall beispielsweise mit Futter an und versuche auch nicht, möglichst nahe an ihn heranzugehen. Fotos lassen sich mit einer guten Kamera auch aus der Entfernung schießen.

Wölfe und Kinder:
Kann ich mit meinem Kind gefahrlos einen Wald besuchen, in dem Wölfe leben?

Die Frage lässt sich eindeutig mit Ja beantworten. Wölfe stellen auch für Kinder grundsätzlich keine Gefahr dar. Damit das etwaige Zusammentreffen mit Wölfen oder auch anderen Wildtieren reibungslos verläuft, empfiehlt es sich allerdings, mit dem Nachwuchs schon frühzeitig Regeln für den Umgang mit wilden Tieren zu besprechen. Ein letzter Hinweis: Dass Kleinkinder im Wald generell beaufsichtigt werden sollten, versteht sich hoffentlich von selbst.

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