Kind will nicht Zähne putzen
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Dein Kind tobt beim Zähneputzen? So kannst du es unterstützen

Dass Zahnpflege für dein Kind von Anfang an wichtig ist und regelmäßiges Zähneputzen vor Karies schützt, muss dir niemand mehr erzählen. Doch dein Kind hält davon so gar nichts und tobt, sobald es die Zahnbürste nur sieht. Es gewaltsam zum Zähneputzen zu zwingen, kann keine Lösung sein. Ein paar Ideen, wie du dein Kind liebevoll dazu bringst, sich freiwillig die Zähne putzen zu lassen… Und ein paar Fakten, die dir die Sorge nehmen, dass deinem Kind bald alle Zähne ausfallen.

Während dein Kind als Baby noch bereitwillig den Mund aufgemacht hat, wenn du mit dem feuchten Fingerling sein Zahnfleisch massieren und die ersten durchgebrochenen Milchzähne putzen wolltest, probt es als Kleinkind einen „Aufstand“, wenn es ans Zähneputzen geht? Damit bist du nicht allein. Viele Eltern kennen das und es bringt sie in eine Zwickmühle. Einerseits wollen sie die Bedürfnisse ihres Kindes erfüllen und es, vor allem wenn es um Körperliches geht, zu nichts zwingen. Andererseits wissen sie, wie wichtig Zahnpflege für die Gesundheit ihres Kindes ist und dass sie darauf nicht einfach verzichten können. Einige Kinderärzt:innen oder auch Zahnärzt:innen raten nun, das ein Elternteil das Kind auf den Arm nehmen, es festhalten und den Kopf fixieren und das zweite Elternteil dem Kind den Mund aufhalten und die Zähne gegen dessen Willen putzen soll. Als Mutter sitzt mir bei diesem Gedanken direkt ein dicker Klos im Hals. Das ist definitiv Gewalt und das an und für sich positive Motiv dahinter rechtfertigt diese nicht. Gewalt beginnt schon damit, die Zahnbürste durch die geschlossenen Lippen des Kindes zu drücken oder den Moment auszunutzen, in dem es schreit und den Mund deshalb gerade geöffnet hat. Auch Drohungen á la: „Wenn du deine Zähne nicht putzt, bekommst du keine Schokolade mehr“, oder Angst machen mit Sprüchen wie: „Dann fallen dir all deine Zähne aus“, sind vollkommen unangebracht.

Außer Rand und Band? Ruhe bewahren!

Bei manchen Kindern geht das Verweigern des Zähneputzens so weit, dass sie wegrennen, sich auf den Boden werfen, schreien, um sich schlagen, treten oder mit Gegenständen werfen. Ist die Situation bereits derart ausgeartet, sollte der Plan mit dem Zähneputzen erst einmal bei Seite geschoben werden. Ja, vielleicht lasst ihr das Zähneputzen sogar mal ausfallen. Jetzt gilt es, ruhig und verständnisvoll zu reagieren und aufzupassen, dass das Kind weder sich selbst noch eine andere Person verletzt oder etwas kaputt macht. ___STEADY_PAYWALL___
Es nun anzuschreien entschärft die Situation ebenso wenig, wie das gewaltsame Zähneputzen. Du befürchtest, deinem Kind damit zu signalisieren, dass es „gewonnen“ hat? Dann solltest du dein Mindset einmal gründlich überdenken. Vielleicht ist genau das die Ursache – denn wenn du das Zähneputzen als Machtkampf verstehst, läuft etwas Grundlegendes schief.

Wie ist deine eigene Einstellung zum Zähneputzen?

Kinder haben ganz sensible Antennen und sie spüren, wenn die Stimmung angespannt ist. Gehst du das Zähneputzen schon mit einem unguten Gefühl an oder mit der Sorge, dass die Situation eskalieren könnte, überträgt sich deine Unsicherheit auf dein Kind und es ist wenig verwunderlich, wenn es dadurch selbst verunsichert reagiert. Vielleicht ist es dein eigenes inneres Kind, das sich vor dem Zähneputzen fürchtet, weil es dabei Gewalt erfahren oder bei einer medizinischen Zahnbehandlung schlechte Erfahrungen sammeln musste. Hinterfrage deine Einstellung ehrlich. Es geht dabei nicht um die Schuldfrage oder gar Selbstvorwürfe sondern darum, Altlasten loszuwerden und das Zähneputzen mit deinem Kind in Zukunft harmonischer zu gestalten.

Warum reagiert dein Kind so?

Doch selbst wenn du keine Altlasten hast und dem Thema Zähneputzen vollkommen gelassen gegenüberstehst, kann dein Kind mit Verweigerung reagieren. Gerade in einer Autonomiephase ist das eine ganz natürliche Reaktion. Dein Kind spürt sich und seine Bedürfnisse sowie Grenzen nun selbst und es zeigt dir diese. Vermutlich nicht direkt mit einem Wutanfall, sondern zunächst mit einem Kopfschütteln, einem „Nein“ oder dem Zusammenpressen der Lippen. Erst, wenn du diese Zeichen nicht akzeptierst, legt es eine Schippe drauf, um gesehen und erstgenommen zu werden. Je weniger Verständnis es nun entgegengebracht bekommt, desto extremer werden seine Reaktionen. Kommt dir das bekannt vor? Was würde denn passieren, wenn du das erste Kopfschütteln direkt ernst nehmen würdest? Vermutlich würde die Situation nicht ausarten. Würde dein Kind dann wochenlang die Zähne nicht putzen? Es würde in diesem Moment die Zähne nicht putzen. Punkt. Es wird in einem anderen Moment die Zähne putzen. Ganz bestimmt. Vor allem aber hätte es etwas Wichtiges fürs Leben gelernt: Wenn mir etwas unangenehm ist, darf ich NEIN sagen.

Typische Tipps zum Zähneputzen mit Kind

Es gibt eine Reihe an Tipps zum Zähneputzen und die meisten verzweifelten Eltern neigen dazu, einen nach dem anderen auszuprobieren. Doch dieses Feuerwerk an To-Dos kann zu viel sein und ein Kind zusätzlich überfordern. Ich will dir die Tipps nicht vorenthalten, aber probiere sie nicht alle auf einmal aus und auch nicht einen Tag nach dem anderen. Manchmal braucht ein Kind einfach eine gewisse Zeit, um sich an ein neues Ritual zu gewöhnen und nur weil es beim ersten oder zweiten Versuch nicht angenommen wird, ist es noch nicht als gescheitert zu erklären. Hier also die typischen Tipps:

  • Lass dein Kind seine Zahnbürste beim Einkaufen selbst aussuchen.
  • Hab eine zweite Zahnbürste parat – eine nimmt dein Kind selbst in die Hand, mit der anderen hilfst du ihm beim Putzen.
  • Biete deinem Kind eine andere Zahnpasta an, vielleicht mag es die aktuelle nicht.
  • Lies mit deinem Kind Bücher zum Thema Zähneputzen.
  • Spiel deinem Kind ein Zahnputzlied vor oder lerne es mit ihm auswendig. Besonders mit Zahnbürste im Mund klingt das sehr witzig und macht vielen Kindern Spaß.
  • Versuche dein Kind mit einer Zahnputz-App zu begeistern oder mit einem kurzen Video auf dem Smartphone, etwa von „Feli und Flo“.
  • Hänge einen Spiegel auf Augenhöhe deines Kindes auf oder stelle einen Montessori-Waschtisch auf. Alternativ kann ein Hocker eine Lösung sein, damit dein Kind so selbstständig wie möglich sein kann.
  • Putze gleichzeitig mit deinem Kind Zähne oder sogar gegenseitig. Dabei darf auch herumgealbert werden (etwa die Nase anstupsen oder die Zahnbürste falsch herum benutzen).
  • Lass die Zähne von einer Handpuppe putzen oder auch von mehreren Handpuppen abwechselnd.
  • Vertreibt Zahnmonster oder fiese Bakterien und schimpft sie dabei aus („Ihr seid ja noch immer da, weg von meinen Zähnen“).
  • Probiert einen anderen Blickwinkel aus. Vielleicht putzt ihr einfach mal nicht im Badezimmer, sondern stattdessen im Wohnzimmer oder im Kinderzimmer – im Sitzen oder liegen, auf dem Boden, Sofa oder Schoß.

Kinderbücher zum Thema Zähneputzen

Etwas größere Kinder können auf kindliche Art aufgeklärt werden, warum das Zähneputzen so wichtig ist. Es gibt wundervolle Kinderbücher zu diesem Thema. Ein Klassiker ist „Karius & Baktus“ (cbj Verlag), ebenfalls schön sind unter anderem „Hilf dem Löwen Zähne putzen!“ (Boje Verlag) oder „Mein erstes Zahnputzbuch“ (Ravensburger Verlag).

Wenn alles nicht hilft: Wie schlimm ist eine Zahnputz-Pause wirklich?

Du hast Angst, dass du deinem Kind nachhaltig schadest, wenn du es nicht zum Zähneputzen bewegt bekommst? Langfristig ist da sicherlich etwas dran. Aber was bedeutet langfristig genau? Eine Woche, einen Monat, ein Jahr? Fakt ist: Wenn dein Kind eine Woche lang nicht die Zähne putzt, steigt die Bakterienanzahl rapide an und damit das Risiko für Karies. Auch Zahnfleischentzündungen können nun entstehen. Nach zwei Wochen beginnt sich er Zahnbelag zu Zahnstein zu verhärten und nach drei Wochen hat der Zahnbelag mit etwa zwei Millimetern Dicke sein Maximum erreicht. Das klingt alles sehr besorgniserregend. ABER: Wer nach einer längeren Zahnputz-Pause wieder regelmäßig zur Zahnbürste greift, kann die Ausgangslage relativ schnell wieder herstellen. Nach wenigen Tagen ist in der Regel ein gesundes Biofilmmilieu wieder hergestellt und nach spätestens zwei Wochen haben sich Zahnfleischentzündungen beruhigt. Klar ist das keine Ausrede dafür, das Zähneputzen zu vernachlässigen und erst gar keinen Versuch zu starten, das Kind dafür zu begeistern. Doch es nimmt ein wenig den Druck und die ganz große Panik.

Babys auf das Zähneputzen vorbereiten

Für diese Tipps ist es vielleicht bereits zu spät. Solltest dein Kind aber eines Tages ein Geschwisterchen bekommen, hast du sie direkt im Hinterkopf. Natürlich darfst du sie auch an andere Eltern weitergeben, die noch Babys haben. Mundhygiene beginnt nämlich noch vor dem Durchbruch des ersten Milchzahns. Mit einem feuchten Fingerling oder Waschhandschuh kannst du das Zahnfleisch deines Babys von Milchresten befreien und es sanft massieren. Sobald die ersten Milchzähne durchgebrochen sind, solltest du auch diese mehrmals täglich reinigen. Zahnpasta braucht es dafür aber noch nicht, Wasser reicht aus. Sobald dein Kind greifen kann, kannst du ihm – beispielsweise immer wenn es auf dem Wickeltisch liegt – eine Kinderzahnbürste in die Hand geben. Es kann diese einfach nur ansehen und damit spielen, sehr wahrscheinlich wird es sie aber in dem Mund stecken und darauf herum kauen. So lernt es die Zahnbürste als Alltagsgegenstand schon früh kennen und hat keine Berührungsängste damit. Außerdem hilfreich kann es sein, wenn dir dein Kind beim Zähneputzen regelmäßig zuschaut. Kinder sind sehr interessiert an dem, was ihre Eltern tun und lernen vieles durch Nachahmung. Erkläre deinem Kind immer wieder und Schritt für Schritt, was du tust und warum – auch wenn es selbst noch gar nicht sprechen kann und du den Eindruck hast, dass es deine Worte nicht versteht. Du kannst deinem Kind auch währenddessen seine eigene Zahnbürste in die Hand geben. Wie in vielen Situationen ist die „Kommunikation auf Augenhöhe“ hierbei wörtlich zu nehmen. Wenn du in die Hocke gehst, während du deine Zähne putzt, kann dein Kind noch besser zusehen. Im Kleinkindalter kannst du deinem Kind auch mal deine Zahnbürste in die Hand geben, und es damit deine Zähne putzen lassen – vielleicht führst du seine Hand dabei sanft. Das gemeinsame oder auch gegenseitige Zähneputzen kann auch später und längerfristig zu einem festen Ritual werden.

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