Cleanup Clean Up veranstalten
© galitskaya / Adobe Stock

Gutes tun: So veranstaltest du ein Cleanup

Ein Cleanup ist eine organisierte Aufräum-Aktion, bei der du die Natur von Müll befreist. In deiner Nähe gibt es noch kein Cleanup? Dann veranstalte doch einfach selbst eins.

Hast du dich auch schon über achtlos weggeworfenen Müll geärgert, wenn du in der Natur unterwegs warst? Dann gehörst du zur Mehrheit. Denn die meisten Menschen hierzulande finden es falsch, Müll in der Natur zu hinterlassen. Dafür verantwortlich, ihn wegzuräumen, fühlen sich jedoch nur wenige von ihnen. Ist ja nicht mein Müll, denken manche. Soll die Kommune doch einen Aufräum-Trupp schicken – wozu zahle ich schließlich Steuern, denken andere. Und so bleibt der Unrat liegen, im schlimmsten Fall mehrere Hundert Jahre lang. Denn so lange brauchen einige Materialien, um sich zu zersetzen. Manche tun das nie restlos.

So lange braucht Müll, um sich in der Natur zu zersetzen*

Kaugummi: bis zu 5 Jahre
Zigarettenstummel: bis zu 7 Jahre
Papiertaschentuch: bis zu 5 Jahre
Plastikflasche: bis zu 500 Jahre
Glasflasche: unbestimmt
Konserven- oder Getränkedose: 200 Jahre
Einwegwindel (oder -Damenbinde): bis zu 500 Jahre

Müll kann zur Gefahr werden

Von vielen weggeworfenen Gegenständen geht eine Gefahr für Natur, Tier und Mensch aus. Ein großes Thema ist beispielsweise Mikroplastik, welches inzwischen auf der ganzen Welt in Böden und Gewässern und sogar im menschlichen Körper nachgewiesen werden kann. In Einweg-Masken, Angelschnüren, Netzen und ähnlichem können sich Tiere verheddern und dadurch qualvoll verenden. Glasscherben können Waldbrände verursachen. Ein einziger Zigarettenstummel kann 40 Liter Grundwasser verunreinigen. Die Liste der negativen Auswirkungen und Gefahren von Müll in der Natur ist lang.

Auf frischer Tat ertappt?

Auch wenn es im ersten Moment ungerecht erscheinen mag – in einer sozialen Gesellschaft ist man auch für jene mitverantwortlich, die sich falsch verhalten. Ihnen kann man auf unterschiedliche Weise begegnen. Wenn man sie direkt dabei beobachtet, wie sie Müll achtlos in die Natur werfen, kann man sie höflich (!) auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen und sie bitten, ihren Müll fachgerecht zu entsorgen. Wenn das nichts nützt, kann über eine Anzeige nachgedacht werden – wilde Müllentsorgung ist in Deutschland verboten und wird mit Bußgeldern geahndet.

Hilf beim Aufräumen

Erwischt man die Täter:innen nicht und findet lediglich ihre Hinterlassenschaften, gibt es ebenfalls unterschiedliche Möglichkeiten, damit umzugehen. Bei großen oder sperrigen Müllmengen oder Sondermüll beispielsweise sollte die zuständige Behörde oder Institution informiert und über den genauen Standort informiert werden. Praktisch hierfür ist das kostenlose Angebot MÜLLweg! DE, das es als Browserversion oder App gibt und bei der Meldung von wildem Müll unterstützt.

Kleinere Mengen Müll kann man regelmäßig selbst auflesen und fachgerecht entsorgen. Öffentliche Müllcontainer, Wertstoffhöfe oder (wenn der Platz vorhanden ist) die eigenen Mülltonnen kommen dafür in Frage. Wer beispielsweise jeden Tag unterwegs und nebenbei fünf Müllstücke aufsammelt, leistet bereits einen tollen Beitrag: Das sind im Jahr immerhin 1.820 Müllstücke, die weniger in der Natur liegen. Und dafür ist der Aufwand verhältnismäßig gering.

Gemeinsam macht es noch mehr Spaß!

Vielerorts gibt es bereits gemeinschaftliche Aufräum-Aktionen, sogenannte Cleanups. Informiere dich zunächst, ob ein solches Event bereits geplant ist und schließe dich gegebenenfalls an. Gibt es in deiner Nähe noch kein Cleanup, kannst du selbst eins veranstalten.

In jeder Region gibt es zahlreiche Menschen, denen die Natur am Herzen liegt. Sie zu aktivieren und gemeinsam in einer Gruppe Müll zu sammeln, macht Spaß. Wer ein sogenanntes Cleanup veranstalten will, kann beispielsweise in regionalen Facebook-Gruppen einen Aufruf starten oder analog an einem schwarzen Brett (etwa im Supermarkt um die Ecke). Vielleicht haben Arbeits-Kolleg:innen, eine Kindergartengruppe oder Schulklasse, der lokale Sport- oder Musikverein Interesse daran, gemeinsam eine solche Aufräum-Aktion zu organisieren. Ein Cleanup kann in der Stadt ebenso veranstaltet werden, wie auf dem Land. Je mehr Menschen sich daran beteiligen, desto geringer der Aufwand für jede:n Einzelne:n und desto größer der Erfolg.

Sei du selbst die Veränderung,
die du dir wünschst
für diese Welt.

Mahatma Gandhi

Wer ein Cleanup veranstalten will, braucht dafür ein paar Dinge. Eventuell finden sich hierfür – mit etwas Vorlauf – Sponsor:innen. Einige Dinge bekommt man auf Nachfrage vom kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieb gestellt bzw. geliehen. Alternativ kann jede:r Teilnehmer:in eine eigene Ausrüstung mitbringen, damit die Kosten gerecht verteilt werden. Der Einladung zum Cleanup sollte eine entsprechende Liste beigefügt sein.

  • Mehrere Eimer und/oder verschiedene Müllsäcke (um den gesammelten Müll direkt trennen zu können)
  • Handschuhe (am besten solche mit Schnittschutz)
  • Optional Müllgreifer
  • Optional Kescher (wenn Gewässer befreit werden sollen)
  • Praktisch sind Schubkarren oder Bollerwagen

Die Wahl der Kleidung sollte den örtlichen Gegebenheiten und dem Wetter angepasst werden, immer aber bequem und funktional sein und schmutzig werden dürfen. Gerade wer sich abseits der Wege im Wald bewegt, braucht festes Schuhwerk. Proviant für kleine Pausen unterwegs sollte ebenso wie ein Erste-Hilfe-Kit im Gepäck aller Teilnehmer:innen sein.

Tipp: Über eine Schüssel Eintopf oder ein Stück Kuchen als kleines Dankeschön freut sich Jede:r. Auch hierfür können im Voraus Sponsor:innen gesucht werden – beispielsweise die Metzgerei oder Bäckerei um die Ecke.

Tu Gutes und sprich darüber

Es ist selbstlos und großartig von dir, wenn du für deine gute Tat keinen Applaus ernten willst. Darum geht es auch gar nicht in erster Linie, wenn du Bilder vom Cleanup an Freund:innen und Verwandte verschickst oder in sozialen Netzwerken öffentlich teilst. Damit motivierst du andere Menschen, sich ebenfalls für den Naturschutz zu engagieren und hältst den Täter:innen den Spiegel vor. Vielleicht hat sogar die lokale Tageszeitung oder das lokale Wochenblatt Interesse, über die Aufräum-Aktion zu berichten. Je häufiger auf das Thema Müllvermeidung, Mülltrennung und Müllentsorgung aufmerksam gemacht wird, desto besser!

Übrigens: Am 19. September ist offizieller World Cleanup Day.

*Durchschnittswerte, die beispielsweise durch lokale Gegebenheiten oder Witterungsbedingungen zum Teil stark schwanken können.

Rebecca Sommer

Rebecca Sommer hat nach ihrem Studium ein Volontariat bei einer Tageszeitung absolviert und war als Redakteurin und Buchautorin für diverse Verlage und Medien tätig. Heute arbeitet die vierfache Mutter als Geschäftsführerin der nachhaltigen Werbeagentur between und leitet das Projekt Naturkind. Mit ihrer Familie lebt die 34-Jährige in Hamburg.