Muttermilch genießt einen guten Ruf – und das absolut zu Recht. Warum sie so gesund, aber auch praktisch ist und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert, erklären wir dir hier.

Eine der fantastischen Eigenschaften von Muttermilch ist ihre Anpassungsfähigkeit. Sie passt sich genau an die Bedürfnisse des Babys an, um es optimal zu versorgen. Diese Veränderung wird in drei Phasen unterteilt.

Phase 1

In Phase 1 wird die Milch als Kolostrum bezeichnet. Sie ist die erste Milch, die der Körper bereits etwa drei Monate vor der Geburt anfängt zu produzieren. Die Aufnahme vom Kolostrum ist fürs Baby deshalb so wichtig, weil sie den Grundstein für ein gesundes Immunsystem legt. Die Vormilch ist so hoch konzentriert in ihren Inhaltsstoffen, dass sie mit ihren Zellen, Nährstoffen, Proteinen, Blutkörperchen und Antikörpern dafür sorgt, dass sich das Immunsystem der Kleinen ausbilden kann und ein erster Schutz gegen äußere Einflüsse gebildet wird. Oftmals wird Kolostrum sogar als die erste Impfung bezeichnet. Des Weiteren enthält sie entzündungshemmende Eigenschaften, reguliert den Blutzuckerspiegel und wirkt abführend, sodass das Kindspech abgeht (der erste Stuhlgang). Diese erste Phase endet nach etwa zwei bis drei Tagen.

Dass zu Beginn nur wenige Tropfen aus der Brust kommen ist übrigens vollkommen normal. Tatsächlich bestimmt auch hier die Nachfrage das Angebot. Je öfter das Kind saugt, desto mehr wird die Brust zur Milch-Produktion angeregt. Nur in sehr seltenen (oft krankheitsbedingten) Fällen wird das Kind nicht von der eigenen Milch satt. Zudem ist es so, dass der Baby-Magen am Anfang noch so winzig klein ist, dass schon die kleinsten Milchportionen erstaunlich satt machen können. Des Weiteren hat auch die Brustgröße keinerlei Einfluss auf die Milchmenge. Jeder Körper ist unterschiedlich, genauso wie der Bedarf der Kinder. Der weibliche Körper passt sich dem Bedürfnis des eigenen Babys schon evolutionsbedingt an.

Extra-Tipp: Vertraue beim Stillen auf die Ur-Instinkte deines Kindes. Es meldet sich, wenn es Hunger hat und sucht instinktiv deine Brust. Stillen nach Uhrzeit ist nur in sehr seltenen Fällen notwendig. Hebamme oder der Kinderärzt:in werden dich mit Sicherheit darauf aufmerksam machen, wenn dein Kind zu dünn ist oder aufgrund anderer Gründe öfter gestillt werden muss!

Phase 2

In Phase 2 wird die Milch als Übergangsmilch bezeichnet. Diese Phase schließt sich direkt an Phase 1 an und dauert bis ca. 14 Tage nach der Geburt. Auch optisch unterscheidet sich die Übergangsmilch vom Kolostrum. Sie ist dickflüssiger und eher gelblich, während das Kolostrum eher milchig-weiß aussieht. Auch in der Übergangsmilch sind Antikörper und schützende Zellen enthalten, jedoch ist sie nun darauf ausgelegt, das Wachstum des Babys zu fördern. Der Kalorien- und Fettgehalt nimmt nun ebenfalls zu.

Phase 3

Im Anschluss an Phase 2 geht es in die Phase 3 über. Die reife Milch steht dem Baby nun zur Verfügung und bleibt bis zum Abstillen. Der Nährstoffgehalt der reifen Milch bleibt über die gesamte Stillzeit in etwa gleich, lediglich Fett- und Zuckergehalt unterliegen Schwankungen. Durch die Versorgung der reifen Milch werden dem Baby die besten Voraussetzungen zum Wachsen und der Entwicklung gegeben. Das Immunsystem sowie der gesamte Zellaufbau werden weiterhin unterstützt.

Diese Inhaltsstoffe sind in der Muttermilch enthalten

Antikörper, Zellen und Fett sind nicht die alleinigen Inhaltsstoffe der Muttermilch. Tatsächlich besteht sie zum großen Teil aus Wasser, in welchem sich die gesunden Nährstoffe verstecken. Die rund 80 % Wasser-Anteil sind übrigens auch der Grund, warum beispielsweise im Sommer keine zusätzlichen Getränke wie Wasser oder Tee angeboten werden müssen. Die Milch reicht als Durstlöscher vollkommen aus.

Eiweiß als Baustein ist ebenfalls enthalten, welches dafür sorgt, dass sich Knochen und Muskeln bilden können. Zudem ist Eiweiß dafür zuständig, wichtige Stoffe im Körper zu transportieren. Zuletzt sind die Kohlenhydrate zu nennen. Sie liefern dem Körper Energie, sind aber auch an vielen anderen Vorgängen im Körper beteiligt (u. a. bei der Unterstützung des Nervensystems sowie dem Aufbau und dem Erhalt einer gesunden Darmflora).

Immer zur Verfügung und praktisch kostenlos

Sie ist immer verfügbar, hat stets die richtige Temperatur und in der vom Baby benötigten Menge steht sie ebenfalls zur Verfügung: Die Muttermilch ist einfach rundum praktisch.

Ob unterwegs oder daheim: Das Zubereiten der Nahrung entfällt, ebenso wie das Abpassen der korrekten Temperatur und nicht selten fordert der Nachwuchs doch mehr, als zubereitet wurde. Durchs Stillen entfällt die Zeit für die Zubereitung und auch kostentechnisch ist die eigene Milch unschlagbar, da kostenlos. Gleichzeitig wird auch die Umwelt geschont, wenn der Bedarf an fertiger Baby-Milch auch dem Supermarkt sinkt und man selbst so nicht die Produktion mit ankurbelt. Auch über die Inhaltsstoffe muss man sich keine Gedanken machen, denn in der Milch der Mutter ist genau das enthalten, was benötigt wird und keimfrei ist sie sowieso.

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Nicht nur Mama kann Muttermilch geben

Übrigens ist es gar nicht notwendig, dass ab der Geburt ausschließlich die Mutter für die Fütterung verantwortlich ist! Durchs Abpumpen der Milch steht diese auch Papa bzw. allen zur Verfügung, die sich um das Kind kümmern. Im Kühlschrank kann die Milch für bis zu zwei Tage aufbewahrt werden. Wenn du für einen längeren Zeitraum Muttermilch zur Verfügung haben möchtest oder tatsächlich mehr produzierst, als dein Baby trinken kann, ist es auch möglich die Milch einzufrieren. Bei -20° Grad Celsius hält sie sich bis zu sechs Monate. Wichtig ist dann nur, auf ein besonders schonendes Auftauen zu achten und die Milch innerhalb weniger Stunden nach dem Auftauen zu verbrauchen. Muttermilch-Pumpen müssen dafür übrigens nicht extra teuer gekauft werden. In vielen Apotheken kann man sich diese leihen oder (wenn beispielsweise gesundheitliche Probleme wie eine Brustentzündung vorliegen) auch auf Rezept verschreiben lassen! Hilfestellung findest du beispielsweise bei deiner Hebamme, dem Frauenarzt oder auch durch eine Stillberatung.

Die Muttermilch sorgt für den Tag- und Nacht-Zyklus deines Babys

Im Laufe des Tages verändert sich die Milch in ihrer Zusammensetzung. Am Morgen enthält sie mehr Cortisol, wodurch wir wach werden. Am Abend oder in der Nacht hingegen ist der Melatoningehalt höher. Melatonin ist auch als Schlafhormon bekannt, sodass die Milch durchaus zum Einschlafen anregen kann, was sie in der Nacht nicht nur zum Sattmacher, sondern auch zum natürlichen Einschlafbegleiter werden lässt.

Die Vorteile der Muttermilch für die Mutter

Nicht nur das Baby profitiert vom Stillen, sondern auch du als Mama! “Stillen stärkt die Bindung!” ist nicht nur ein belangloser Spruch, sondern enthält durchaus eine große Portion Wahrheit! Als Mama verbringst du durchs Stillen (Ausnahmen bestätigen die Regel) automatisch mehr Zeit mit deinem Kind, kuschelst deutlich länger und bist auch in der Nacht Ansprechpartnerin Nummer 1. Zudem hat Stillen den Vorteil, dass du nachts mit dem Baby an der Brust im Bett liegen bleiben kannst und im Idealfall mehr Schlaf abbekommst als Mütter, die erst aufstehen und eine Flasche Milch zubereiten müssen.

Doch Muttermilch kann noch mehr! Durch das Produzieren der Muttermilch und dem damit verbundenen Stillen muss der Körper mehr leisten. Das Abnehmen nach der Geburt wird somit auf natürliche Weise angeregt. Hier darfst du jedoch keine Wunder erwarten. Der Körper wird eiserne Reserven auch für schlechte Zeiten festhalten, sodass du ganz ohne Zutun vermutlich nicht zu deinem Ursprungsgewicht zurückfinden wirst.
Aber: Durch die Ausschüttung verschiedener Hormone beim Stillen kann die Gebärmutter-Rückbildung beschleunigt werden.

Ein weiterer, wichtiger Faktor für dich als Mama: Stillen bedeutet Ruhe. Als Mama ist es in den ersten Wochen bis Monaten ohnehin anstrengend genug, sodass du das Stillen als kleine Pause für dich ansehen solltest. Die Augen schließen, vielleicht sogar ein bisschen Musik dabei hören und einfach nur entspannen und Kraft tanken – das ist es, was das Stillen dir mehrfach am Tag ermöglicht (ohne schlechtes Gewissen deinerseits bitte, denn du hast nun wirklich keine Möglichkeit, nebenher den Haushalt zu machen)!

Stillen kann für eine Gesundheit bis ins hohe Alter sorgen

Die Milch der Mutter ist die beste Möglichkeit, die Immunabwehr eines Babys aufzubauen. Davon wird das Kind sein ganzes Leben lang profitieren, denn neben den wichtigen Antikörpern leiden Stillkinder selten als Herz-Kreislauf- sowie Atemwegserkrankungen. Zudem wird das Risiko an Osteoporose zu erkranken reduziert, da durch die wertvolle Milch eine bessere Knochenmineralisierung stattfindet.

Muttermilch statt Medizin?

Deine Milch ist so viel mehr als nur Nahrung fürs Baby! Sie kann erfolgreich bei vielen Krankheiten und weiteren gesundheitlichen Problemen eingesetzt werden, was an ihrer Zusammensetzung (Antikörper, entzündungshemmende Stoffe ect.) liegt.
  • Bei einer Windeldermatitis kann die wunde Haut mit der Milch benetzt werden. Sie sorgt für einen schützenden Film und beruhigt die gestresste Haut.
  • Babyschnupfen ist eine Qual für die Kleinen. Tropfe mit einer Pipette ein wenig Milch in die Nase. Dies beruhigt die gereizte Schleimhaut und kann zur Besserung beitragen – gleiches gilt übrigens auch für Ohrenschmerzen.
  • Zur Pflege der Haut eignet sich Muttermilch ebenfalls hervorragend. Die Milch im Badewasser pflegt die Babyhaut und es müssen keine Cremes genutzt werden, welche die empfindliche Haut eventuell sogar reizen könnten. Um jederzeit für ein pflegendes Badeerlebnis gerüstet zu sein, sollte die Milch portioniert eingefroren werden (Eiswürfelbehälter eignen sich sehr gut dafür).
  • Mückenstiche oder juckende, trockene Haut freuen sich ebenfalls über Muttermilch, da diese durch den u. a. hohen Fettgehalt beruhigend wirkt und Juckreiz lindern kann.
  • Wunde Brustwarzen können ebenfalls mit der eigenen Milch behandelt werden. So kann die Milch auf eine Stilleinlage getröpfelt werden, welche in den BH gelegt wird, sodass die Muttermilch auch wirklich da zum Einsatz kommt, wo sie benötigt wird.

Den ersten Babybrei mit der eigenen Milch verfeinern

Irgendwann ist es soweit: Der erste Babybrei steht auf dem Speiseplan! Um es dem Baby geschmacklich so einfach wie möglich zu machen, kann ein wenig der eigenen Milch mit in den Brei vermischt werden. So ist der Breigeschmack nicht komplett neu und ungewohnt und auch die Bekömmlichkeit durch die Muttermilch ist besser.

FAZIT: Muttermilch ist der goldene Schlüssel für den erfolgreichen Start ins Leben eines Kindes. Dennoch solltest du nie vergessen, dass es auch möglich sein kann, das eigene Kind nicht zu stillen (beispielsweise weil du zu den Frauen gehörst, die vielleicht einfach wirklich zu wenig Milch produzieren oder es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist). Dies ist kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Auch industriell hergestellte Babymilch ist in der Lage dafür zu sorgen, dass dein Baby gesund aufwachsen kann!