Unsere Autorin Rebecca hat vor fünf Monaten ihr viertes Kind bekommen und sich zum ersten Mal an das Thema Stoffwindeln gewagt. Eine Zwischenbilanz…

Als mein viertes Kind Ende März zur Welt gekommen ist, waren meine drei Großen schon beinahe 15, 13 und 10 Jahre alt und längst aus dem Windelalter raus. Das Thema Stoffwindeln hat mich während meiner ersten Schwangerschaft kurz beschäftigt, aber als mir meine Großmutter und andere Verwandte von ihren Erfahrungen berichtet haben, war ich damit ganz schnell durch. Sie haben meine Vorurteile nur bestätigt.

Ich war damals 16 und Schülerin, wollte mir so wenig unnötige Arbeit wie möglich machen und habe deshalb zu Wegwerfwindeln gegriffen. Als zwei Jahre später mein zweites Kind zur Welt kam, war es für mich schon selbstverständlich, einen Babypo in Plastik zu wickeln. Bei Kind Nummer drei erschien es mir sogar alternativlos, weil ich schon kurz nach der Geburt mit Baby wieder ins Büro musste und Kind Nummer zwei noch nicht trocken war.

Meine Vorurteile:

  • Stoffwindeln laufen ständig aus
  • Der Babypopo wird von der Feuchtigkeit wund
  • Stoffwindeln müssen, aus oben genannten Gründen, stündlich gewechselt werden
  • Der Wäscheberg ist kaum zu bezwingen
  • Mit dem dicken Stoffwindelpaket um den Po können Babys nicht richtig krabbeln lernen

Alles Quatsch!

Heute weiß ich, dass all das nicht stimmt. Und ja, ich schäme mich, für einen Windelberg von etwa 18.000 Windeln verantwortlich zu sein – denn etwa 6.000 Windeln verbraucht ein Kind, bis es trocken ist. Seit nun fünf Monaten wird mein viertes Kind mit Stoff gewickelt und bereue es, es nicht schon beim ersten Kind ausprobiert zu haben. Dann nämlich hätte ich bemerkt, dass es super easy ist, eine Menge Müll vermieden und ganz nebenbei auch noch Geld gespart.

Woher der Sinneswandel?

Mit Anfang 20 war ich eine andere Mutter als ich es mit Anfang 30 bin. Ich habe vieles noch einmal überdacht, mir in der Zwischenzeit zahlreiche Erfahrungsberichte anderer Familien durchgelesen und mich als Journalistin für Familienthemen immer wieder mit dem Thema Stoffwindeln beschäftigt. Auch hat das Thema Müllvermeidung in den letzten Jahren einen größeren Stellenwert in meinem Alltag eingenommen. Als ich mein viertes Kind “geplant” habe, stand für mich direkt fest, dass ich dieses Mal mit Stoff wickeln werde. Mein Mann fand die Idee direkt gut. Er kommt aus der ehemaligen DDR und in seiner Generation waren Stoffwindeln alltäglich.

Welche Windeln sind die richtigen?

Je mehr ich mich über das Thema Stoffwindeln informiert habe, desto unsicherer bin ich geworden. Welche Windeln sind die richtigen? Es gibt heutzutage so viele verschiedene Systeme und innerhalb der Systeme unterschiedliche Modelle – für mich kaum zu durchschauen. Zunächst wollte ich an einem Stoffwindelkurs für Eltern teilnehmen, doch dann ist dieser aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt worden. Also habe ich verschiedene Windelsysteme bestellt und ausprobiert: ein All-in-3-System, Bindewindeln und Mullwindeln.

Die ersten Tage nach der Geburt

Das All-in-3-System kam mir besonders praktisch vor und außerdem habe ich mich auf Anhieb in die niedlichen Stoffe der Außenwindeln verliebt, die es in unzähligen Designs gibt. In die Außenwindel wird eine Innenwindel als Nässeschnutz geknöpft und da hinein kommt eine Einlage als Saugkern. Die Einlage soll ausgetauscht werden, die beiden anderen Komponenten in der Regel einfach auslüften, weshalb man davon ebenfalls mehrere haben sollte. In der Realität sah es bei uns so aus: Unsere Tochter kam auf die Welt, hatte in den ersten Tagen sehr viel schwarzes Kindspech in der Windel, das ausgelaufen ist. Nicht nur die Einlage, auch die Innen- und Außenwindel waren komplett voll – darüber hinaus leider auch Body und Strampler. Mein erster Gedanke: Ich hatte mit meinem Vorurteil recht. Da unsere minimalistisches Testpaket damit bereits am zweiten Tag in der Wäsche war, waren wir gezwungen, auf Mullwindeln umzusteigen – die hatte ich ebenfalls bereitliegen. Ich habe mir das Wickeln mit dieser klassischen Variante unheimlich aufwändig vorgestellt, bin aber schnell eines Besseren belehrt worden.

We love MULLWINDELN

Die nächsten vier Monate haben wir gerne mit Mullwindeln gewickelt. Mullwindeln sind super günstig, deshalb konnten wir davon einen so großen Vorrat anlegen, dass wir nur alle zwei bis drei Tage waschen mussten. In die Mullwindel, die wir in der Falttechnik “Drache” gefaltet haben, haben wir als Einlage einfache Moltontücher gelegt. Auf eine Klammer haben wir verzichtet, weil das Ganze auch einfach so gehalten hat. Über das Windelpaket haben wir dann eine Wollwindelhose gezogen. Diese haben wir zuvor zweifach mit Lanolin gefettet. Zugegeben, an den “Stallgeruch” muss man sich gewöhnen, aber durch das Fetten ist die Windel nicht ein einziges Mal ausgelaufen. Die Kleine hat sich mit zweieinhalb Monaten zum ersten Mal gedreht, mit vier Monaten ist sie bereits durchs ganze Wohnzimmer “gerollt” – der dicke Windelpo hat sie dabei nicht gestört. Bodys mussten wir allerdings eine Nummer größer kaufen.

Unsere Ausstattung bis 5 Monate:

  • 40 Mullwindeln
  • 40 Moltontücher
  • 3 Wollwindelhosen
  • 1 Flasche Lanolin
  • Einfache Frotteewaschlappen und Handtücher (statt Feuchttücher)
  • 1 großer Wetbag für zu Hause
  • 1 kleiner Wetbag für unterwegs

Urlaub mit Stoffwindeln?

Als die Kleine etwa drei Monate alt war, sind wir für ein Wochenende nach Berlin gefahren und haben dort in einem Hotel übernachtet. Für diese kurze Zeit haben wir wie gewohnt mit Stoffwindeln gewickelt. Als im Sommer dann aber ein zweiwöchiger Wanderurlaub bevorstand, haben wir uns das nicht zugetraut. Vor Ort hätten wir nicht waschen können und wir wollten im Urlaub entspannen, statt einen Waschsalon aufsuchen zu müssen. Also haben wir für diese Zeit Öko-Wegwerfwindeln gekauft. Eine absolute Fehlentscheidung, wie sich herausstellen sollte. Schon am zweiten Tag war der Po ganz wund und die Windeln sind jedes Mal (!) ausgelaufen. Wir waren also gezwungen, die Kleidung täglich von Hand zu waschen und teilweise auch zu föhnen, damit wir sie rechtzeitig wieder nutzen konnten. Unterwegs hatten wir außerdem “Kacki-Unfälle” im Tragetuch. Damit hatten wir nicht gerechnet! Beim nächsten Mal werden wir auch im Urlaub mit Stoff windeln und einfach so viele mitnehmen, dass wir in der Zeit nur einmal waschen müssen. Wenn nur Pipi drin ist, können die Tücher und Einlagen auch ganz einfach von Hand gewaschen und in der Sonne getrocknet werden.

Umstieg auf Bindewindeln

Mit etwa vier Monaten war unser Baby dann schon so groß, dass die Drachenfalttechnik etwas zu eng geworden ist. Außerdem ist sie so mobil geworden, dass das Wickeln immer mehr zur Herausforderung geworden ist, weil sie sich dabei immer drehen wollte. Wir hatten ein paar Bindewindeln (auch italienische Windeln genannt) zu Hause und sind kurzerhand darauf umgestiegen. Gebraucht sind auch diese sehr günstig zu haben. Die Mullwindeln, die wir zuvor als Windeln benutzt haben, sind bei 60 Grad in der Maschine und Trocknung in der Sonne komplett sauber geworden. Wir verwenden sie jetzt als Spucktücher, zum Spielen und werden sie als Lätzchen für die Beikosteinführung verwenden. Dafür sind sie total praktisch, weil sie von der Größe her die komplette Kleidung bedecken und vor Breiflecken schützen.

Unsere Ausstattung ab 5 Monate:

  • 40 Bindewindeln statt Mullwindeln
  • ansonsten identisch (s. o.)

Wie es weitergeht, wenn die Kleine anfängt zu laufen, wissen wir noch nicht. Vielleicht werden wir dann wieder auf ein anderes System umsteigen. Ab Einführung der Breikost, wenn sich dadurch auch der Stuhl verändert, werden wir zusätzlich zu den Moltoneinlagen ein Windelvlies einlegen – bei Muttermilchstuhl ist das bislang nicht nötig.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Stoffwindeln gemacht? Wir freuen uns auf eure Berichte in den Kommentaren!

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