Einer der großen Vorteile von Stoffwindeln ist, dass wir als Eltern ganz genau entscheiden können, welche Materialien an die zarte Babyhaut kommen. Denn während die Hersteller von Wegwerfwindeln in Deutschland nicht dazu verpflichtet sind, Inhaltsstoffe auf ihren Produkten anzugeben, ist die Auswahl der Stoffwindel Materialien übersichtlich gehalten.

Bei Stoffwindeln hat man generell die Wahl zwischen Kunstfasern und Naturfasern. Diese haben jeweils unterschiedliche Eigenschaften und lassen sich miteinander kombinieren.
Auch hier lohnt es sich, auf die Herkunft und Produktion der Stoffe zu achten. Denn die höhere Nachfrage nach modernen und optisch ansprechenden Stoffwindeln hat auch dazu geführt, dass es einige Produzenten auf dem Markt gibt, die sehr günstige Produkte minderwertiger Qualität vertreiben, sogenannte “Chinawindeln”. Da Windeln aber direkt auf der Haut in einer sensiblen Region verwendet werden, sollten die Materialien auf bestimmte Schadstoffe getestet sein. Also: Auf Zertifikate wie Ökotex oder GOTS achten!

Welches sind nun die Stoffwindel Materialien, die hauptsächlich zum Einsatz kommen?

Bambus: Natur- oder Kunstfaser

Bambus ist ein sehr nachhaltiger und günstiger Rohstoff, da die Bambuspflanzen sehr schnell wachsen – einige Sorten in den Tropen sogar einen Meter am Tag. Zudem sind in Bezug auf Platz und Wasserbedarf relativ anspruchslos, vor allem in Vergleich zu Baumwolle.
Dennoch handelt es sich bei dem Bambus in Stoffwindeln genau genommen nicht um eine Naturfaser, sondern um einen synthetischen Viskosestoff. Denn der Rohstoff Bambus muss bisher erst unter Einsatz von bestimmten Chemikalien so aufbereitet werden, dass er spinnbar ist. 

Die Vorteile von Bambusviskose liegen darin, dass sie sehr fein und weich ist, sowie eine anti-bakterielle Wirkung hat. Sie ist außerdem sehr saugstark (3-4 mal saugstärker als Baumwolle) und wird deswegen gerne für Nachtwindeln und Einlagen verwendet. Dafür braucht sie, je nach Dicke der Windel(einlage) aber auch vergleichsweise lang zum trocknen.

Hanf: Der Champion im Speichern von Nässe

Hanf hat ebenfalls eine sehr gute Ökobilanz, da die Pflanze schnell wächst. Zusätzlich ist sie sehr robust, sodass sie ohne den Einsatz von Pestiziden auskommt.
Der Stoff fühl sich, vor allem im Vergleich zur feinen Bambusviskose, etwas gröber und weniger weich an, jedoch wird er bei Stoffwindeln häufig in einer Mischung mit Baumwolle im Verhältnis 55:45 verwendet.

Hanf ist sehr saugstark und speichert die Nässe am besten von allen Stoffwindel Materialien. Er nimmt sie aber auch langsamer auf, deswegen kombiniert man ihn gern mit einem saugschnellen Material. Als unterste Einlage eignet sich Hanf durch seine gute Speichereigenschaft besonders für Tragebabys und – Kinder: Auch bei Druck auf die Windel gibt er die Nässe nicht so schnell wieder ab.
Dadurch, dass Hanf Nässe gut speichert ist auch die Trocknungsdauer recht lang. Zu weiteren Eigenschaften gehört, dass Hanf hautfreundlich ist und die Entwicklung von Bakterien verhindert.

Baumwolle: Der Klassiker

Baumwolle empfiehlt sich auch bei Stoffwindeln in Bio-Qualität, um eine Belastung mit Pestiziden, die im konventionellen Baumwollanbau sehr stark genutzt werden, zu vermeiden.
Die Naturfaser Baumwolle ist eines der traditionellen Stoffwindel-Materialien, da auch Mull- oder Strickbindewindeln vorrangig aus Baumwolle hergestellt werden.
Sie ist sehr strapazierfähig und bis 95° waschbar. Dies kann beim Kauf von Second Hand Stoffwindeln  oder nach Infekten interessant sein.
Baumwolle ist hautfreundlich, saugt schnell und stark und ist zudem luftdurchlässig. Einlagig, wie als Mullwindel, trocknet sie außerdem sehr schnell auch ohne Wäschetrockner.

Mikrofaser: Das Gefühl von Trockenheit beim Stoffwickeln

Bei Mikrofasern handelt es sich um rein synthetisches Material, welches sehr weich ist und extrem schnell trocknet.
Windeln oder Einlagen aus Mikrofasern vermitteln dem Baby ein Gefühl von Trockenheit. Gerade für Babys die stark auf das Nässegefühl reagieren kann diese Eigenschaft von Vorteil sein, indem Mikrofasern die oberste Schicht, direkt an der Haut des Babys bilden.
Da Mikrofasern Nässe schnell aufnehmen, aber nicht so gut speichern, werden sie häufig mit anderen  saugstarken Materialien wie Bambus kombiniert.
Nicht ignorieren sollten wir bei Mikrofasern dennoch die Mikroplastik Problematik. Denn bei jedem Waschgang lösen sich Fasern. Wenn es sich dabei um synthetische Fasern handelt sind sie nicht abbaubar  und landen schließlich größtenteils in den Meeren oder durch den Klärschlamm auf unserer Feldern.

PUL: Wasserdicht und dennoch atmungsaktiv

PUL ist die Abkürzung für Polyurethan laminated, also “mit Polyurethan beschichtet”.  Der beschichtete
Stoff ist meistens aus Polyester oder seltener auch aus Baumwolle. Dementsprechend muss auch hier die Mikroplastik Problematik mitbedacht werden. Eine Möglichkeit hierfür ist, einen speziellen Wäschesack zu verwenden, der die Mikroplastik Partikel nicht durchlässt (Guppy Bag).
PUL wird als äußerste Schicht für Windeln oder als Überhose verwendet, da er wasserdicht, aber dennoch atmungsaktiv ist. Auch Wetbags bestehen meistens aus PUL.

Wolle: Naturfaser für plastikfreies Wickeln

Wolle ist der Tipp für alle, die auch beim Wickeln möglichst plastikfrei bleiben wollen und deswegen auf PUL verzichten. Denn sie besitzt viele positive Eigenschaften, die für das Wickeln mit Stoff nützlich sind. Wolle ist atmungsaktiv, temperaturausgleichend (im Winter wärmend und im Sommer kühlend), komplett biologisch abbaubar und selbstreinigend.
Damit Wolle wasserabweisend wird, müsst ihr sie regelmäßig mit Wollfett behandeln. Dann fungiert sie als  nässeschützende Schicht, beispielsweise in Form einer Überhose.
Bei Wolle sollte man auch in Bezug auf Windeln auf mulesingfreie Herkunft aus kontrolliert biologischer Tierhaltung achten.

Zu welchen Aspekten des Stoffwickelns möchtet ihr auf Naturkind Magazin gerne mehr lesen?