Zu Besuch in der Seehundstation Friedrichskoog

Seehundstation Friedrichskoog
© Michael / Adobe Stock

Du machst in Friedrichskoog oder der Nähe Urlaub oder wohnst so nah, dass sich ein Tagesausflug an die Nordseeküste lohnt? Dann solltest du unbedingt einen Besuch in der Seehundstation Friedrichskoog einplanen!

Seehunde und Kegelrobben aus nächster Nähe beobachten kannst du in der Seehundstation Friedrichskoog. Dort leben jedes Jahr mehrere junge oder verletzte Tiere auf Zeit, ehe sie wieder in die Natur entlassen werden können. Fünf Tiere leben derzeit dauerhaft in der Station. Aus unterschiedlichen Gründen war eine Auswilderung für sie nicht möglich. Neben den tierischen Bewohnern bietet die Seehundstation Besucher:innen aber noch vieles mehr: Eine große und spannende Ausstellung, Spielmöglichkeiten für Kinder und ein Bistro mit tollem Ausblick auf das Außenbecken. Da ein Großteil der Ausstellung überdacht ist, lohnt sich ein Besuch auch bei norddeutschem „Schietwetter“. Die Preise sind auch vollkommen vertretbar. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern (zwischen 4 und 16 Jahren) zahlt gemeinsam 33 Euro.

Auf die Eintrittsgelder und Spenden ist die Seehundstation Friedrichskoog dringend angewiesen. Wer es kann, zahlt also freiwillig etwas mehr.

Die Seehundstation Friedrichskoog

Seit 1985 gibt es die Seehundstation Friedrichskoog schon. Seitdem werden dort jedes Jahr zahlreiche Seehunde und Kegelroggen aufgenommen. Die genaue Anzahl variiert von Jahr zu Jahr, abhängig von Faktoren wie Witterungsbedingungen, Krankheiten und der Anzahl der verwaisten Heuler, die gefunden und zur Station gebracht werden. Die Mitarbeitenden versorgen die Tiere medizinisch, pflegen sie oder ziehen sie auf, bis sie wieder in die Natur entlassen werden können. Insgesamt konnten seit der Gründung mehr als 8.000 Tiere erfolgreich wieder ausgewildert werden. Damit spielt die Seehundstation Friedrichskoog eine zentrale Rolle im Naturschutz der deutschen Nordseeküste und trägt wesentlich zum Erhalt der Robbenpopulationen bei.

Tiere aus nächster Nähe

Bei Schaufütterungen am großen Außenbecken können Besucher:innen die dauerhaft in der Station lebenden Tiere beobachten und erfahren durch die Mitarbeitenden interessante Fakten über diese Tiere und ihren natürlichen Lebensraum. Die Seehunde und Kegelrobben führen in dieser Zeit kleine „Kunststücke“ auf, die allerdings nicht dem Schauspiel dienen, sondern für medizinische Untersuchungen wichtig sind und deshalb trainiert werden. Auf einer Seite ist das Becken unter Wasser verglast. Durch dieses große Unterwasserfenster können Besucher:innen die Tiere beim Schwimmen und Tauchen beobachten.

Die Ausstellung

Daneben erfüllt die Seehundstation Friedrichskoog als Informationszentrum eine wichtige Aufgabe in Sachen Aufklärung und Bildung. Neben Familien, Paaren und Singles kommen regelmäßig Kindergartengruppen, Schulklassen und andere Gruppen in die Seehundstation um etwas über diese interessanten Tiere, das Ökosystem Nordsee, das Thema Umweltschutz und den Klimawandel zu lernen. Mehr als 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche erwarten die Besucher:innen. Für alle Altersgruppen sind spannende Exponate dabei. Es gibt auch einen Kinoraum, in dem thematisch passende Filme gezeigt werden und regelmäßig finden in der Station Vorträge statt.

TIPP
Damit der Aufenthalt noch spannender wird, kann gegen einen kleinen Aufpreis beim Eintritt ein Expeditionsbogen gekauft werden (3 Euro pro Bogen). Familien mit Kindern ab 5 Jahre leitet der Bogen durch Themen der Ausstellungen und bieten einen spannenden Einblick in die Lebensräume der Robben der Welt. 

Bistro Robbenkiek

Eine Stärkung können sich Besucher:innen im integrierten Bistro Robbenkiek gönnen. Hier gibt es neben typischen Fischgerichten auch andere herzhafte und süße Speisen, warme und kalte Getränke und – wie der Name verspricht – kann man von hier aus „Robben kieken“, also beobachten. Durch die Fenster hat man einen Blick auf das Außenbecken. Veganer:innen kommen hier ebenso auf ihre Kosten – für sie gibt es sogar vegane Fischalternativen (z. B. „Backvisch“ und Burger mit Gemüse-Pattys).

Was zutun ist, wenn du Robben in freier Wildbahn siehst

In Deutschland sind zwei von insgesamt 35 Robbenarten heimisch: Der Seehund und die Kegelrobbe. Die Kegelrobbe ist das größte heimische Raubtier Deutschlands. An der Nordseeküste kann man Robben auf Sandbänken aus der Ferne beobachten. Zu nah sollte man einer Robbe nicht kommen – denn auch wenn diese Tiere an Land zunächst plump und behäbig wirken, können erwachsene Kegelrobben bis zu 30 km/h erreichen, wenn sie jagen oder sich verteidigen müssen und mit ihren Zähnen können sie auch Menschen verletzen. Wenn du also man eine Robbe in freier Wildbahn siehst, solltest du einen Abstand von mindestens 300 Metern halten – schon um deine eigene Sicherheit zu gewährleisten. Menschlicher Kontakt kann aber auch für die Tiere gefährlich werden, was ein weiterer Grund ist, mit ihnen nicht auf Kuschelkurs zu gehen. Niemals solltest du eine Robbe anfassen, versuchen sie ins Wasser zu scheuchen oder ihren Fluchtweg ins Wasser versperren. Hast du einen Hund dabei, muss dieser zwingend angeleint werden und ebenfalls einen größtmöglichen Abstand zur Robbe einhalten.

Einen Robbenfund melden

Hast du den Eindruck, dass die Robbe verletzt ist oder handelt es sich um einen scheinbar verwaisten Heuler (also ein Jungtier ohne Mutter in der Nähe), dann verhalte dich dennoch ruhig, handle nicht unüberlegt und rufe professionelle Hilfe. Je nach Region sind unterschiedliche Ansprechpersonen dafür zuständig. Wenn du unsicher bist, kannst du den Notruf der Polizei unter 110 verständigen, die Zentrale leitet das Anliegen dann entsprechend weiter. Rund um Friedrichskoog kannst du dich direkt an die Seehundstation wenden: 04854-1372 und den Fund melden. Mitarbeitende werden das Tier vor Ort ansehen und entscheiden, was zutun ist.

Rebecca Sommer Journalistin Autorin Naturkind
Rebecca Sommer

Rebecca Sommer hat nach ihrem Studium ein Volontariat bei einer Tageszeitung absolviert und war als Redakteurin und Buchautorin für diverse Verlage und Medien tätig. Heute arbeitet die vierfache Mutter als Geschäftsführerin der nachhaltigen Werbeagentur between und leitet das Projekt Naturkind. Mit ihrer Familie lebt die 35-Jährige auf einem Hof in der Nähe von Hamburg.