Beim Spielen und Toben kommt es nicht selten vor, dass sich ein Kind verletzt. Neben viel Liebe und Verständnis für Schmerzen und Sorgen braucht es nun eventuell eine medizinische Erstversorgung – auch bei leichten Verletzungen. 

Es ist die Horrorvorstellung aller Eltern: Das eigene Kind hat einen schlimmen Unfall, zieht sich nach einem Sturz eine schwere Verletzung zu, bekommt plötzlich keine Luft mehr, hat einen Fieberkrampf oder kommt in Kontakt mit giftigen Stoffen. In solchen Notfällen ist schnelles Handeln gefragt und sollte umgehend der Rettungsdienst oder bei Vergiftungen die Giftnotzentrale gerufen werden! Damit Eltern wissen, was nun zutun ist, sollten sie vorsorglich bereits einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder-Notfälle besucht haben. Kinder ab dem Kindergartenalter können selbst einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Darin lernen sie etwa wie sie Unfälle vermeiden können, einen Notruf absetzen und einfache Maßnahmen der Ersten Hilfe. Einen Verbandskasten sollten jede Familie im Haus haben, regelmäßig kontrollieren und an einem Ort aufbewahren, den alle Familienmitglieder kennen. Ebenfalls für alle Familienmitglieder zugänglich sollten die wichtigsten Notfall-Telefonnummern aufbewahrt und zusätzlich im Telefon eingespeichert werden. 

Nur halb so schlimm?!?

Viel häufiger als schwere Verletzungen kommen im Alltag jedoch leichte Verletzungen vor, die von den Eltern vor Ort oder zu Hause versorgt werden können und in den kommenden Tagen von alleine verheilen. Doch auch wenn Verletzungen Erwachsenen harmlos erscheinen, können sie Kindern Schmerzen bereiten oder sie verängstigen – etwa, weil Blut aus einer Wunde austritt. Eltern sollten nun besonnen und verständnisvoll reagieren und ihre Kinder liebevoll trösten und beruhigen. 

Diese Sätze sind jetzt unangebracht:

„Gar nichts passiert!“
„Das war nur der Schreck!“
„Stell dich nicht so an!“
„Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“
„Bist du ein Mann oder eine Memme?“
„Kein Grund zum Heulen!“
„Das kommt davon!“
„Selber Schuld!“, und ähnliche.

Mehrere wissenschaftliche Studien sind zu dem gleichen Ergebnis gekommen, dass Schmerzen durch sanftes Streicheln gelindert werden können und auch das obligatorische Pusten und Küsschen geben sind hilfreiche Maßnahmen, etwa wenn sich das Kind gestoßen hat. Dies gilt natürlich nicht für offene Wunden, in die auf diese Weise Keime gelangen könnten. Ist das Kind beruhigt, sollte geprüft werden, ob weitere Maßnahmen notwendig sind.

Nasenbluten

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass man bei Nasenbluten den Kopf in den Nacken legen soll. Dies kann jedoch zu Übekeit bis hin zu Erbrechen führen, weil das Blut durch den Rachen in die Speiseröhre und von dort in den Magen laufen kann. Außerdem könnte es in die Atemwege gelangen. Deshalb gilt bei Nasenbluten: aufrecht sitzen oder den Kopf zumindest hochlagern und nach vorne kippen. Einige Minuten lang die Nasenflügen mit den Fingern zusammenzudrücken und etwas Kühlendes, etwa ein Kühl-Pack oder einen nassen (Wasch-) Lappen in den Nacken zu legen kann unterstützend wirken. Durch einen Reflex ziehen sich die Blutgefäße in der Nase zusammen und die Blutung wird gestoppt. Hält das Nasenbluten dennoch an, muss das Kind von einem:einer Ärzt:in untersucht werden.

Insektenstich 

Ein Insektenstich kann jucken, brennen oder schmerzen, ist jedoch in der Regel harmlos – sofern keine Allergie besteht. Spezielle kühlende Gels oder Zwiebelsaft können Linderung verschaffen. Hierfür einfach eine frische Zwiebel halbieren, gitterförmig einschneiden und möglichst viel Zwiebelsaft auf die Einstichstelle drücken oder diese mit der Zwiebel einige Minuten lang einreiben. Auf keinen Fall sollte man das Gift mit dem Mund heraus saugen (lassen) – dies kann zu gefährlichen Schwellungen der Schleimhäute führen. Zeigt das Kind nach einem Insektenstich Auffälligkeiten, wie Fieber oder Schüttelfrost, einen erhöhten Puls oder Atemnot, klagt es über Übelkeit, bilden sich um den Stich Quaddeln, sollte man umgehend einen Rettungsdienst rufen, denn das können Anzeichen für einen allergischen Schock sein. Bei Insektenstichen im Mund oder Rachen sollte man direkt kühlen – von innen durch das Lutschen eines Eiswürfelns und von Außen durch ein um den Hals gewickeltes nasses Tuch – und ebenfalls den Rettungsdienst rufen.

Zeckenbiss

Zecken können gefährliche Krankheitserreger übertragen, weshalb sie umgehend entfernt werden müssen, wenn sie sich in der Haut des Kindes festgebissen haben. Hierbei ist zwar Eile geboten, dennoch sollte man beim Entfernen Ruhe bewahren – denn wenn man die Zecke dabei versehentlich quetscht, kann sie sich in die Wunde übergeben und Krankheitserreger können in den kindlichen Blutkreislauf gelangen. Auch wenn man zu lange wartet kann eine Übertragung stattfinden. Zum Entfernen wird eine Zeckenzange oder -karte benutzt, nah an der Haut angesetzt und damit die Zecke gegriffen und gedreht, bis sie sich lösen lässt. Bleiben Teile der Zecke in der Wunde stecken, können diese behutsam mit einer Nadel entfernt werden. Im Anschluss wird die Wunde desinfiziert und in den kommenden Stunden und Tagen beobachtet: Entzündet sich die Bissstelle oder bildet sich darum ein roter Kreis, sollte umgehend eine Kinderarztpraxis aufgesucht werden.

Schürfwunde

Schürfwunden ziehen sich Kinder häufig zu – meist an Ellenbogen, Knien, Handflächen oder im Gesicht. Oft ist lediglich die obere Hautschicht (Epidermis) verletzt, dennoch kann das Kind einen brennenden Schmerz empfinden oder durch das Austreten von Blut verängstigt sein. Es sollte sich bei der Versorgung der Wunde hinsetzen oder -legen und beruhigt werden. Man sollte nun nicht in die offene Wunde pusten, denn Speichelpartikel enthalten viele Keime. Stattdessen sollte man die Wunde, sofern sie klein ist, einen Moment lang ausbluten lassen. So können bereits vorhandene Keime und Schmutzpartikel aus dem Gewebe geschwemmt werden. Nun sollte die Wunde vorsichtig mit Trinkwasser ausgespült werden. Sind danach noch größere Schmutzpartikel wie Steinchen in der Wunde, können diese mit einer desinfizierten Pinzette entfernt werden. Kleine Schürfwunden müssen nicht desinfiziert werden, dies könnte die Heilung sogar verlangsamen, da mit Desinfektionsmittel auch die „guten“ Bakterien abgetötet würden. Ein Desinfizieren wird nur bei zuvor stark verschmutzen Wunden empfohlen. Kleinere Schürfwunden dürfen an der Luft trocknen. Soll die Kleidung geschützt werden, kann ein luftdurchlässiges Pflaster aufgeklebt oder eine dünne Mullbinde angelegt werden. Stark nässende oder größere Wunden können mit einem Verband versorgt werden – dieser sollte nicht mit der Wunde verkleben und täglich gewechselt werden. In den nächsten Tagen sollte die Wunde auf Entzündungen und Wundheilungsstörungen untersucht werden. Ist sie druckempfindlich, tritt vermehrt Wundsekret aus, ist sie rot oder riecht unangenehm, sollte ein:e Ärzt:in aufgesucht werden. Außerdem sollte überprüft werden, ob ausreichend Tetanus-Schutz besteht oder die Impfung aufgefrischt werden sollte.

<small>Hinweis: Diese Informationen haben wir mit redaktioneller Sorgfalt zusammengetragen. Sie sind jedoch allgemein gehalten und ersetzen nicht die individuelle Beratung durch medizinisches Fachpersonal.</small>