Wochenbett
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Chill mal: Warum die Zeit im Wochenbett sooo wichtig ist

Mindestens sechs Wochen nach der Geburt sollte sich eine Mutter im Wochenbett schonen dürfen und auch für den Rest der Familie sollte diese Zeit so stressfrei wie möglich gestaltet werden. Warum das so wichtig ist und wie es, mit einer guten Vorbereitung, gelingen kann, weiß Naturkind Rebecca – selbst vierfache Mutter.

Ich sitze gerade in der U-Bahn als ich unbeabsichtigt Ohrenzeugin des Gesprächs oder soll ich besser sagen „Battles“ meiner beiden Sitznachbarinnen werde. Es geht um das Thema Wochenbett und wer von beiden nach der Geburt schneller wieder auf den Beinen war. Ich weiß nicht, ob ich mich für sie freuen oder sie bemitleiden soll. Denn beide prahlen damit, schon nach wenigen Tagen wieder den Haushalt geschmissen, sich um ihre größeren Kinder und ihre Männer gekümmert und Sport getrieben zu haben.

Mich erinnern die Schilderungen an meine eigenen Erfahrungen nach der Geburt meines ersten Kindes. Damals war ich zarte 17 Jahre alt und trotz 18 Stunden Wehen, Dammschnitt und ausgeprägtem Eisenmangel am Folgetag schon wieder voller Energie. Die Glückshormone haben mich beflügelt und ich hätte Bäume ausreißen können. Mein Gewicht war bereits das gleiche wie vor der Schwangerschaft und mein Bauch so flach und straff, als wäre ich nie schwanger gewesen. Niemand hätte mir angesehen oder angemerkt, dass mein Körper in den Monaten zuvor eine enorme Leistung erbracht hat und vielleicht hat mich auch deshalb niemand darüber aufgeklärt, dass er nun vor allem eines verdient hat: RUHE.

Stattdessen habe ich ab dem ersten Tag im Stundentakt Besuch bekommen und mich dafür freilich geduscht, frisiert und geschminkt. Weil das Zweibettzimmer auf der Wöchnerinnenstation so „ungemütlich und steril“ war, bin ich mit den meisten Besucher:innen auf dem Klinikgelände spazieren oder in die Kantine gegangen. Mein Baby wurde fröhlich von Arm zu Arm gereicht, wie ein Wanderpokal. Natürlich durften auch Erinnerungsfotos nicht fehlen. Jede:r wollte ein „erstes gemeinsames Foto“ von sich und dem Familienzuwachs. Damit die möglichst vorzeigbar waren, hat mein Kind statt Krankenhauskleidung eigene Sachen anbekommen – die zu Hause direkt gewaschen werden mussten. Kein Problem, denn auch die Hausarbeit hat mir in den Wochen nach der Geburt nichts ausgemacht. Nach vier Wochen habe ich zum ersten Mal wieder mit meinem Freund geschlafen und nach sechs Wochen, als die Sommerferien vorbei waren, bin ich wieder zur Schule gegangen – und mehrmals die Woche nachmittags ins Fitnessstudio und die Fahrschule. Wenn ich daran heute zurück denke, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Am liebsten würde ich mich noch einmal in diese Zeit zurück beamen und alles anders machen. Denn heute weiß ich, wie wertvoll die Zeit im Wochenbett ist!

Körper und Geist brauchen Erholung

Nach der Hausgeburt meines vierten Kindes (mit inzwischen 31 Jahren) hätten mich keine zehn Pferde vom Sofa runter bekommen. An dem Ort, an dem ich mein Kind geboren habe, bin ich die nächsten zwei Wochen liegengeblieben und nur für den Gang zur Toilette oder unter die Dusche aufgestanden. Insgesamt sechs Wochen habe ich nur das Nötigste und sonst nichts gemacht. Und genau dazu – also zum Nichtstun – raten Hebammen einstimmig. Das Wochenbett hat seinen Namen nicht umsonst. Man sollte nach der Geburt für Wochen im Bett bleiben. Oder eben auf dem Sofa. Körper und Geist müssen sich nun erholen und das Baby sollte möglichst sanft und ohne viel Trubel auf dieser ihm unbekannten Welt ankommen dürfen. Dabei spielt keine Rolle, ob es eine leichte oder komplizierte Geburt war oder ob man sich bereits wieder fit fühlt. In diesen Wochen darf man sich wie eine Königin verwöhnen lassen – auch wenn man bereits dazu im Stande wäre, alles selbst zu managen. Das hat nichts mit Faulheit oder gar Egoismus zutun, sondern mit gesunder Selbstfürsorge.

Du musst GAR NICHTS!

Deine Schwiegereltern wollen zu Besuch kommen, die Frauen aus deinem Geburtsvorbereitungskurs wollen sich zum Frühstück treffen, dein größeres Kind hat eine Feier im Kindergarten, du wolltest noch Dankeskarten drucken lassen und deine Instagram-Gemeinschaft wünscht sich ein Lebenszeichen von dir? Du musst gar nichts. Und damit meine ich wirklich GAR NICHTS. Du darfst zu allem NEIN sagen und für dich selbst sorgen. Niemand hat einen Anspruch darauf, dein Kind schon kurz nach der Geburt herumzutragen oder sich gar von dir bewirten zu lassen. Alle, die dich jetzt besuchen kommen, sollen dir gut tun und im besten Fall nützlich sein. Sie können sich um größere Geschwister oder Haustiere kümmern, für euch einkaufen gehen, kochen oder andere Aufgaben im Haushalt übernehmen. Wenn es dir psychisch nicht gut geht, können sie dir zuhören oder Händchen halten oder mit dir gemeinsam herumliegen und Nichtstun. Alles, was DIR nun gut tut und deinen Körper nicht unnötig belastet, ist erlaubt. Zur Nachsorge kann eine Hebamme ins Haus kommen. Bei meinem vierten Kind habe ich mich durch ihre Unterstützung und meine eigenen Erfahrungen so sicher gefühlt, dass ich die U2 – in telefonischer Absprache mit unserem Kinderarzt – „geschwänzt“ habe. Die Vorstellung, das Wochenbett zu verlassen, um in der Praxis unseres Kinderarztes zwischen lauter kranken Kindern zu warten und mein Kind dann in einer völlig fremden Umgebung von einer fremden Person nackig ausziehen, herumwirbeln und begutachten zu lassen, hat sich für mich falsch angefühlt. Zur U3 habe ich mich dann mit dem Auto fahren und begleiten lassen. In den ersten Wochen nach der Geburt sollte eine Mutter nichts heben, das schwerer ist, als ihr Baby. Das Baby in einem Autositz ist also schon zu viel Gewicht und schlecht für den Beckenboden.

Vorbereitung auf die Zeit im Wochenbett

Um mir nach der Geburt meines vierten Kindes diese Art des Wochenbetts gönnen zu können, musste ich mich natürlich darauf vorbereiten. Mit drei weiteren Kinder, einem Hund, einem großen Haus mit Garten und einem Job wäre andernfalls alles drunter und drüber gegangen und wenig entspannt geworden. Für meinen Mann war es das erste Kind, er war also in Sachen Säuglingspflege noch vollkommen unerfahren und wusste auch sonst nicht, was ihn erwartet. Mit den Vorbereitungen auf das Wochenbett habe ich schon etwa ab der 34. Schwangerschaftswoche begonnen. Da mein Kind erst zum Ende der 42. Schwangerschaftswoche geboren ist, hatte ich genügend Zeit.

Ich habe…

  • … vorgekocht und Mahlzeiten eingefroren.
  • … die Vorratsschränke mit haltbaren Lebensmitteln, Toilettenpapier, Küchenrolle, Waschmittel und allem, was man im Alltag eben so braucht, aufgefüllt.
  • … für meine großen Kinder eine Liste geschrieben, mit Gerichten, die sie sich selbst zubereiten können. (Sie könnten auch in die Schränke gucken, aber wir reden hier von Teenies.)
  • … Familie, Freund:innen und Nachbar:innen gesagt, dass ich in den ersten 14 Tagen nach der Geburt keinen Besuch empfangen möchte.
  • … zur Erinnerung daran ein Schild geschrieben, ausgedruckt und in eine Folie gesteckt – mein Mann musste es nach der Geburt nur durch Namen, Größe und Gewicht unseres Kindes ergänzen und an die Haustür hängen.
  • … zwei Telefonlisten für meinen Mann erstellt: Eine mit wichtigen Ansprechpartner:innen wie Hebammen, Kinderarzt, ärztlicher Bereitschaftsdienst und Notfallapotheke. Und eine mit den mir wichtigsten Menschen, die er direkt nach der Geburt informieren sollte.
  • … bei einer Online-Kartendruckerei ein Konto angelegt, eine Dankeskarte vorbereitet und abgespeichert. Diese musste nur noch mit Details zum Kind und Foto ergänzt und bestellt werden.
  • … mehrfach mit meinen Kindern darüber gesprochen, wie ich mir das Wochenbett vorstelle und welche Aufgaben sie dann übernehmen werden.
  • … für meine Kinder flexible Übernachtungsmöglichkeiten bei deren Freund:innen organisiert.
  • … gemütliche und praktische Stillkleidung gekauft, gewaschen und bereitgelegt.
  • … mit Zeitschriften und Bücher gekauft und breitgelegt.
  • … alle notwendigen Utensilien fürs Wochenbett (XXL-Binden, Netzhöschen, Stilleinlagen usw.) gekauft und bereitgelegt.

Daneben waren die Erstausstattung für mein Kind und alle Utensilien für die Hausgeburt schon besorgt.___STEADY_PAYWALL___ Mit meinen Hebammen hatte ich alles Notwendige besprochen und auch für den Fall, dass die Hausgeburt abgebrochen und eine Verlegung ins Krankenhaus notwendig wäre, war alles (inkl. Kliniktasche) organisiert. So konnte ich die letzten Wochen vor der Geburt ganz entspannt genießen, hatte den Kopf frei und keine Befürchtungen, dass ich im Wochenbett gestresst sein könnte.

Besuchszeiten planen und mitteilen

Meine Kernfamilie und auch die von meinem Mann leben hunderte Kilometer weit weg. Wenn uns Familienmitglieder besuchen, übernachten sie bei uns – anders würde sich der weite Weg kaum lohnen. Das wäre mir im Wochenbett zu viel und keine Hilfe gewesen, auch wenn ich sie alle lieb habe. Deshalb habe ich klar kommuniziert, sie zu einem späteren Zeitpunkt gern empfangen zu wollen und vorher mit Fotos zu versorgen. Wenn du ein sehr gutes Verhältnis zu deiner Familie hast und Übernachtungsbesuch als Bereicherung statt Belastung empfindest oder deine Familie praktischer Weise um die Ecke lebt und nach einem kurzen Besuch wieder gehen wird, kannst du ihr natürlich auch im Wochenbett jederzeit die Tür öffnen. Vielleicht ist ihr Besuch genau das, was dir nun gut tut. Aber du solltest mit allen Familienmitgliedern schon während deiner Schwangerschaft in einer ruhigen Minute darüber sprechen, WIE du dir ihren Besuch vorstellst und ob und wie sie dich entlasten können.

Offene Kommunikation, bevor es zu spät ist

Mach ihnen klar, dass du für sie weder putzen noch backen noch kochen und auch nicht mit ihnen spazieren gehen wirst, dich aber sehr freust, wenn sie Essen mitbringen und sich um dich und den Rest der Familie kümmern. Sprich mit ihnen am besten auch darüber, dass dein:e Partner:in nun ebenso Ruhe und ein harmonisches Ankommen in der neuen Rolle verdient hat und im Wochenbett zwar das Nötigste im Haushalt übernehmen, aber darüber hinaus keinen Finger krumm machen wird. Wochenbettzeit ist auch Familienzeit, Kennenlernzeit und Kuschelzeit. Dein:e Partner:in sollte ebenfalls wissen, wie du dir das Wochenbett vorstellst und welche Aufgaben nun von wem übernommen werden sollen. Eine klare Kommunikation mit allen Menschen in deinem Umfeld ist schon vor der Geburt das A und O – denn niemand kann ich dich hinein schauen. Für viele Angehörige, Freund:innen und sogar flüchtige Bekannte gehört es wie selbstverständlich dazu, frisch gebackene Eltern kurz nach der Geburt zu besuchen, das Baby zu bewundern und Geschenke dazulassen. Manche planen sogar eine Überraschungsparty inklusive Besäufnis (Pinkelparty, Babypinkel usw.). Das Feingefühl, diese Tradition zu hinterfragen, haben nicht viele Menschen. Du kannst also nicht davon ausgehen, dass sie dich in ihre Planung mit einbeziehen werden. Du solltest besser aktiv auf sie zugehen, um hinterher nicht jemandem vor den Kopf stoßen oder eine unangenehme Situation über dich ergehen lassen zu müssen.

Verständnis für beleidigte Menschen zeigen

Mit einer solch klaren Ansage kommen nicht alle Menschen zurecht und manche werden sie als persönlichen Angriff oder Abweisung verstehen. Zeig Verständnis, wenn dir beleidigte Reaktionen entgegengebracht werden, aber lass dich nicht von einem schlechten Gewissen oder dem Anspruch, anderen etwas bieten oder beweisen zu müssen, zu etwas verleiten, das du im Herzen gar nicht willst. Mag ja sein, dass es das erste Enkelkind deiner Schwiegermutter ist, das du da zur Welt gebracht hast. Aber das ist es in einer Woche auch noch. Sie hat darauf mindestens neun Monate lang – vielleicht sogar schon seit Jahren gewartet, sie kann sich nun auch noch ein paar Tage gedulden. Mag ja sein, dass die Männer in eurer Clique bei bislang jedem frisch gebackenen Vater mit Schnäpsen auf das Kind angestoßen und die Frauen währenddessen abwechselnd mit dem Neugeborenen gekuschelt haben. Ja, vielleicht waren du und dein Mann auch jedes Mal mit Freude dabei. Aber bei euch läuft das eben anders ab. Punkt. Anstoßen gerne – wie wäre es zum ersten oder zweiten Monatstag? Ihr sagt Bescheid, wenn ihr so weit seid.

Nicht mitmachen beim „Battle“

Solltest du in eine Situation wie die einleitend beschriebene kommen und von anderen Müttern erzählt bekommen, wie schnell sie nach der Geburt ihrer Kinder wieder fit waren, lass dich davon nicht beirren. Auch wenn es sich für dich wie ein Vorwurf anfühlt oder vielleicht sogar so gemeint ist und du dir Sprüche anhören musst wie: „Du bist ja nicht krank“, „Also deine Cousine hat ja nach drei Tagen schon wieder auf dem Hof mitgeholfen“ oder „Du musst mit deinem Kind an die frische Luft“. Entweder gelingt es dir, diese zu ignorieren oder du konterst mit Antworten wie: „Danke für deinen Erfahrungsbericht. Es freut mich, dass das für dich auf diese Weise gut war. Ich habe mich für einen anderen Weg entschieden.“ Manchen Menschen kommt man stattdessen am besten mit harten Fakten. Und davon gibt es rund um das Wochenbett einige. Wusstest du etwa, dass das Risiko, langfristig Probleme mit dem Beckenboden zu bekommen wesentlich höher ist, wenn sich eine Frau nach der Geburt schnell wieder körperlich anstrengt? Probleme mit dem Stillen, bis hin zu schmerzhaftem Milchstau, kommen häufiger bei Frauen vor, die gestresst sind. Viel Ruhe und Entspannung kann außerdem (eine Garantie gibt es dafür leider nicht) vor einer Wochenbettdepression schützen. Schmerzhafte Nachwehen können durch Bauchlage gelindert werden und so kann auch die Rückbildung unterstützt werden. Wenn also jemand denkt oder sagt, dass du dich anstellst, kannst du einfach antworten: „Heute ist der Wissensstand der Forschung ein anderer. Vielen physischen und psychischen Beschwerden kann man durch Ruhe im Wochenbett vorbeugen.“

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