Von der Palme in den Supermarkt – der Weg der Kokosnuss

Kokosnuss
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Wenn uns das Fernweh packt und wir uns nach weißen Sandstränden, Wellenrauschen und einem schattigen Plätzchen unter einer Palme sehnen, greifen wir gerne zur Kokosnuss. In der heimischen Küche zaubern wir daraus leckere Speisen, die uns zumindest eine kulinarische Tropenreise ermöglichen. Doch woher kommt die exotische Palmfrucht genau? Kann man sie mit gutem Gewissen kaufen? 

Wo die Kokosnuss ihren Ursprung hat, ist nicht ganz klar. Vermutet wird, dass die ersten Kokospalmen auf den Inseln der Inselgruppe Melanesien, im südlichen Pazifik gewachsen sind. Da Kokospalmen oft nah am Wasser stehen, kommt es vor, dass reife Früchte hinunterfallen und von den Wellen davongetragen werden. Kokosnüsse sind leichter als Wasser und treiben deshalb über lange Strecken an der Oberfläche. Da sie durch ihre wasserdichte Hülle mehrere Monate haltbar sind, kann ihnen eine solche Reise nicht viel anhaben und so ist es gut möglich, dass sie hunderte Kilometer weiter stranden, dort keimen und selbst zu einer Kokospalme heranwachsen. Sechs bis acht Jahre vergehen, bis eine Kokospalme die ersten Früchte trägt. Anders, als der Name es vermuten lässt, handelt es sich bei der Kokosnuss übrigens nicht etwa um eine große Nuss, sondern um eine einsamige Steinfrucht.  

Dass diese besonders gut schmeckt und gesund ist, war schon vor etwa 3000 Jahren bekannt. Seit dieser Zeit werden Kokospalmen von Menschen bewusst angebaut. Heute weiß man, dass Kokosnüsse viele Ballaststoffe, mittelkettige gesättigte Fettsäuren und Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Natrium, Kupfer, Eisen und Phosphor enthalten. Damit sind sie eine willkommene Abwechslung in einer ausgewogenen Ernährung.

Auf Zertifizierungen achten

Aufgrund der weiten Transportwege sollte man Kokosnüsse jedoch in Maßen und bewusst konsumieren. Wie bei allen Lebensmitteln, deren Herkunft man nicht selbst vor Ort überprüfen kann, sollte man als Verbraucher genau hinsehen und beim Kauf auf anerkannte Zertifizierungen, wie das das EU-Bio-Logo und das Fairtrade-Logo achten. Bei verarbeiteten Produkten, die Bestandteile der Kokosnuss enthalten, kann man sich beim Hersteller über die Anbaubedingungen informieren. Gerade Unternehmen aus der Biobranche legen oftmals Wert auf Transparenz und gewähren Einblicke in die Partner-Betriebe, aus denen die exotischen Früchte bezogen werden. 

Kokospalmen sind im gesamten Tropengürtel beheimatet. Zu den Hauptanbaugebieten zählen Indonesien, die Philippinen und Indien. Die meisten Kokosnüsse, die wir hierzulande verarbeitet oder unverarbeitet im Handel bekommen, sind auf Kokospalmenplantagen gewachsen, die von Kleinbauern bewirtschaftet werden. Die Ernte ist aufwendig und nicht ungefährlich. Bei kleineren Kokospalmen kommt ein, bis zu zehn Meter langer Bambusstab zum Einsatz, an dessen Ende eine Sichel befestigt ist, mit der die Früchte abgetrennt werden. Bei größeren Palmen kann man die Früchte, die in der Baumkrone wachsen, auf diese Weise nicht erreichen und so müssen die Bauern den bis zu 25 Meter hohen Stamm hinaufklettern. Da nicht alle Früchte gleichzeitig reif sind, erfolgt die Ernte alle paar Wochen. Beim traditionellen Anbau kommen weder Pestizide noch künstliche Dünger zum Einsatz. Diese Mittel sind für Kleinbauern nicht erschwinglich und so werden viele Kokospalmenplantagen seit Generationen biologisch betrieben. 

Fairer Handel für faire Arbeits- und Lebensbedingungen 

Bei der offiziellen Bio-Zertifizierung sind meist Unternehmen aus dem Ausland behilflich. Von ihnen zur Verfügung gestellte Fachleute besuchen die Plantagen vor Ort und schulen die Kleinbauern, etwa zum Thema Mischkultur und Kompostierung. Die Hilfe geht oftmals aber noch viel weiter. So werden beispielsweise Gesundheitszentren gebaut oder Stromleitungen in abgelegene Dörfer gelegt. Produkte aus fairem Handel unterstützen die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern vor Ort zusätzlich. Das Fairtrade-Siegel garantiert, dass die Arbeiter faire Löhne erhalten – auch dann, wenn der Absatz sinkt und mit ihm der Preis für Kokosnüsse. Die Bauern erhalten in diesem Fall weiterhin einen garantierten Mindestpreis.  

Wer sich das Urlaubsfeeling nach Hause holen will, sollte beim Kauf also zu Bio-Kokosnüssen und Bio-Kokosprodukten aus fairem Handel greifen. Um herauszufinden, ob eine unverarbeitete Kokosnuss noch frisch ist, kann man den Schütteltest machen: Gluckert die Kokosnuss beim Schütteln, spricht das dafür, dass sie mit Kokoswasser gefüllt und somit noch genießbar ist. Je älter Kokosnüsse sind, desto mehr trocknen sie aus, bis sie schließlich gar kein Kokoswasser mehr enthalten. 

Rebecca Sommer Journalistin Autorin Naturkind
Rebecca Sommer

Rebecca Sommer hat nach ihrem Studium ein Volontariat bei einer Tageszeitung absolviert und war als Redakteurin und Buchautorin für diverse Verlage und Medien tätig. Heute arbeitet die vierfache Mutter als Geschäftsführerin der nachhaltigen Werbeagentur between und leitet das Projekt Naturkind. Mit ihrer Familie lebt die 36-Jährige auf einem Hof in der Nähe von Hamburg.