Kinder vegan ernähren
© Pixel-Shot / Adobe Stock

Vegane Ernährung für Kinder – geht das?

Kann man Kinder vegan ernähren, ohne dass diese Mangelerscheinungen bekommen? Dieses Thema ist unter Eltern, aber auch Fachleuten mitunter hochemotional diskutiert. Die vegane Ernährung sei die gesündeste – und zwar von Anfang an – sagen die einen. Fahrlässig und an der Grenze zur Kindeswohlgefährdung sei das, sagen die anderen. Letztlich kommt es jedoch, wie in so vielen Bereichen, auf die Umsetzung an.

Veganer verzichten, meist aus ethischen Beweggründen, auf alle tierischen Produkte. Bei ihnen kommen weder Fleisch noch Fisch und auch keine tierischen Milchprodukte, keine Eier und kein Honig auf den Tisch. Auch Produkte, die Gelatine enthalten werden von Veganern nicht gegessen oder getrunken. Im Nonfoodbereich verzichten Veganer etwa auf Produkte aus Leder, Fell, tierische Wolle, Daunen oder Bienenwachs. Für die meisten Veganer ist ihr Lebensstil alternativlos und so haben viele den Wunsch, auch ihre Kinder vegan zu ernähren. Doch ist das überhaupt möglich und gesundheitlich unbedenklich?

Vegane Ernährung von Kindern möglich

Für das Wachstum und die gesunde Entwicklung von Kindern ist eine Vielzahl an Nährstoffen essentiell. Dass diese nur durch tierische Lebensmittel aufgenommen werden können, stimmt jedoch nicht. Diese können mit einer veganen Ernährung ebenso aufgenommen werden, sofern die Ernährung bewusst ausgewogen ist. Es reicht nicht aus, einfach die tierischen Produkte wegzulassen und ausschließlich klassische Beilagen zu essen oder ausschließlich zu veganen Ersatzprodukten aus dem Supermarkt zu greifen. Eltern sollten sich genau informieren, welche pflanzlichen Lebensmittel auf der Speisekarte ihrer Kinder stehen sollten und in welcher Menge, um ein Defizit an Nährstoffen zu vermeiden. So steckt Eisen beispielsweise in verschiedenen Arten von Bohnen und Blattgemüse. Zink findet sich beispielsweise in Hülsenfrüchten, Nüssen oder verschiedenen Samen; Kalzium beispielsweise in Brokkoli, Chinakohl oder Kohlrabi.

Ausnahme: Vitamin B12

Die meisten Nährstoffe lassen sich in ausreichender Menge über pflanzliche Kost aufnehmen. Eine Ausnahme stellt das Vitamin B12 dar. Dieses kann nicht ausreichend über pflanzliche Lebensmittel aufgenommen werden. Es muss deshalb bei veganen Kindern zugeführt werden – etwa in Form von B12-Präparaten. Hierüber sollte der Kinderarzt entscheiden. Regelmäßige Blutbilduntersuchungen können ohnehin sinnvoll sein und so manchen Fachmann staunen lassen. Die Wahl einer „veganfreundlichen“ Praxis ist ratsam und erspart nervenaufreibende Diskussionen. Denn noch immer sind viele Fachleute der Überzeugung, dass Kuhmilch starke Knochen und Fleisch klug macht.

Vegane Eltern und die Vorwürfe von Außenstehenden

Kinder, die zu Hause überwiegend mit Fast Food, Softdrinks und Süßigkeiten ernährt werden, fallen nicht weiter auf. Dass Eltern mit ihren Kindern am Wochenende zum „goldenen M“ pilgern, ist ein Anblick, an den sich die Gesellschaft gewöhnt hat. Dass man Kindern an der Supermarktkasse einen Lolli in die Hand drückt, ist normal. Dass schon Babys durch Fleischprodukte Antibiotika und durch Fisch Methylquecksilber in ihre kleinen Körper aufnehmen, wird nicht weiter hinterfragt.

Bekennen sich vegane Eltern zu ihrem Lebensstil, ist die Aufregung jedoch oftmals groß. Hier wird selten differenziert, zwischen veganer Fast Food Ernährung (die es auch durchaus gibt) und einer gesunden veganen Ernährung. Argumente wie: „Du kannst deinem Kind nicht deinen Lebensstil aufzwingen“, oder: „Da ist ein Nährstoffmangel vorprogrammiert“, müssen sie sich oft anhören. Auch die Versuche von Bekannten und Verwandten, dem „armen Kind“ mal „etwas Ordentliches“ aufzutischen, kennen viele vegane Eltern. Wer sich entscheidet, sein Kind vegan zu ernähren, sollte sich dessen bewusst sein und sich gar nicht erst auf Diskussionen einlassen. Auch wenn es verlockend ist, diese Momente zu nutzen, um die Nichtwissenden aufzuklären, ist es meist nur verschwendete Energie. Diese sollte man sich lieber sparen und in das Ausprobieren neuer Rezepte stecken. Denn spätestens, wenn die Kleinen eine Phase haben, in der sie Gemüse ablehnen, ist Kreativität gefragt, um eine ausreichende Nährstoffversorgung zu gewährleisten.

Einen ausführlichen Beitrag zum Thema „Vegane Kinderernährung – wie geht es richtig?“, findest du auf der Website der Tierschutzorganisation PeTA: https://www.peta.de/veggiekinder

Rebecca Sommer

Rebecca Sommer hat nach ihrem Studium ein Volontariat bei einer Tageszeitung absolviert und war als Redakteurin und Buchautorin für diverse Verlage und Medien tätig. Heute arbeitet die vierfache Mutter als Geschäftsführerin der nachhaltigen Werbeagentur between und leitet das Projekt Naturkind. Mit ihrer Familie lebt die 34-Jährige in Hamburg.