Herz aus der Nabelschnur
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Smoothie, Globulis, Schmuck: Erstaunliche Dinge, die man aus einer Plazenta machen kann

Kurz nach dem Baby wird die Nachgeburt – die Plazenta – geboren. Sie hat während der Schwangerschaft wichtige Aufgaben übernommen. Und danach?

Etwa ab der 12. Schwangerschaftswoche übernimmt die Plazenta die Versorgung des Ungeborenen. Bis zur 20. Schwangerschaftswoche ist die Plazenta in der Regel voll entwickelt, wächst aber noch weiter. Gegen Ende der Schwangerschaft wiegt sie dann um die 500 bis 650 Gramm, ist zwei bis vier Zentimeter flach und mit einem Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern etwa so groß wie ein Kuchenteller. Apropos: das Wort Plazenta wird vom Lateinischen „placenta“ abgeleitet und bedeutet Kuchen. Manche sprechen auch vom Mutterkuchen.

Wichtige Aufgaben während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft versorgt die Plazenta das Ungeborene über die Blutgefäße mit Nährstoffen und Sauerstoff. Zudem dient sie als Filter: Sie hält Schadstoffe größtenteils vom Ungeborenen fern und „entsorgt“ vom Ungeborenen produzierte Abfallstoffe. Durch die Nabelschnur ist die Plazenta mit dem Baby verbunden – auch nach dessen Geburt noch. Erst durch das Durchschneiden der Nabelschnur wird diese Verbindung getrennt. (Bei der Lotusgeburt wird die Nabelschnur nicht durchgeschnitten, dazu weiter unten mehr.) Inzwischen raten viele Expert:innen dazu, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen und erst danach zu durchtrennen.

Die Geburt der Plazenta

In den ersten ein bis maximal zwei Stunden nachdem das Baby geboren ist, wird die Plazenta mit weiteren Kontraktionen von der Gebärmutter ausgestoßen – dieser Prozess dauert in der Regel zehn bis dreißig Minuten und kann schmerzhaft sein. Zusammen mit Eihäuten und Nabelschnur bildet die Plazenta die sogenannte Nachgeburt. Weil es für die Mutter gefährlich werden kann, wenn Reste der Nachgeburt in der Gebärmutter verbleiben, wird diese von den Geburtshelfer:innen genau untersucht. Auch der Blutverlust der Mutter bei der Nachgeburt wird kontrolliert. Normal sind 250 bis 500 Milliliter. Erst nachdem die Plazenta geboren ist, gilt die Geburt als abgeschlossen und einige (etwas abergläubische) Hebammen gratulieren der Mutter erst dann.

Und dann?

Ein Blick auf die Plazenta lohnt sich auch für Eltern – denn dieses „Organ auf Zeit“ ist wirklich faszinierend. Weil die meisten Eltern direkt nach der Geburt meist anderes im Kopf haben, als einen Biologie-Exkurs, kann man die Plazenta auch fotografieren und später in Ruhe ansehen. Ein hübsch arrangiertes Plazenta-Foto kann auch eine schöne Erinnerung sein. Die meisten Eltern entscheiden sich dafür, die Plazenta noch im Krankenhaus oder Geburtshaus entsorgen zu lassen oder bitten ihre Hebamme bei einer Hausgeburt darum. Das Abfallgesetz schreibt klar vor, wie die Plazenta entsorgt werden muss: „In einem undurchsichtigen, verschließbaren, transportfesten, feuchtigkeitsbeständigen, keimundurchlässigen Einwegbehältnis.“ Nur wenige Eltern wollen die Plazenta mit nach Hause nehmen oder nach einer Hausgeburt dort behalten. Erlaubt ist das in Deutschland aber durchaus. Man kann mit der Plazenta einiges anstellen.

Plazenta am Kind lassen

Nicht besonders weit verbreitet ist hierzulande die sogenannte Lotus-Geburt, bei der die Plazenta gar nicht aktiv abgetrennt wird, sondern durch die Nabelschnur mit dem Kind verbunden bleibt, bis sich diese nach einigen Tagen von alleine ablöst. Die Plazenta wird verpackt und mit dem Baby transportiert. Einen ausführlichen Beitrag zum Thema Lotus-Geburt findest du hier.

Plazenta im Garten vergraben

Das hierzulande am weitesten verbreitete Ritual rund um die Plazenta ist das Vergraben im eigenen Garten. Meist wird als Symbol des Wachstums, Lebens und der Fruchtbarkeit ein Obstbaum darauf gepflanzt. Ist das Kind größer, können die ersten Früchte gemeinsam geerntet werden. Wird das Kind in einer Jahreszeit geboren, in der man keine Obstbäume pflanzt, kann die Plazenta bis zu einem günstigeren Zeitpunkt eingefroren werden. Aber bitte gut verschlossen und beschriftet – nicht, dass sie versehentlich in der Pfanne landet (wobei auch darauf einige Eltern schwören, aber dazu weiter unten mehr).

Globulis herstellen lassen

Daneben wächst die Nachfrage nach homöopathischen Präparaten wie Kapseln oder Globulis in letzter Zeit – auch aufgrund der Verbreitung dieser Möglichkeit über Soziale Medien. Um diese aus der Plazenta herstellen lassen zu können, schneidet die Hebamme direkt nach der Geburt ein etwa bohnengroßes Stück heraus und legt es in eine zuvor bereitgestellte Lösung in einem kleinen Fläschchen. Dieses wird dann verschlossen und an eine Apotheke verschickt, die sich auf die Herstellung homöopathischer Nosoden spezialisiert hat. Das Fläschchen mit der Lösung müssen Eltern in der Regel zuvor selbst besorgen – das entsprechende Set ist in der ausgewählten Apotheke erhältlich. Wissenschaftliche Belege für die Wirkung von Plazenta-Globulis gibt es bislang nicht. Nachgesagt werden ihnen seit Generationen jedoch folgende positive Wirkungen*:

Bei der Mutter:

  • Bessere Rückbildung der Gebärmutter
  • Steigerung der Milchproduktion
  • Unterstützung des Abstillens
  • Linderung von Menstruationsbeschwerden
  • Linderung von Beschwerden in den Wechseljahren

Beim Kind:

  • Abschwächung von Koliken
  • Begleitung von Kinderkrankheiten und Infekten

Bei allen Familienmitgliedern:

  • Linderung von Hauterkrankungen
  • Linderung von Erkrankungen der Atemwege
  • Linderung entzündlicher Erkrankungen
  • Linderung von Symptomen bei Allergien
  • Linderung von Migräne-Beschwerden
  • Hilfe bei allgemeinen Schwächezuständen
    *Quelle: Hebammenblog.de

Plazenta essen / trinken

Bitte, was? Ja – manche Mütter schwören auf die positive Wirkung einer Plazenta-Mahlzeit. Seit die It-Girls Kim und Kourtney Kardashian 2015 öffentlich gemacht haben, ihre eigene Plazenta essen zu wollen, wird das Thema in den Medien immer wieder heiß diskutiert. Vom Smoothie aus roher Plazenta bis hin zu Souvlaki oder Lasagne aus gehackter, gebratener Plazenta, kursieren im Internet zahlreiche Rezepte. In Fachkreisen spricht man von Plazentophagie, wenn eine Mutter die Plazenta isst. Was bei vielen Säugetierarten die Regel ist, wird bei Menschen wohl die Ausnahme bleiben. Das Essen der Plazenta soll vor Wochenbett-Depressionen schützen, die Milchbildung ankurbeln, das Hautbild verbessern, Schmerzen lindern und das Immunsystem stärken. Einige Mütter, die ihre Plazenta gegessen haben, berichten davon, danach besonders Energie geladen gewesen zu sein. Einen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt es allerdings bislang noch nicht beziehungsweise lediglich aus Tierversuchen, die nicht direkt mit dem Menschen vergleichbar sind. Stattdessen warnen einige Expert:innen sogar vor möglichen Gefahren. Während der Schwangerschaft sammeln sich in der Plazenta Giftstoffe, die vom Ungeborenen ferngehalten werden sollen – etwa Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber sowie Schadstoffe aus Feinstaub. Diese sollten auch von einer erwachsenen Person nicht in hoher Konzentration aufgenommen werden. Eine stillende Mutter könnte diese außerdem über die Muttermilch zum Teil an ihr Kind abgeben.

Kosmetik herstellen

Zwischen den 1950er und 1980er Jahren waren Hautpflegeprodukte mit Plazenta-Bestandteilen sehr beliebt. Diese waren im Handel erhältlich, bis man in einigen Produkten das gefährliche HI-Virus entdeckt hat. Im Zuge einer damals sehr großen Anti-AIDS-Kampagne ist Plazenta-Kosmetik vom Markt verschwunden. Auf die angeblich verjüngende Wirkung schwören aber bis heute einige Frauen und so kann man mancherorts weiterhin Beauty-Anwendungen, etwa mit Plazenta-Gesichtsmasken (für um die 400 Euro) buchen. Dabei findet jedoch die eigene Plazenta keine Anwendung. Diese kann man ebenfalls zu Kosmetik verarbeiten (lassen). Nicht nur zu Anti-Falten-Creme für die Mutter, auch zu Wundschutzcreme fürs Baby.

Plazenta in ein Schmuckstück verwandeln

Inzwischen ein regelrechter Trend ist Schmuck aus Muttermilch. Dafür werden einige Tropfen mit Harz vermischt und zu Perlen oder anderen Anhängern geformt. Auf gleiche Weise können auch Haare des Babys, Stücke der Nabelschnur oder eben Teile der Plazenta zu sehr individuellen Unikaten verarbeitet werden. Das gefertigte Schmuckstück wird in der Regel von der Mutter getragen, kann aber auch zu einem besonderen Familienerbstück und später an das Kind übergeben werden.

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