Wohin mit dem Bioabfall? Nicht jeder Haushalt hat die Möglichkeit, einen eigenen Kompost im Freien anzulegen. Die Biotonne in der Küche fängt nach kurzer Zeit schon an, unangenehm zu riechen und ist nur der Beginn eines ressourcenverschwendenden Kreislaufs. In einigen Regionen gibt es keine Alternative zum Restmüll und so wird der wertvolle Bioabfall gar nicht weiterverwendet.

Da kam den beiden Brüdern David und Thomas Witzeneder aus Oberösterreich eine geniale Idee: Der Agrarwissenschaftler und der Tischler haben einen funktionalen Küchenhocker entwickelt, der auf den ersten Blick aussieht, wie ein gewöhnliches Möbelstück. Doch er hat es im wahrsten Wortsinn in sich: Mehrere 1000 Würmer leben darin. Sie vertilgen jeden Tag Bioabfall und scheiden einen nährstoffreichen Dünger aus, mit dem man Pflanzen ansetzen und versorgen kann.

Dreamteam: Mikroorganismen und Würmer

Behilflich sind den fleißigen Kompostwürmern bei diesem natürlichen Vorgang Mikroorganismen, wie Bakterien und Pilze, die zunächst die Vorarbeit leisten und die Oberfläche des Abfalls aufschließen. Ohne sie könnten die zahnlosen Würmer den Bioabfall nicht aufnehmen. Haben die Mikroorganismen den Abfall vorbereitet, sind die Würmer an der Reihe. Was sie ausscheiden, ist wertvoller Wurmkompost. In einem Jahr produzieren sie etwa 15 bis 30 Liter davon. Ein einziger Liter kostet im Fachhandel um die 2,50 Euro. Wer Zimmerpflanzen zu Hause hat oder auf dem Balkon eigenes Obst und Gemüse anbaut, kann den Wurmkompost als Düngemittel verwenden und die Investition für die Wurmkiste so mit der Zeit wieder rausholen.

Das Rad nicht neu erfinden

„Die Technologie der Wurmkompostierung existiert schon seit Millionen von Jahren und hat zu einem bedeutenden Teil unsere Erde geprägt“, sagt David Witzeneder, Geschäftsführer der Wormsystems GmbH. Während Menschen auf dem Land oftmals einen Kompost im Garten hätten, bliebe vielen Großstädtern scheinbar nichts anderes übrig, als eine kostenpflichtige Biotonne zu nutzen oder ihren Bioabfall gar in der Restmülltonne zu entsorgen. „Wir haben nach einer stylischen Lösung gesucht, die sich auf für kleinere Wohnungen oder den Balkon eignet.“ Nach einiger Tüftelei und mehreren Prototypen haben die Österreicher schließlich die Wurmkiste entwickelt.

Am liebsten BIO

In die Wurmkiste kann man ohne Bedenken klein geschnittene Obst- und Gemüsereste, sowie deren Schalen, Teesäckchen, Kaffeesatz und gemahlene Eierschalen geben. Sogar Zeitungspapier, Karton und Bioplastik können in der Wurmkiste mit etwas Geduld zersetzt werden. Papier sollte jedoch zunächst angefeuchtet werden. Jede dritte Woche sollte man zudem eine spezielle Mineralmischung in die Kiste streuen, um den PH-Wert im idealen Bereich zu halten. Zwar können Kompostwürmer mit Lebensmitteln umgehen, die mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sind, am besten sind jedoch auch für ihren Organismus Bio-Lebensmittel. Kompostwürmer werden unter anderem eingesetzt, um Schwermetalle und Pestizidrückstände aus Klärschlamm zu filtern. In ihren Körpern reichern die Würmer bis zu 50-mal höhere Konzentrationen dieser Gifte an, als in ihrer Umgebung vorhanden sind und können diese teilweise selbst wieder abbauen. Im Grunde vergiften sie sich damit jedoch selbst, um unsere Umwelt sauber zu bekommen. Biolebensmittel ersparen ihnen diese Vergiftung.

Pflegeleichte Haustiere

Kompostwürmer sind nicht nur nützliche Haushaltshelfer. Ganz nebenbei sind sie friedliche und pflegeleichte Haustiere, die bei Groß und Klein ein neues Naturbewusstsein schaffen können. Als Zwitter vermehren sich Kompostwürmer schnell und so kann sich die Anzahl der Würmer in der Kiste im Schnitt alle drei Monate verdoppeln. Die Population passt sich praktischer Weise der Futtermenge an. Im Idealfall kann ein Kompostwurm übrigens bis zu sieben Jahre alt werden. „Mit einer Wurmkiste holt man sich ein kleines Ökosystem nach Hause“, sagt David Witzeneder. „So können der Nährstoffkreislauf und weitere komplexe Zusammenhänge aus der Natur spielerisch veranschaulicht werden.“ Übernehmen Kinder etwa das Füttern der Würmer, lernen sie außerdem, Verantwortung zu übernehmen.

Ehrliches Handwerk

Verantwortung übernehmen auch David Witzeder und sein Team. Die fertigen Wurmkisten und auch die angebotenen Selbstbau-Sets werden in Österreich und Deutschland von Hand gefertigt und bestehen zum Großteil aus nachwachsenden Rohstoffen. Das verwendete Fichtenholz kommt aus Österreich und wird von außen und innen mit Naturöl behandelt. Bei der Produktion nutzt das Unternehmen erneuerbare Energien und ist zudem Mitglied im „Klimabündnis Österreich“. Ein herzliches Miteinander ist David und Thomas Witzeder wichtig, deshalb zahlen sie ihren Mitarbeitern faire Löhne und stehen Kunden auch nach dem Kauf einer Wurmkiste beratend zur Seite, etwa wenn es Startschwierigkeiten gibt oder sich unliebsame Fruchtfliegen zu den Würmern gesellen.

Wurmkiste

Zeitloses Design

Kommt jemand zu Besuch, wird er sich wie selbstverständlich auf den Holzhocker setzen, der mit seinem weich gepolsterten Deckel wortlos dazu einlädt. Mit bodenschonenden Rollen ausgestattet, kann der Hocker bewegt und als Küchenbank oder Reserve-Stuhl verwendet werden. Wer ahnt da schon, dass sich im Inneren zahlreiche Lebewesen tummeln. Manch einer wird darüber sicherlich überrascht, wenn nicht sogar begeistert sein. Löcher im oberen Viertel der Kiste sorgen dafür, dass die Luft darin zirkulieren kann. Ob das Ganze dann nicht furchtbar stinkt? Nein, sagen die Brüder Witzeneder. Eine gut gepflegte Wurmkiste rieche nach feuchter Walderde und bei geschlossenem Deckel gar nicht. Auch eine Flucht der Würmer sei nahezu ausgeschlossen, da die Löcher mit Vlies abgedichtet sind und der Deckel lückenlos schließt. Außerdem, sagt David Witzede: „Würmer blieben am liebsten bei ihrem Futter.“

Weitere Infos: www.wurmkiste.at