Immer mehr werdende Eltern entscheiden sich für die eigenen vier Wände als Geburtsort für ihr Baby. Das bekannte Umfeld soll dazu führen, dass die Frau unter der Geburt besser entspannen und somit stressfreier entbinden kann. Mediziner warnen vor den Risiken, die oftmals jedoch überschaubar sind.

In Deutschland werden aktuell ein bis zwei von 100 Babys zu Hause geboren. Das sind etwa 0,6 Prozent. Kein Vergleich zu unserem Nachbarland, den Niederlanden. Dort kommen etwa 30 Prozent der Babys zu Hause auf die Welt. Dass die Deutschen lieber in Krankenhäusern entbinden hat zum einen damit zutun, dass hierzulande ein großes Sicherheitsbedürfnis verbreitet ist. Das Vertrauen in moderne Medizin, Ärzte, OP-Säle und Neugeborenenstationen ist bei vielen größer, als das Vertrauen in den eigenen Körper und zwei Hebammen, die während einer Hausgeburt anwesend sind. Das Risiko, dass es während der Geburt zu Komplikationen kommt und dem Kind oder der Mutter etwas zustoßen könnte, ist vielen zu groß. Doch ein weiterer Grund hat dazu geführt, dass die Zahl der Hausgeburten in Deutschland um das Jahr 2006 einen Einbruch erlebt hat: Es gab nicht genug Hebammen, die Hausgeburten angeboten haben. Nachdem die Versicherungsbeiträge für Hausgeburtshebammen drastisch erhöht worden waren, mussten viele Hebammen dieses Angebot aus finanziellen Gründen streichen. In vielen Regionen gab es jahrelang gar keine Hausgeburtshebammen und in anderen Regionen waren die Hausgeburtshebammen ausgebucht.

Hebammen bekommen nun einen Haftpflichtzuschlag

Seit 2016 steigt die Zahl der zu Hause geborenen Babys nun wieder. Das hängt vor allem damit zusammen, dass gesetzliche Krankenkassen seit 2015 einen Haftpflichtzuschlag von 1400 Euro pro Quartal bezahlen. Dadurch sind wieder mehr Hebammen zur außerklinischen Geburtshilfe bereit. Bei der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG) waren 2005 noch noch 524 Hebammen erfasst, 2014 nur noch 398, aber 2016 wieder 473.

Risiken bei einer Hausgeburt

Während es in der Generation unserer Großeltern noch ganz normal war, sein Baby zu Hause zu entbinden, ist man mit diesem Wunsch heute eher ein Exot. “Hast du denn keine Angst? Da kann ja so viel passieren!”, bekommen sie im Freundeskreis und von der Verwandtschaft oft zu hören. Auch Frauenärzte sind nicht immer Fans von Hausgeburten und verunsichern Schwangere, indem sie die möglichen Risiken aufzählen. Grundsätzlich bietet jede Geburt Risiken und bei lebensbedrohlichen Komplikationen ist es von Vorteil, wenn ein Ärzteteam in der Nähe ist. Um das Risiko zu minimieren, gehen Hebammen sehr sorgfältig vor und planen nur dann eine Hausgeburt mit einer Schwangeren, wenn diese gesund ist und es bislang keine Komplikationen gab, diese auch nicht zu befürchten sind. Während der Geburt zu Hause sind dann zwei Hebammen anwesend. Ausschließen kann man auch bei einer gesunden Schwangeren mögliche Komplikationen während der Geburt nicht. Im Qualitätsbericht der QUAG ist zu lesen, dass in Deutschland im Schnitt jede sechste Frau, die sich für eine außerklinische Geburt entscheidet, während der Geburt in eine Klinik verlegt werden muss. Nur elf Prozent davon müssen jedoch mit einem Krankenwagen und als Notfall eingeliefert werden.

Vorteile einer Hausgeburt

Hat eine Frau Angst oder fühlt sie sich unwohl, können Wehen unter der Geburt schwächer werden oder ganz ausbleiben. Der Geburtsvorgang verlängert sich dadurch und in vielen Fällen wird diesen Frauen ein Wehentropf empfohlen. Immer mehr Krankenhäuser versuchen die Atmosphäre in ihren Kreißsälen deshalb so gemütlich und wohnlich wie möglich zu gestalten. Eine Geburt ist ein sehr intimer Moment, in dem sich eine Frau verletzlich zeigt. Wechselndes Personal, eine sterile Umgebung, piepsende Geräte, Nadeln und Medikamente sorgen bei vielen für ein ungutes Gefühl. So sehr Krankenhäuser auch bemüht sind, zu Hause fühlen sich die meisten Frauen doch am wohlsten und können dort eher entspannen und “loslassen”. Hebammen beobachten, dass Frauen während einer Hausgeburt seltener Schmerzmittel verlangen und auch Dammrisse und Dammschnitte seltener vorkommen. Generell berichten viele, dass die Geburtsdauer zu Hause im Schnitt kürzer ist, als in einer Klinik. Aussagekräftige Zahlen dazu kann man nicht liefern, da sich Frauen, die zu Hause entbinden oft bewusst gegen die Einnahme von Medikamenten entscheiden und von vornherein weniger Komplikationen zu befürchten sind. Im Krankenhaus entbinden auch Frauen, die Frühchen oder Mehrlinge zur Welt bringen, deren Baby nicht richtig liegt oder erkrankt ist und diese Fälle würden Studienergebnisse negativ beeinflussen.