Von der ersten Ausgabe an haben wir geschlechtersensibel geschrieben. Doch nun ist aus unseren Texten das Gender-Sternchen verschwunden. Warum und wo ist es hin?

Kaum ein Thema bezüglich der deutschen Sprache wird so hitzig und emotional diskutiert, wie das geschlechtersensible Texten. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir in unseren Texten neben Männern auch Frauen ansprechen und darüber hinaus jene, die keinem dieser beiden Geschlechter zugeordnet werden können oder wollen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, geschlechtersensibel zu texten.  Zu Beginn haben wir die Variante mit Sternchen verwendet. Diese haben wir als die gängigste wahrgenommen und da das Sternchen mit seinen in alle Richtungen zeigenden Zacken für die Vielfalt der Geschlechter steht, hat es aus unserer Sicht zudem eine besondere Symbolkraft. Doch zwei oft benannte Nachteile des Sternchens können wir nicht leugnen: So wird dadurch zum einen der Lesefluss erschwert und zum anderen wird das Sternchen von den meisten Screenreadern mitgelesen und ist somit nicht barrierefrei. Also haben wir in verschiedenen Texten andere Gender-Zeichen ausprobiert, miteinander verglichen und uns letztlich für den Doppelpunkt entschieden. Der Doppelpunkt ist schlank und unauffällig, wirkt nahezu stylisch und stört den Lesefluss weit weniger, als das Sternchen. Ein Screenreader liest den Doppelpunkt nicht mit, sondern macht an dieser Stelle eine kurze Pause.

Mischform im redaktionellen Umfeld

Wir verwenden den Doppelpunkt in der allgemeinen Kommunikation und direkten Ansprache. So schreiben wir etwa “Leser:innen”, “Händler:innen” oder “Abonnent:innen”. Bei redaktionellen Beiträgen des Naturkind Magazins hingegen, folgen wir dem Wunsch der Mehrheit und gehen einen Kompromiss ein. Eine Leser:innen-Umfrage 2020 hat ergeben, dass sich 89 % der Befragten an der Gender-Gap (dem Geschlechter-Zwischenraum) stören und sich wünschen, dass wir darauf gänzlich verzichten. Weiteren 9 % ist es laut Umfrageergebnis “egal” und lediglich 2 % finden die Gender-Gap in redaktionellen Beiträgen gut. (Interessanter Weise haben zu 100 % Frauen an der Umfrage teilgenommen.)

Nach mehreren internen Gesprächen haben wir letztlich entschieden, in redaktionellen Beiträgen für das Naturkind Magazin wenn möglich das Geschlecht zu umgehen, was oft gar nicht schwer ist.  Statt “Expert*innen” schreiben wir “Fachleute”, statt  “Unterstützer*innen” “Unterstützende”, statt “Tagesmütter und Tagesväter” schreiben wir “Tageseltern”, statt “Fußgänger*innen” “Wer zu Fuß geht”. Wenn das Umgehen nicht möglich ist, verwenden wir eine Mischform und wechseln zwischen femininer und maskuliner Form. Dabei versuchen wir, nicht in die Falle klassischer Rollenbilder zu tappen (wie “der Arzt” und “die Pflegerin”) sondern hier eine Ausgewogenheit darzustellen.

Warum überhaupt geschlechtersensibel schreiben?

Die Welt ist bunt und es gibt nunmal Frauen, Männer und diverse weitere Geschlechter. Zwar sind wir es gewohnt, in Texten die rein maskuline Form zu lesen und werden oftmals darauf hingewiesen, dass damit “alle gemeint” sind, doch reicht uns das nicht aus. Sowohl beim Naturkind Magazin als auch bei der sozial-ökologischen Agentur between media KG, die das Projekt realisiert, arbeiten überwiegend Frauen. Jede von ihnen ist in der Berufswelt bereits diskriminiert worden, was ein Grund dafür ist, dass wir Frauen sichtbarer machen möchten. Die meisten Menschen denken, wenn sie “Rechtsanwalt”, “Schreiner” oder “Bauer” lesen automatisch an einen Mann. Auch wenn Frauen damit ebenso “gemeint” sind und es zahlreiche Rechtsanwältinnen, Schreinerinnen und Bäuerinnen gibt, blenden die meisten Leser:innen diese unterbewusst aus. Eine gendersensible Kommunikation (in Schrift und gesprochenem Wort) kann das Weltbild verändern und dazu führen, dass alle Geschlechter gleichgestellt werden.

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