Nach dem Interview mit Farina, dem jüngsten Mitglied in der Naturkind Redaktion möchten wir euch auch Gründerin Rebecca Schwab im Gespräch etwas näher vorstellen. Dazu haben wir über den nicht immer einfachen Weg zur Gründung des Naturkind Magazins und ihre Arbeit gesprochen.

In Zeiten, in denen viele Menschen wettern, dass Printmagazine zum Tode verurteilt seien, hast du eine neue Familienzeitschrift aus dem Boden gestampft. Warum Print und nicht Online?

Neben der Printausgabe des Naturkind Magazins bieten wir ein E-Paper und Onlinemagazin an und sind darüber hinaus in verschiedenen sozialen Medien aktiv. Allein auf ein Printmagazin hätte ich heutzutage nicht mehr bauen wollen, doch dass dieser Bereich in absehbarer Zeit komplett sterben wird, glaube ich auch nicht.

Es kommt regelmäßig vor, dass wir von interessierten Eltern gefragt werden, wo unsere Zeitschrift erhältlich sei. Wenn es in deren Nähe keinen Auslageort gibt und wir auf unser E-Paper – welches identisch zur Printausgabe und ebenso kostenlos ist – verweisen, bekommen wir einstimmig die Antwort, dass das nicht das Gleiche sei und man lieber eine gedruckte Zeitschrift in Händen halte. Immer mehr Eltern, gerade aus unserer speziellen Zielgruppe, nehmen sich bewusst bildschirmfreie Zeiten. Viele argumentieren, dass sie ihren Kindern mit gutem Beispiel vorangehen wollen.

Aber ist es nicht paradox, zum Thema Naturliebe oder Nachhaltigkeit eine Zeitschrift auf Papier drucken zu lassen – ist das E-Paper nicht wesentlich umweltfreundlicher?

Das könnte man meinen, doch tatsächlich sind E-Paper oder E-Books nicht zwangsläufig umweltfreundlicher, als gedruckte Zeitschriften oder Bücher. Berücksichtigt man einige Faktoren, ist oft sogar das Gegenteil der Fall.

In der Produktion und Verbreitung sind die digitalen Alternativen jedoch günstiger und bei einem ähnlichen Abverkauf somit lukrativer für die Herausgeber. Ich behaupte, das ist der Hauptgrund, warum einige neue, deutschsprachige Magazin-Formate ausschließlich als E-Paper erhältlich sind. Der vorgeschobene “Umweltgedanke” ist ein nettes Marketinginstrument, das meiner Ansicht nach zu häufig ausgenutzt wird. Viele Verbraucher lesen die digitale Variante im guten Glauben, die Umwelt dadurch zu schonen.

Inwiefern sind digitale Zeitschriften oder Bücher schädlicher für die Umwelt, als die gedruckten Varianten?

Ich möchte es nicht schön reden – bei der Produktion und beim Vertrieb von Printprodukten entstehen Umweltschäden, etwa durch die Rodung von Bäumen für das Papier und CO2-Emissionen durch den Transport. Es werden Wasser und Strom benötigt und es entsteht Abfall. Beim Naturkind Magazin legen wir großen Wert auf eine möglichst schonende Produktion, haben uns für eine lokale Druckerei und zertifiziertes Papier entschieden, leisten einen CO2-Ausgleich und verzichten auf Plastik-Umverpackungen.

Dennoch ist ein Printprodukt, wie jeder andere Konsumartikel, nicht “gut” für die Umwelt. Doch oftmals eben “weniger schädlich”, als ein vergleichbares digitales Produkt – wenn wir von einem deutschen Durchschnittsleser ausgehen, der mindestens 30 Minuten mit seiner Lektüre verbringt. Zu diesem Thema gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien und es lohnt sich, diese näher zu betrachten, ehe man vorschnell urteilt. Eine ausführliche Auswertung hat der KATAPULT-Chefredakteur Benjamin Fredrich geschrieben. DER BEITRAG IST HIER ZU FINDEN…

Warum ist das Naturkind Magazin kostenlos?

Das hat mehrere Gründe, von denen sich einer auf den Nachhaltigkeitsgedanken fokussiert, womit wir wieder beim Thema sind. Bringt man eine Familienzeitschrift in den Handel, kann man sich über einen Abverkauf von 30 Prozent sehr freuen – eine geringere Zahl ist sogar wahrscheinlich. Bedeutet im Umkehrschluss, dass 70 Prozent unnötig produziert und in der Regel weggeworfen werden. Für die Umwelt ist das nicht vertretbar, aber auch den Anzeigenkunden gegenüber nicht, die von einer hohen Druckauflage ausgehen.

Wir verteilen das Naturkind Magazin kostenlos und können garantieren, dass die gedruckte Auflage tatsächlich verteilt wird und beim Leser ankommt. Unsere Auslageorte schätzen die Stückzahl bei ihrer Bestellung selbst ein und können diese bei Bedarf völlig unkompliziert korrigieren.  Es ist uns kein Fall bekannt, bei dem Hefte liegengeblieben sind. Im Gegenteil – meist sind die Hefte nach wenige Tagen schon vergriffen.

Entsteht dadurch nicht das Vorurteil kostenlos = qualitativ minderwertig?

Es mag sein, dass einige Menschen dieses Vorurteil haben. Spätestens, wenn sie das Naturkind Magazin einmal in den Händen hatten, werden sie aber wohl vom Gegenteil überzeugt sein. Wir verwenden hochwertiges Papier und arbeiten in den Bereichen Layout und Redaktion ausschließlich mit ausgebildeten Fachkräften und erfahrenen Experten zusammen.

Gerne würden wir unsere Seitenzahl erhöhen und noch mehr Inhalte bieten, auch würden wir uns freuen, wenn das Naturkind Magazin sechs- statt viermal im Jahr erscheinen würde – doch um das realisieren zu können, müssen wir zunächst weitere Werbepartner gewinnen.

Apropos Werbung – mit welchen Unternehmen kooperiert das Naturkind Magazin?

Zu Beginn haben wir ausschließlich mit Unternehmen aus der Biobranche zusammengearbeitet. Wie sich gezeigt hat, ist diese Branche jedoch nicht in jedem Fall offen für Neues und so hatten wir es sehr schwer, allein durch diese Partnerschaften eine Finanzierung des Magazins zu sichern. Inzwischen nehmen wir deshalb auch Werbekunden ins Heft auf, deren Produkte kein Biozertifikat haben. Wichtig ist uns dennoch, dass die Produkte sozial-ökologisch hergestellt und vertrieben werden. Typische “Green-Washing-Kampagnen” unterstützen wir nicht. Wir schauen uns die Unternehmen und deren Arbeitskultur genau an, ehe wir uns dafür entscheiden, für sie zu werben. Unsere Leser wissen das sehr zu schätzen.

Und für Vereine und Organisationen hält das Naturkind Magazin kostenlose Anzeigenplätze bereit?

Ja, genau. Im Jahr veröffentlichen wir Freianzeigen im Wert von etwa 40.000 Euro. Damit möchten wir unseren Beitrag dazu leisten, auf solche Angebote aufmerksam zu machen. Jeder kann sich engagieren – ob mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit, einer Sach- oder Geldspende.

Wer steht eigentlich hinter dem Magazin – wer sind die “Macher”?

Herausgeberin des Naturkind Magazins ist die Hamburger Agentur Urkind Media KG, die ich 2009 gegründet habe und die 2019 den 1. Platz beim bundesweiten Wettbewerb “Büro & Umwelt” belegt hat. Wir stellen also nicht nur an Partnerunternehmen einen hohen Anspruch, sondern gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Alle Mitwirkenden sind selbst Eltern und kommen aus der Medienbranche. MEHR ERFAHREN…

Nun zu dir, neben deiner Rolle als Geschäftsführerin dieser Agentur und Chefredakteurin der Naturkind Printausgabe, bist du bald vierfache Mutter. Wie gelingt es dir, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Ich liebe was ich tue und finde Erfüllung in beiden Rollen – in der als Mutter und in der als Unternehmerin. Nicht immer kann ich beide voneinander trennen, aber das muss ich zum Glück auch nicht. Ich muss mich vor keinem Arbeitgeber dafür rechtfertigen, wenn ich vormittags zu einem Gespräch in die Schule gehen oder einen sonnigen Nachmittag lieber mit meinen Kindern als im Büro verbringen will. Andersherum hat meine Familie Verständnis dafür, wenn ich am Abend, am Wochenende oder im Urlaub am Laptop arbeiten muss oder während eines Ausflugs mein Smartphone klingelt. Meine Arbeitszeiten kann ich mir flexibel und sinnvoll einteilen und private Termine in meine Woche integrieren. Klare Strukturen und eine gute Organisation helfen mir dabei, den Überblick zu behalten – beruflich wie privat.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Beruflich wünsche ich mir, dass es noch viele Ausgaben des Naturkind Magazins geben wird und die eine oder andere Buch-Idee möchte ich auch gerne noch umsetzen. Privat bin ich aktuell rundum glücklich!

Vielen Dank, Rebecca, für deine offenen Worte!

Sehr gerne! Spannend, mal auf der “anderen Seite” zu sitzen…

Liebe*r Leser*in! Du hast eine Frage an Naturkind-Gründerin Rebecca? Stelle sie gerne als Kommentar unter diesem Beitrag!