Sommerzeit ist Jungtierzeit. Die Tierpfleger in der VIER PFOTEN Wildtierauffangstation TIERART haben in diesen Tagen jede Menge zu tun. 

Jede Woche werden schutzbedürftige Rehkitze, Igelbabys, Fuchswelpen und andere wilde Tierkinder in der Auffangstation in der Südpfalz abgegeben. Für den wilden Nachwuchs ist die Aufnahme und Versorgung in TIERART oft die einzige Chance, zu überleben.

Volles Haus in der Wildtierstation

Aktuell werden auf dem 14 Hektar großen Gelände in Maßweiler unter anderem 17 Fuchswelpen, 19 junge Steinmarder, vier Waschbärbabys sowie diverse Kleintiere wie Eichhörnchen, Feldhasen und Igel aufgezogen. Die Tierpfleger haben alle Hände voll zu tun, die verletzten oder verwaisten Wildtierkinder zu versorgen.

„Nicht selten können die jungen Wildtiere zu Beginn noch keine feste Nahrung aufnehmen und müssen zunächst im Abstand von zwei bis drei Stunden mit Ersatzmilch aus der Flasche gefüttert werden – rund um die Uhr.“

Eva Lindenschmidt, Diplom-Biologin bei TIERART

Sobald die Flaschenkinder auf feste Nahrung umgestellt sind, werden sie in großen Freigehegen auf ihre spätere Wiederauswilderung vorbereitet. Weil manche Tierwaisen besonders intensive Betreuung brauchen kümmert sich Eva Lindenschmidt zusätzlich zu Hause um zwei Rehkitze. Die beiden kleinen Böcke sind sehr pflegeintensiv. Zu viel menschlicher Kontakt würde sie zu sehr stressen, deshalb werden sie von nur einer Bezugsperson betreut. „Das kleinere Kitz von den beiden wurde von einem Hund in der Wiese aufgestöbert. Die Mutter nahm es leider auch nach Stunden nicht wieder an, so dass es im Alter von gerade einmal etwa drei Tagen zu TIERART gebracht wurde.“

Verantwortungsvoll in der Natur bewegen

Häufig ist indirekt der Mensch verantwortlich, wenn Tierkinder zu Waisen werden. Ricken laufen auf der Straße vor ein zu schnelles Auto, Hasen werden von Mähdreschern erfasst oder Igel von Rasenmähern getötet. Manchmal werden Elterntiere auch einfach nur durch Hunde oder Spaziergänger gestört und kehren nicht mehr zu ihrem Nachwuchs zurück. „Fast täglich erreichen uns bei TIERART  neue Notrufe wegen verletzter Rehkitze. Wir appellieren deshalb an alle Hundehalter, während der aktuellen Brut- und Setzzeit die Wege nicht zu verlassen und auch nicht quer über Wiesen zu gehen. Die Handaufzucht von Rehkitzen, Igeln oder Marderkindern erfordert sehr viel Erfahrung und Geduld und viele Fälle könnten durch mehr Rücksichtnahme vermieden werden“, so Lindenschmidt.

Im Rahmen eines besseren Tierschutzes sehen 90 Prozent der Befragten neben dem Handel, den Landwirten und der Politik auch sich selbst in der Verantwortung. Beim Einkauf von Fleisch sind es 83 Prozent. Gleichzeitig empfinden es 80 Prozent als Aufgabe der Politik, den Tierschutz von Nutztieren voranzutreiben. Dabei wollen sowohl 81 Prozent strengere Tierschutzgesetze als auch die sofortige Umsetzung bereits bestehender Vorgaben. 73 Prozent wünschen sich eine deutsche Vorreiterrolle beim Tierschutz in Europa. Dass auf dieser Ebene endlich mehr geschehen muss, beweist auch eindrücklich die erfolgreiche Europäische Bürgerinitiative „End the Cage Age“, die ein Ende der Käfighaltung fordert und an der sich allein in Deutschland rund eine halbe Million Menschen beteiligt hat.

Mehr Informationen zu VIER PFOTEN und die Wildauffangstation TIERART finden Sie hier.

Bild: Vier Pfoten / Tierart