Haaatschi: Es ist Erkältungszeit! Ob im Kindergarten, in der Schule, auf der Arbeit, im Bus oder beim Einkaufen – täglich begegnen wir in diesen Wochen Menschen, die husten und niesen und ihre Nasen schnäuzen. Schnell haben wir uns angesteckt und selbst mit Beschwerden zu kämpfen. Viele denken nun über die Einnahme verschreibungspflichtiger Antibiotika nach, um die Infektion möglichst schnell zu besiegen. Doch hierbei ist Vorsicht geboten, denn Antibiotika können Nebenwirkungen hervorrufen und weitere negative Auswirkungen haben. Eine Alternative können, in vielen Fällen, natürliche Antibiotika sein.

Wie sich aus dem Namen ableiten lässt, haben Antibiotika das Potential, Bakterien zu töten, oder diese in ihrem Wachstum zu hemmen. Dies macht sie so wertvoll bei gefährlichen bakteriellen Infektionskrankheiten, wie etwa Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen, Typhus oder Tuberkulose. Antibiotika wirken jedoch nicht bei allen Infektionskrankheiten – und überhaupt nicht bei solchen, die von Viren verursacht werden.

Gefährliche Überversorgung

Genau in diesem Zusammenhang wird die hohe Zahl an Antibiotika-Verordnungen für Kinder bedenklich. Erkrankungen wie Husten, Erkältungen, Halsschmerzen oder Grippe sind bei Kindern häufig Anlass für eine Antibiotika-Therapie. Aber in acht von zehn Fällen werden diese Erkrankungen durch Viren hervorgerufen, sodass das verordnete Antibiotikum keinerlei positive Wirkung zeigen kann.

Keine positive Wirkung bedeutet jedoch nicht die Abwesenheit jeder Wirkung. Häufig ausgelöste Nebenwirkungen bei Kindern sind etwa Überempfindlichkeitsreaktionen, Allergien, Störungen des Verdauungstraktes sowie daraus resultierende Veränderung der Darmflora. Die Immunabwehr des Patienten kann dadurch eingeschränkt sein, sodass er beispielsweise anfällig für Pilzinfektionen wird.

Am schwerwiegendsten ist jedoch die mögliche Entwicklung von Resistenzen: Bakterien-Stämme können sich durch Mutation auf einen Stoff einstellen. Im Ernstfall, also bei einer schwerwiegenden Erkrankung, bei der Antibiotika nötig sind, helfen diese dann nicht mehr.

Es gilt also abzuwägen, wann ein Antibiotikum tatsächlich sinnvoll ist und wann die Risiken überwiegen. Selbst bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen, des Mittelohres und der Mandeln ist die Antibiotika-Einnahme nicht die Therapiemethode der ersten Wahl. Dies haben neuere Untersuchungen gezeigt, die sich teilweise in den Behandlungsleitlinien niedergeschlagen haben.

Pflanzliche Alternativen

Natürliche Antibiotika aus Pflanzen können in vielen Fällen eine sinnvolle Alternative zu den herkömmlichen antibakteriellen Mitteln sein. Heilpflanzen und Heilkräuter mit antibiotischer (das heißt keimabtötender) Wirkung besitzen pharmakologisch hochwirksame Substanzen, wie ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe oder Flavonoide, die die Vermehrung von Bakterien und Mikroorganismen hemmen oder sogar zerstören.
Die Pflanzen brauchen diese Schutzstoffe vor allem, wenn Fressfeinde Wunden hinterlassen. Ohne Abwehrstoffe wären die Wunden offene Einfallstore für Mikroben.

Aber auch gegen Pilze und Viren können sich die Pflanzen auf diese Weise wirkungsvoll schützen. Im Gegensatz zum klassischen Antibiotikum konnten bei den pflanzlichen Alternativen bisher keine Resistenzen nachgewiesen werden. Die grundsätzliche Wirkung konnte jedoch in Studien belegt werden.

Die Naturmedizin wendet antibiotisch wirksame Arzneipflanzen unter anderem bei Atemwegs- und Harnwegsinfekten, Magen-Darm-Beschwerden, Haut- und Pilzerkrankungen sowie zur Steigerung der Immunabwehr an. Bei Atemwegs- und Harnwegsinfektionen wirken zum Beispiel die Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich besonders gut. Die ätherischen Öle von Oregano und Thymian wirken besonders in der Lunge und im Verdauungssystem, Kamille und Salbei-Zubereitungen zur Mundspülung bekämpfen Bakterien im Mund- und Rachenraum.

Thymian

Wissenschaftler haben die keimtötende Wirkung von Thymian in einer Versuchsreihe mit Streptococcus pyogenes nachgewiesen. Diese Bakterien sind Hauptverursacher von Mandelentzündungen. Durch die Zugabe von Thymian verringerte sich ihre Zahl drastisch. Der Effekt ist nahezu vergleichbar mit dem eines Antibiotikums wie Amoxicillin.

Auch bei Bronchitis, Husten, fieberhaften Infekten und Grippe kann Thymian helfen: Das ätherische Öl
des Thymians löst sogar festsitzenden Schleim in den Atemwegen, wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend, krampflösend und schweißtreibend.

Thymian gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen: als Öl, Körperöl, Pastillen, Saft, Tropfen, Erkältungsbad, Salbe oder Tee. Ameisen schleppen wilden Thymian in ihren Bau, um den Ameisenstamm vor Krankheitserregern zu schützen.

Echinacea (Sonnenhut)

Die Inhaltsstoffe der Wurzel wirken nachweislich gegen Entzündungen, Bakterien und Viren, weswegen die Wurzel zur Vorbeugung und Behandlung einer “gewöhnlichen” Erkältung eingesetzt werden kann. In der Studie stellte sich ein Echinacea-Salbei-Spray bei akuten Halsschmerzen als genauso wirksam und verträglich heraus wie ein schulmedizinisches Spray. Die Symptome der Halsentzündung wurden deutlich reduziert.

Am wirksamsten ist das frische Kraut der Pflanze, das sehr gut bei Infekten verabreicht werden kann. Hierfür einfach zwei Esslöffel gereinigtes und geschnittenes Sonnenhutkraut mit einer großen Tasse (250 ml) siedend heißem Wasser übergießen, den Tee zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen und das Kraut anschließen heraus sieben. Sonnenhutkraut-Extrakte sind als Fertigarzneimittel in Form von Presssaft, Tropfen, Lösungen, Tabletten, Lutschtabletten und Salben erhältlich.

Weitere natürliche Antibiotika:

  • Knoblauch
  • Zwiebeln
  • Ingwer
  • Chilli
  • Kurkuma
  • Salbei
  • Honig
  • Nelke
  • Bärlauch

Wer diese bekannten Leckereien regelmäßig in den Speiseplan integriert oder in Form von Tees täglich trinkt, kann seinem Immunsystem etwas Gutes tun und Erkältungen entgegenwirken.

Hinweis

Natürliche Antibiotika können bei bakteriellen Infekten Linderung verschaffen. Bei anhaltend starken Beschwerden bitte immer einen Arzt aufsuchen.

Quelle: Carstens-Stiftung: Natur und Medizin, carstens-stiftung.de
Von Karen Hoffschulte und Michèl Gehrke