Treppen steigen, Fahrrad fahren, Wein trinken, Petersilie essen – die Liste angeblich wehenfördernder Maßnahmen ist lang. Doch viele dieser vermeintlichen “Wundermittel”, die schon bei der Großmutter das Kind ans Tageslicht gelockt haben sollen, nützen nichts und manche sind sogar gefährlich. 

Ist der errechnete Geburtstermin bereits verstrichen, wächst neben der Vorfreude bei manchen Schwangeren auch die Ungeduld. Sie fragen sich, wann die Geburt endlich losgeht und ob sie diesen Vorgang beschleunigen können. Manchen Frauen geht es schlecht – sie leiden unter Schlaflosigkeit, Übelkeit oder Rückenschmerzen und möchten ihren Körper deshalb so schnell wie möglich wieder für sich haben. Bei anderen Frauen sprechen Risikofaktoren wie eine Schwangerschaftsdiabetes dafür, auf den Geburtsbeginn nicht allzu lange zu warten. Frauen, die eine Hausgeburt planen haben darüber hinaus einen gewissen Zeitdruck, da die Krankenkasse eine Hausgeburt in der Regel nur bis zum zehnten Tag nach dem errechneten Geburtstermin bezahlt und die wenigsten Hebammen das Risiko einer späteren Hausgeburt selber tragen werden. Weitere Gründe, wie ein Wunschdatum für den Geburtstag, der eingereichte Urlaub des werdenden Vaters oder der reservierte Babysitter fürs ältere Geschwisterkind sollten dringend überdacht werden. Für vieles findet sich eine elegantere Lösung als der Eingriff in die Natur.

Einleitung nur in Absprache mit Fachmann oder -frau!

Gründe, eine Geburt einzuleiten gibt es also diverse, doch sollten diese immer mit dem behandelnden Arzt oder der Vorsorgehebamme abgesprochen und abgewogen werden, ehe man eigenmächtig Experimente wagt. Bis heute ist sich die Wissenschaft nicht einig darüber, wodurch eine Geburt ausgelöst wird. Vermutet wird, dass das Ungeborene ein Reifesignal an den mütterlichen Körper sendet und damit den “Startschuss” gibt. Infolgedessen bereitet sich der mütterliche Körper mit regelmäßigen Übungswehen auf den großen Tag vor. Das Kind rutscht tiefer ins Becken, der Muttermund wird weicher und öffnet sich letztlich immer weiter. Dieser natürliche Prozess kann Tage oder sogar Wochen dauern und wenn man es nicht eilig hat, sollte man sich ihm ganz in Ruhe hingeben, ohne Druck und zig verschiedene Versuche, das Ganze zu beschleunigen. Soll die Geburt aus einem triftigen Grund jedoch bald stattfinden, gibt es neben einer medikamentösen Geburtseinleitung im Krankenhaus natürliche Mittel, die sich als wirksam erwiesen haben und unter Aufsicht der Vorsorgehebamme ausprobiert werden können. Eine Garantie, dass sie den erwünschten Effekt haben, gibt es nicht. Grundsätzlich gilt, dass diese Mittel nur wirken, wenn der Körper der Mutter und das Ungeborene für die Geburt bereit sind.

Eigenmächtiges Handeln kann gefährlich werden

Je runder der Bauch wird, desto mehr gut gemeinte Ratschläge muss sich eine Schwangere meist anhören. Nicht selten auch solche, wie man die Geburt einleiten kann. Zahlreiche Frauen aus dem Umfeld, die selbst bereits entbunden haben, liefern vermeintlich wirksame Anleitungen. Dass sie diese selber befolgt und kurz darauf ihr Baby in den Armen gehalten haben, kann und wird jedoch in den meisten Fällen reiner Zufall gewesen sein.

Beliebte Laien-Tipps sind:

  • Lange Spaziergänge
  • Treppensteigen
  • Fahrrad fahren
  • Vom Stuhl oder Tisch springen
  • Wein trinken
  • Heiß baden
  • Petersilie, Weintrauben, Ananas oder Zimtsterne essen
  • Ein Fußbad (mit Senfkörnern o. a.) nehmen

Einige dieser Tipps bringen rein gar nichts, schaden jedoch auch nicht – etwa in Maßen angeblich wehenfördernde Lebensmittel zu essen oder zu trinken oder ein Fußbad zu nehmen. Andere wiederum kosten eine Hochschwangere viel Kraft und Energie – etwa lange Spaziergänge, Treppensteigen oder Fahrrad fahren. In der letzten Phase der Schwangerschaft sollte man sich nicht verausgaben, sondern die Energie lieber für den großen Tag sparen, der diese abverlangen wird. Andere Tipps, wie heiß zu baden, können auf den Kreislauf schlagen und für die Schwangere zur Gefahr werden und waghalsige Manöver, wie ein Sprung vom Stuhl oder gar vom Tisch können schlimmstenfalls in der Notaufnahme enden.

Ein warmes Wannenbad ist dann zu empfehlen, wenn man sich nicht sicher ist, ob es sich bei regelmäßigen Kontraktionen um Geburtswehen handelt. Hören diese in der Wanne auf, waren es Übungswehen. Doch zu heiß sollte das Wasser bitte nicht sein und während man badet sollt eine andere Person in Rufweite sein. Die Sache mit dem Wein sollte heutzutage gar nicht mehr in Erwägung gezogen werden – weiß man inzwischen doch, wie ungesund Alkohol grundsätzlich, jedoch vor allem für Ungeborene sein kann. Abgesehen davon kann Alkohol sogar ein Wehenhemmer sein.

Das kann man selber tun

Es gibt wenige Maßnahmen, die Schwangere in Absprache mit Arzt oder Vorsorgehebamme selber tun können, um die Geburt einzuleiten bzw. bereits vorhandene Wehen zu fördern. Dazu gehören die Brustwarzenstimmulation und Sex. Das männliche Sperma, in dem das Hormon Prostaglandin enthalten ist, spielt dabei übrigens eine untergeordnete Rolle. Zwar werden Prostaglandin-Gele in Krankenhäusern zur Geburtseinleitung eingesetzt, doch enthalten diese eine wesentlich höhere Konzentration. Das in Sperma enthaltene Prostaglandin allein reicht für eine Geburtseinleitung nicht aus, da sind sich Experten heute einig. Es ist vielmehr die Kombination mit dem Bindungshormon Oxytozin (welches bei der Zweisamkeit im Körper der Frau freigesetzt wird) und der Kontraktion der Gebärmutter (beim weiblichen Orgasmus), die den Anstoß für den Geburtsbeginn geben kann. Folglich kann diese Methode nur dann erfolgreich sein, wenn frau Spaß dabei hat.

Eine Brustwarzenstimmulation kann man auch alleine durchführen – hierfür die Brustwarzen etwa eine Minute lang reiben oder massieren, dann drei Minuten pausieren und von vorn beginnen. Auf die Wirksamkeit deutet eine Metastudie aus dem Jahr 2005 hin. Die Auswertung von sechs Studien mit 719 Patientinnen hat ergeben, dass Frauen mit einem reifen Gebärmutterhalsbefund innerhalb von 72 Stunden nach einer Brustwarzenstimmulation häufiger Wehen bekommen haben als Schwangere, die ihre Brustwarzen nicht stimuliert haben. Bei Frauen mit unreifem Gebärmutterhals hingegen hat diese Mini-Massage nichts bewirkt.

Das kann die Hebamme tun

In erster Linie kann die Vorsorgehebamme vorhandene Beschwerden lindern und die letzten Tage oder Wochen der Schwangerschaft dadurch angenehmer machen. Durch Akupunktur, Tapes oder Massagen können beispielsweise Rückenschmerzen gelindert werden. Auch kann die Hebamme Ratschläge geben, in welchen Positionen das Schlafen leichter fällt und wie man mit Übelkeit umgehen kann. Manchmal tut es einer Schwangeren auch schon gut, über das reden zu können, was nun so beschwerlich ist.

Viele Frauen wünschen sich jedoch, dass die Hebamme eine natürliche Geburtseinleitung vornimmt und gerade beim Thema Hausgeburt und dem damit verbundenen Zeitdruck, unterstützt die Fachfrau dann auch mit den ihr gegebenen Mitteln, wie beispielsweise Nelkenöl. Nelkenöl kann zur Massage des Bauchs oder zur Herstellung von Nelkentampons verwendet werden. In letzter Instanz setzen manche Hebammen heute noch auf Rizinusöl. Dieses kann, oral eingenommen, eine abführende Wirkung haben. Schwangere essen es beispielsweise auf Rührei oder trinken es in einem sogenannten Wehen-Cocktail und bekommen dann innerhalb kürzester Zeit Durchfall. Die dadurch provozierten Darmaktivitäten können die benachbarte Gebärmutter zu Kontraktionen anregen. Da durch Durchfall ein Mineralstoffmangel entstehen und der Kreislauf geschwächt werden kann, raten viele Experten von dieser Methode ab. Ähnliche positive wie auch negative Auswirkungen kann das Abführen mit anderen Mitteln, wie einem Einlauf, haben.

FAZIT: Gibt es keinen (medizinisch) dringenden Grund für die Einleitung einer Geburt, sollte man der Natur ihren Lauf lassen, sich in den letzten Wochen und Tagen vor der Geburt ausruhen und nur in dem Maße bewegen, wie es einem guttut. Überanstrengung, gefährliche Aktionen und Alkohol sind tabu. Die Hebamme kann helfen, Beschwerden zu lindern und die “Wartezeit” erträglicher zu machen.